Stalingrad 1943 – Was man in unseren Zeitungen las

Sowjetische Soldaten in Stalingrad, Januar 1943 (Bundesarchiv Bild 183-P0613-308 / Wikimedia)

Vor 78 Jahren ging im Januar 1943 die ein halbes Jahr dauernde Schlacht von Stalingrad zu Ende. Am 31. Januar und 2. Februar kapitulierten die eingeschlossenen deutschen Truppen. Was konnte man damals dazu in den liechtensteinischen Zeitungen – Volksblatt, Vaterland, Umbruch – lesen? Wurde Stalingrad bereits als Kriegswende wahrgenommen? 

Hitler hatte 1939 Polen überfallen, zusammen mit der durch Nichtangriffspakt eingebundenen Sowjetunion. Danach hatte er 1940 und 1941 die Faust sukzessive auf fast den ganzen Kontinent gelegt, zusammen mit Italien und Verbündeten. Nun wandte er sich ostwärts.

«Ostfeldzug»
Im Juni 1941 eröffnete Hitler den «Ostfeldzug» gegen die Sowjetunion, mit Millionenarmeen, denen ebensolche russische entgegenstanden. Die ostwärts vorrückende Front erstreckte sich bald über mehr als 2000 Kilometer Länge, von Finnland bis zum Schwarzen Meer und zum Kaukasus. Anfang Dezember 1941 standen die deutschen Armeen vor Leningrad – wo bis 1944 eine Million Bewohner verhungerten –, vor Moskau und vor Rostow am Asowschen Meer. Doch im Dezember 1941 fror «General Winter» die eiserstarrte Front abrupt ein. 1942 folgte eine sowjetische Winteroffensive, darauf im Sommer und Herbst der deutsche Vorstoss Richtung Don und Wolga. 

Im Krieg standen zeitgleich auch die USA, seit Dezember 1941. Amerikaner und Briten landeten im November 1942 in Nordafrika. Der Bombenkrieg verschärfte sich. Deutsche U-Boote versenkten im Atlantik alliierte Kriegs- und Frachtschiffe. In Ostasien und im Pazifik war Japan weiträumig dominant.

Warum Stalingrad?
Die Stadt mit Rüstungsindustrie lag an der westlichsten Biegung der Wolga. Den Fluss herauf gelangten über Persien und das Baskische Meer amerikanische und britische Rüstungsgüter ins russische Hinterland. Diese Ader wollte Hitler unterbinden. Über den Kaukasus ginge es dann zum Baskischen Meer, Richtung Britisch-Indien.

Im August 1942 erreichten deutsche Truppen die Wolga bei Stalingrad. Monatelang wurde verbissen gekämpft. Herbst und Winter kamen mit Schlamm, Schnee, Kälte. Die deutschen Divisionen, ergänzt durch verbündete rumänische, italienische, ungarische und kroatische Kräfte, waren weit ausgedehnt, Versorgungswege lang. Ab November war die 6. Armee unter General Paulus mit etwa 300’000 Mann abgeschnitten. Entsatz scheiterte. Ausbruch liess Hitler nicht zu. Er befahl den Einsatz bis zum letzten Mann, wie Stalin. Deutsche Versorgungsflüge in den Kessel – für Munition, Treibstoff, Lebensmittel, Abtransport Verwundeter – waren unzureichend. Russische Lautsprecher spielten den Deutschen über die Front hin das Dröhnen von Granatenabschüssen der Stalinorgeln vor, dann wieder Sehnsuchtslieder wie «In der Heimat, in der Heimat, da gibt’s ein Wiedersehn …». Soldaten verhungerten, erfroren, starben verwundet oder im Kampf – auf beiden Seiten.

Kapitulation der 6. Armee
In den letzten Januartagen 1943 spalteten die russischen Truppen den deutschen Kessel in Stalingrad. Am 31. Januar 1943 kapitulierte General Paulus in seinem Hauptquartier, im Keller eines Warenhauses, wo sowjetische Truppen eindrangen. Drei Tage darauf kapitulierte der Nordkessel. Die Schlacht von Stalingrad war zu Ende. Rund 108’000 überlebende Soldaten wurden in sowjetische Kriegsgefangenschaft geführt. Nur 6000 kehrten bis 1956 heim, darunter Paulus. 

«Der Umbruch», 5. Juli 1941, kurz nach Beginn des Ostfeldzugs (Foto Peter Geiger)

Volksblatt, Vaterland, Umbruch
In Liechtenstein erschienen damals die zwei Landeszeitungen «Liechtensteiner Volksblatt» und «Liechtensteiner Vaterland», dazu «Der Umbruch» (1940–1943/44). Die Zeitungen sind online einsehbar unter der von der Landesbibliothek verwalteten Website www.eliechtensteinensia.li.

Das Volksblatt kam dreimal wöchentlich heraus. Es war die Zeitung der Fortschrittlichen Bürgerpartei (FBP). «Verantwortlicher Schriftleiter» war Bernhard Risch (1879–1962), Vaduz, Landtagsabgeordneter, FBP-Präsident. Gedruckt wurde das Volksblatt in Au (SG). Das Vaterland erschien zweimal die Woche. Es war die Zeitung der Vaterländischen Union (VU). Vaterland-Redaktor war Josef Büchel (1910–1991), Lehrer in Triesen. Er wurde nach dem 6. Februar 1943 durch Prof. Gustav Schädler (1883–1961), Alt-Regierungschef, Reallehrer in Vaduz, abgelöst. Gedruckt wurde das Vaterland in Buchs. Die Mehrheitspartei FBP und die Minderheitspartei VU regierten ab 1938 in Koalition.

Der oppositionelle «Umbruch» war das «Kampfblatt der Volksdeutschen Bewegung in Liechtenstein» (VDBL), der einheimischen Nationalsozialisten. Das Blatt erschien ab Oktober 1940, anfänglich ein-, dann zweimal die Woche. Ende 1942 wurde der Umbruch, den bis dahin Martin Hilti leitete, für einen Monat verboten. So fiel er im Januar 1943 aus. Umso lauter war er ab dem 3. Februar wieder präsent, nun unter Leitung von Dr. Alfons Goop (1910–1993), VDBL-Landesleiter, Reallehrer in Eschen. «Umbruch»-Mitarbeiter war Dr. Sepp Ritter. Gedruckt wurde das Blatt bei Ulrich Göppel, Vaduz. Im Juli 1943 wurde der «Umbruch» verboten.

Insgesamt brachten die liechtensteinischen Blätter in fast jeder Ausgabe Berichte zu den verschiedenen Kriegsschauplätzen. Das Volksblatt gab immer an, von wo seine Meldungen stammten, z. B. «Berlin, 19. Jan.», «London, 21. Jan.», «Tokyo (DNB)». Es liess so die Leser wissen, von welcher Seite die Berichte kamen. Das Vaterland war hier teils weniger genau. Das Volksblatt berichtete gleichmässig zu beiden Kriegsseiten und viel aus der Schweiz. Das Vaterland brachte mehr aus deutscher Warte. Beide Zeitungen druckten unter «Letzte Meldungen» jeweils Neuestes wie Bombardierungen, U-Boot-Kämpfe, Vorstösse in Tunesien, Operationen im Pazifik oder in China. Im Zentrum aber stand der Krieg in Russland und nun bei Stalingrad. Der «Umbruch» brachte ebenfalls recht viel zum Kriegsgeschehen, alles ganz aus NS-Sicht. Betrachten wir im Folgenden die einheimische Berichterstattung zu Stalingrad zum Jahresanfang sowie Ende Januar und bis Mitte Februar 1943.

Zum Jahresanfang 1943
Am 2. Januar 1943 bringt das Volksblatt «Zur grossen Schlacht am Don» eine Darstellung aus der NZZ und eine «Deutsche Beurteilung». Die NZZ betont die Verzahnung der langen Front, das überraschend schnelle Agieren der Russen, die kaum mehr mögliche Versorgung der Deutschen bei Stalingrad. Beide Gegner würden die Schlacht «als entscheidend» betrachten. Aus Berlin wird berichtet, Goebbels erkläre, trotz kritischer Lage könne man «in Deutschland mit ruhiger Gewissheit der weiteren Entwicklung des Krieges entgegenschauen».

Das Vaterland bringt in der ersten Nummer von 1943 am 6. Januar auf der Titelseite einen Leitartikel «Zeichen der Zeit». Den Liechtensteinern habe das «grosse Völkerringen» im vergangenen Jahr nur bescheidene Opfer abverlangt, verglichen mit «den gewaltigen Opfern jener Staaten, die zum Kampfe gegen den Feind eines neuen Europa ihr Bestes einsetzen an der Front und im Hinterland.» Unschwer konnten Leser erkennen, wer bewundernd gemeint war: Deutschland mit Verbündeten, der russische Gegner, Hitlers Neues Europa.

Ende Januar 1943
Am 27. Januar 1943 füllt das Vaterland die Frontseite mit Berichten «Von den Kriegsschauplätzen». Am schwersten sei der Kampf bei Stalingrad, «wo die Armee des General Paulus in heldenmütigem Kampfe seit dem 10. Januar abgeschnitten von der übrigen Front dem gewaltigen Ansturm der Russen standhält.» Die deutsche Presse lasse jetzt keinen Zweifel am Ernst der Lage, es gehe «um Sein oder Nichtsein».

Diese und andere Stimmen sind zuvor am 26. Januar auch im Volksblatt unter dem Titel «Deutschlands schwere Belastungsprobe» zu lesen, allerdings distanzierter. Es heisst da, die deutsche Publizistik betreibe eine «wohlorchestrierte Verherrlichung des Soldaten von Stalingrad». Im Blatt «Angriff» stehe: «Totaler Krieg: Keiner darf fehlen!», und im «Völkischen Beobachter»: «Sieg oder Bolschewismus».

Am 30. Januar dann füllt das Vaterland die halbe Frontseite unter dem Titel «Zehn Jahre nationalsozialistisches Deutschland». Deutschland habe im Innern Ordnung geschaffen, sich wirtschaftlich aufgerichtet, vom Versailler Vertrag befreit, militärisch gefestigt, «volksdeutsche Gebiete» ins Reich zurückgeführt. Deutschland habe «seinen engsten Ring gesprengt», es wolle seine Kolonien zurück, als Rohstoffbasis. Es gehe um «Hinführung Deutschlands zur neuerlichen Weltmacht». Nun stehe man im vierten Jahr des vom «Bund der Deutschlandhasser unter Führung Englands» verschuldeten Krieges, «im grossen Ringen um die endgültige Befriedung», es sei «ein furchtbarer totaler Krieg geworden». Der Text war eine einzige Lobrede auf das Dritte Reich, dessen Führung, die NSDAP, die Wehrmacht. Von wem er stammte, ist nicht ersichtlich, aber er war als Leitartikel platziert. 

Dem Volksblatt war am selben Tag das zehnjährige Bestehen von Hitlers Herrschaft nur wenige Zeilen und die Aussage wert, damals habe «ein neuer Abschnitt der deutschen Gegenwartsgeschichte begonnen».

Nach der Kapitulation
Am 2. Februar 1943 bringt das Volksblatt eine Meldung aus Berlin (31. Januar), die Lage an der russischen Front habe sich «verfestigt», werde aber bei Stalingrad «immer verzweifelter». Gleich darunter steht die Meldung aus Moskau (1. Februar): «Ende der Kämpfe bei Stalingrad. Übergabe der Reste der Armee Paulus. Gefangennahme von 16 Generälen», vernichtet oder gefangen 330’000 deutsche und rumänische Soldaten.

Anders das Vaterland, es füllt am 3. Februar 1943 die ganze erste Seite mit «Deutschland am 30. Jänner 1943». Da heisst es, «ein unvergleichlich harter Abwehrkampf an der Ostfront gegen den Bolschewismus» überschatte den «Gedenktag» zum zehnjährigen Bestehen des neuen Deutschlands: «In Stalingrad hat der deutsche Soldat als deutscher Held sich unsterblichen Ruhm an seine Fahnen geheftet und gerungen bis zum letzten Mann», auch «jede Kapitulation abgelehnt». Es folgen ausführliche Auszüge aus den Reden von Goebbels und Göring und aus Hitlers Proklamation zum Gedenktag. Deutschland werde siegen, sonst, so Hitler, breche die «innerasiatisch-bolschewistische Welle über den ältesten Kulturkontinent herein». Der ganze Text war erneut völlig im deutschen Sinne gehalten. Ab der übernächsten Vaterland-Nummer war Josef Büchel nicht mehr Redaktor, Gustav Schädler übernahm.

«Der Umbruch» über Stalingrad
Der am 3. Februar 1943 erstmals wieder erscheinende «Umbruch» setzt mitten auf die Titelseite eine grosse, schwarz umrandete, hakenkreuzgezierte Traueranzeige. Sie gilt dem liechtensteinischen Freiwilligen SS-Pionier Rupert Biedermann, vor Stalingrad gefallen am 24. September 1942. Er zähle zu den «Unsterblichen» von Stalingrad, uns mahnend, «der Gefahr des Ostens einsatzbereit und todesmutig ins Auge zu schauen». Er habe «sein Leben auf den Opferaltar des Vaterlandes gelegt», was den Angehörigen Trost biete. Unter der Todesanzeige ein Hitlerzitat, daneben ein Frontbild, auf den folgenden Seiten Auszüge aus den Reden der NSDAP-Führer zum 30. Januar. Ein Artikel «Der totale Krieg» führt aus: Eine neue Welt stehe gegen eine alte. Man stehe mitten im «totalen Weltkrieg». Es gehe um eine «totale Entscheidung». Jeder müsse «totale Anstrengung» leisten. Zur Bekräftigung prangt seitenbreit ein fettes Schriftband: «Jetzt wird das Schicksal einer Welt entschieden!» In der Rubrik «Aus Liechtenstein» liest man dann Grüsse aus dem Osten von drei liechtensteinischen Freiwilligen und auch: Bisher stehen 58 VDBL-Kameraden im Einsatz, davon sind fünf gefallen.

In der nächsten Nummer beschreibt und wertet der Umbruch am 6. Februar unter dem Titel «Generalfeldmarschall Paulus und seine Getreuen» deren Schicksal. Die Schlacht von Stalingrad sei in der Geschichte einzigartig, nur mit jener im Altertum unter Leonidas bei den Thermopylen zu vergleichen. Aus dem «heroischen Opfer der 6. Armee» schöpfe man «neue Opferbereitschaft». Jetzt gelte es, sich einzureihen in die «grosse europäische Front». Unter dem Titel «Jude und Bolschewismus» werden die Juden als Verschwörer und Streber nach Weltherrschaft dargestellt. Und aus einem Beitrag von Reichsorganisationsleiter Ley wird ausgiebig und zustimmend zitiert: Die «bolschewistischen Steppenwölfe» müsse man «erschlagen, erschiessen und zertreten». Und: «Lernt hassen und immer wieder hassen.»

«Der Umbruch», 3. Februar 1943 (eliechtensteinensia.li)

(Hierzu eine Anmerkung: Bei einem Zeitzeugen-Interview fragte ich einen ehemaligen liechtensteinischen Waffen-SS-Freiwilligen, ob er die ihm in den Schneelöchern gegenüberliegenden Russen gehasst habe. Er antwortete: «Nein, sie waren die gleichen armen Schweine wie wir.»)

Reaktion des «Volksblatts»
Das Volksblatt reagiert vorerst nicht auf den Umbruch. Es setzt am 4. Februar auf die erste Seite längere Überlegungen zu «Nachkriegs-Diskussionen», bezogen nicht auf Sieg oder Niederlage, sondern auf die für alle zu erwartenden Schwierigkeiten in Wirtschaft und Gesellschaft: Soziale Not – Kriegswitwen, Waisen, Verstümmelte –, Arbeitslosigkeit, schleppende wirtschaftliche Erholung, Schulden, Währungszusammenbrüche, soziale Revolten.

Am 6. Februar würdigt das Volksblatt im Leitartikel «Im Wandel der Zeiten» (von E.)» Peter Kaiser. Er sei kluger Lehrer gerade für die Liechtensteiner in der Gegenwart. Entsprechend wolle unser Völklein gegenüber den «Lockungen einer grossrangigeren Welt» frei und unabhängig bleiben. Dies war schon als Fingerzeig zu verstehen.

Am 11. Februar dann nimmt das Volksblatt mit dem grossen Leitartikel «Einsatz und Opferbereitschaft» (X.) direkt Bezug auf Stalingrad, den Krieg und die liechtensteinischen NS-Leute. Die ganze Welt stehe noch unter dem Eindruck des «heroischen Ringens um Stalingrad», hebt der Text an. Deutschland rufe zur totalen Opferbereitschaft. Reichsdeutsche aus Liechtenstein würden einrücken, ihre Pflicht achte man. Da müssten doch – wird dann maliziös argumentiert – jetzt auch die Führer und Gefolgsleute der Volksdeutschen Bewegung, jene «Söhne unserer Heimat», die sich ihres kleinen Vaterlandes schämten und ein grosses suchten, auch gemäss ihren grossspurigen Worten handeln. Unverblümt fordert X. so die einheimischen NS-Männer der VDBL auf, doch ihre Opferbereitschaft an der Front zu beweisen. 

05«Liechtensteiner Volksblatt», 11. Februar 1943Der Volksblatt-Leitartikel war eine Antwort auf den Umbruch und dessen nationalsozialistische Auslassungen. Tatsächlich ging Dr. Goop einen Monat später nach Berlin, um an der Front zu kämpfen. Verwendung fand er bis 1945 an volksdeutschen Schulen im besetzten Osten.

Einschätzung des «Vaterlands»
Das Vaterland, nun unter Prof. Schädler, geht auf den Umbruch und die Reaktion des Volksblatt nicht direkt ein. Am 17. Februar dann titelt ein von einem Korrespondenten übernommener Vaterland-Leitartikel «Kommt der Bolschewismus über Europa?» Die Rückschläge der deutschen und verbündeten Armeen im Osten würfen diese Frage für jeden Europäer auf. Russland hätte man solche Kraft nicht zugetraut. Ob es noch Reserven habe, wisse man nicht. Solche habe aber das deutsche Volk, das zu seinem «Platz an der Sonne» dränge. Kraft und Elan seien ungebrochen. Der deutsche Soldat werde die Lage im Osten meistern. Sonst käme «namenloses Elend über alle europäischen Länder», Deutschland, Italien, auch Frankreich und die Kleinstaaten. Ob Amerika sich anschicken würde, das Verhängnis aufzuhalten, sei sehr fraglich, Amerika habe für Europa «wenig Verständnis und Gefühl». So kommt der Leitartikler zum Schluss: «Nein, darüber muss man sich klar sein, der einzige zuverlässige Schutz Europas gegen den Osten kann nicht vom Westen herkommen, sondern nur von Europas Mitte, von Deutschland aus.» Solche Einschätzung stufte einen Hitler-Sieg höher ein als einen von Stalin. Rückblickend erscheint am Horizont die Konfrontation des Kalten Kriegs. 

«Liechtensteiner Vaterland»,
30. Januar 1943

Fazit
Der Ausgang der Schlacht von Stalingrad brachte noch nicht die Kriegswende, jedenfalls nicht so schnell, auch nicht von Liechtenstein aus gesehen. Aber Stalingrad wirkte psychologisch in diese Richtung. Deutschlands Armeen schienen nicht mehr unbesiegbar, die sowjetischen stärker als erwartet. Zuversichten schwankten. Die allgemeine Nervosität wuchs, besonders auf deutscher Seite und bei deren Sympathisanten. Nicht grundlos rief man zum «totalen Krieg».

Von Liechtenstein aus gesehen spielte sich der Krieg noch fern ab. Hier gab es in jenen Wochen bei guten Schneeverhältnissen Skirennen, Langlaufwettkämpfe, Skitouren. Ende Januar lief im Tonkino Vaduz «Wienerblut». Im Februar spielte man im Rathaussaal die Operette «Winzerliesel», in Balzers «Geier-Wally». Die Reichsdeutsche Gemeinschaft lud zum Filmabend. Die Fasnachtszeit begann, mit Tanz in den Wirtshäusern. Die Landtagswahlen wurden am 18. Februar per Notrecht verschoben, um einen aufgeladenen Wahlkampf zu vermeiden. Vorbereitungen zur Fürstenhochzeit am 7. März liefen an. Im Bewusstsein aber lag der Krieg immer. Was würde er noch bringen? Wie ausgehen?