«Ich hatte immer einen klaren Plan»

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Michael Lampert ist in seiner aktiven Karriere als Kickboxer in die Weltspitze vorgestossen. Als Trainer gibt er sein Wissen in seinem eigenen Sportcenter in Bendern zudem an den ambitionierten Nachwuchs, aber auch an motivierte Freizeitsportler weiter.

Im Alter von 19 Jahren wurde aus dem Fussballer Michael Lampert der Kickboxer Michael Lampert. Schnell war er von diesem Sport begeistert. Wozu es auf dem Rasen wohl nicht gereicht hätte, gelang ihm auf der Matte: Er ist in die Weltspitze vorgedrungen und besitzt heute sein eigenes Trainingscenter.

Was in den 70er- und 80er-Jahren das Skifahren war, ist heute das Kickboxen: diejenige Sportart, in der Liechtenstein an der Weltspitze mit- und diese zuweilen auch aufmischt. Michael Lampert ist einer derjenigen, die einen grossen Anteil an den zahlreichen Liechtensteiner Erfolgen auf dem internationalen Parkett haben. Sowohl mit seinen persönlichen Siegen als mit seinem Sportcenter Lampert in Bendern. Dort treffen die Athleten des Vereins Chikudo Martial Arts auf ideale Trainingsbedingungen, und es benötigt schon einen Gesprächstermin vormittags um 9 Uhr, um ein Gespräch unter vier Augen führen zu können. Auch das ist aber nicht selbstverständlich. «Die besonders ambitionierten Mitglieder können bei mir rund um die Uhr trainieren», sagt Michael Lampert. Selbstverständlich alleine oder zu zweit an den Sandsäcken sowie an den Kraft- und Ausdauergeräten. Die offiziellen Vereinstrainings finden an den Abenden statt. «Wir haben rund 150 Mitglieder von Fünf- oder Sechsjährigen bis hin zu den Golden Oldies», sagt Lampert, der zahlreiche Trainings auch selbst leitet.

Den Weltmeister geschlagen
Der Aufwand für Michael Lampert ist in den vergangenen Jahren seit der Eröffnung seines Centers 2017 stetig gestiegen. Sein Pensum bei der Wertschriftenverwaltung der LGT hat der gelernte Bankkaufmann, der seinem Arbeitsgeber seit der Lehre treu ist, daher kürzlich auf 80 Prozent reduziert. Dennoch muss der Wechsel vom Anzug in die Trainingskleidung schnell gehen. Schliesslich leitet er nicht nur Trainings und managt seine Halle, er selbst trainiert ebenfalls mindestens einmal pro Tag. Vor Wettkämpfen eher zweimal. Das bekommen auch die Gegner zu spüren. 2015 gewann er das US Open-Weltcup-Turnier in Orlando, USA, 2016, dem bisher besten Jahr seiner Karriere, den Schweizer Meistertitel, mit den Irish Open das grösste Turnier der Welt, die Austrian Classics in Innsbruck und eine EM-Medaille in Slowenien. «Dieses Jahr wollte ich es nochmals richtig wissen», sagt Lampert. Er gewann die international besetzten Turniere in Athen (Weltcup), Conegliano in Italien (Europacup) und erneut in Dublin in seiner Gewichtsklasse, und bei den Irish Open hatte ihm selbst der lange Zeit ungeschlagene Weltmeister aus Deutschland wenig entgegenzusetzen.

Dass es so kam, ist einerseits nachvollziehbar, wenn Lampert sagt: «Ich hatte immer einen klaren Plan, wollte an die Spitze kommen und meine eigene Halle haben.» Andererseits ist es doch nicht so selbstverständlich. Denn bis zum Alter von 19 Jahren spielte er beim FC Ruggell Fussball. Sein guter Kollege Peter Davida, dessen Vater Rainer damals Präsident von Allstyle Karate Schaan war, war bereits aktiver Kickboxer in besagtem Verein. «Er hat immer wieder gesagt: ‹Komm doch auch mal in ein Training›. Ich habe jedes Mal geantwortet: ‹Mache ich dann›. Es ging dennoch lange, bis ich wirklich das erste Mal in die Turnhalle des Gymnasiums gegangen bin und mitgemacht habe. Danach habe ich aber kein einziges Training mehr verpasst. Ich habe gesehen, dass das Kickboxen wirklich mein Ding ist.» Obwohl die Trainingsbedingungen damals längst nicht so professionell waren wie heute, konnte Lampert an regionalen Wettkämpfen rasch erste Erfolge erzielen.

Unterwegs in die Moderne
Das Aha-Erlebnis war schliesslich ein Trainingscamp in Ungarn. «Ich habe gesehen, wie wirklich hohes Niveau aussieht, und was wir in Liechtenstein ändern müssen, um an die Spitze zu kommen», sagt Michael Lampert. Er ergänzt: «In anderen Ländern herrschten richtig professionelle Bedingungen und ein grosser Konkurrenzkampf. Wir trainierten mit ein paar wenigen Mitgliedern in einer Turnhalle. Es war mehr Vereinsleben als Spitzensport.» Das Vereinsleben und die Kameradschaft in Liechtenstein habe er zwar sehr geschätzt, und er schätze beides bis heute, doch auf seinem Weg an die Spitze hat Michael Lampert auch oft an Trainingslagern im Ausland teilgenommen. «Dabei habe ich zahlreiche sehr gute Trainer kennengelernt, von denen ich mir viel abschauen konnte.» Dieses Wissen und Können brachte Lampert nach Liechtenstein mit. Aus Allstyle Karate wurde schliesslich Chikudo Martial Arts, der Verein konnte zahlreiche neue Mitglieder gewinnen und professionalisierte die Strukturen. «Wir waren unterwegs in die Moderne. Den Ball ins Rollen gebracht hat schliesslich unser Wechsel in die Figthhall nach Nendeln.» 

Dass Michael Lampert den späteren Wechsel in sein eigenes Trainingscenter nicht explizit erwähnt, ist Bescheidenheit. Denn die dortigen Bedingungen sind optimal, um auch im kleinen Liechtenstein an die Spitze vorzustossen. «Wir haben alles, was man braucht, um im Kickboxen wirklich vorwärts zu kommen. Die Mitglieder müssen diese Möglichkeit einfach auch nutzen. Viele kommen aber tatsächlich jeden Tag», sagt Lampert, der inzwischen auch das Amt des Vereinspräsidenten von Rainer Davida übernommen hat. Neben dem Pensum in der LGT und der Führung seines Centers gibt Michael Lampert ausserdem Kurse für Kinder, um ihnen die ersten Tricks und Kniffe des Kickboxpsorts beizubringen. «Dafür werde ich regelmässig von Schulen und anderen Vereinen engagiert.»

«Bei uns ist jeder willkommen»
Diese Präsentationen sind sicher ein Grund dafür, dass der Nachwuchs dem Verein nicht ausgeht. Dafür, dass Liechtenstein an der Weltspitze so gut vertreten ist, sind sie aber kaum der einzige Grund. «Warum das so ist, ist eine gute Frage», sagt Michael Lampert. «Es liegt sicher unter anderem daran, dass meine Trainer und ich mittlerweile einiges an Wissen und Erfahrung haben, die wir den Mitgliedern weitergeben und so das Trainingsniveau stetig steigern können. Die Kleinheit hat aber auch ihre Vorteile. Wir sind die ganze Woche in den Trainings zusammen, motivieren uns gegenseitig. An die Weltspitze zu kommen, ist dennoch ein Glücksfall. Einige von uns setzen aber wirklich ihre ganze Energie in den Sport.» Die Liechtensteiner Sportförderung trägt ihr Übriges zum Erfolg bei. «Das LOC und der Verband decken einen grossen Teil unserer Reisekosten. Dennoch ist der finanzielle Aufwand nicht zu unterschätzen. Was wir einsparen, weil wir beispielsweise wenig Geld für andere Freizeitaktivitäten ausgeben, investieren wir in den Sport», sagt Lampert und lacht.

Der Erfolg gibt Chikudo, dem Sportcenter Lampert und deren Philosophie, die neben dem Körperlichen auch auf Mentaltrainings und Videoanalysen setzt, recht. «Bei uns ist aber auch jeder willkommen, der einfach nur für sich und sein Wohlgefühl trainieren möchte. Das sind die meisten Mitglieder. An den internationalen Wettkämpfen nehmen lediglich zehn bis 20 regelmässig teil», sagt Michael Lampert. 

Von den Möglichkeiten des Sportcenters profitierten die Mitglieder auch während des Corona-Shutdowns im Frühjahr. «Als alles schliessen musste, haben wir Online-Trainings angeboten, die wirklich gut angekommen sind.» Turniere fänden seit dem Frühjahr aber keine mehr statt, und auch für 2021 sei noch alles unsicher. Manche Mitglieder meiden die Trainings derzeit trotz des umfassenden Schutzkonzepts. «Das ist für mich absolut verständlich. Dennoch hoffe ich, dass allgemein die grosse Begeisterung und Motivation zurückkehrt, wenn wir die Pandemie einmal überstanden haben. Mein Ziel ist aber auf jeden Fall die Weltmeisterschaft in Moskau im kommenden Jahr, ich möchte an einigen Weltcup-Turnieren teilnehmen und mein Bestes geben sowie das Beste aus der Situation machen», sagt Michael Lampert – und Pläne hat er schon immer konsequent verfolgt.