Ohne Waldverjüngung fehlt uns der Schutz

Ein gutes Beispiel einer natürlichen Waldverjüngung mit verschiedenen Baumarten in Tallagen.

Der Waldeigentümerverein Liechtenstein legt grossen Wert auf die Förderung einer nachhaltigen Waldwirtschaft. Damit verbunden ist ein gezieltes Tun wie auch ein bewusstes Unterlassen, was eine grossflächige Naturverjüngung mit standortgerechten Baumarten zum Ziel hat. Mit einer naturnahen Waldpflege soll der Wald auch für die kommenden Generationen erhalten bleiben. 

 Der Wald bietet einer Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten einen nicht ersetzbaren Lebensraum, diese Biodiversität soll erhalten und weiter gefördert werden. Die Kernaufgabe der Waldeigentümer besteht im Schaffen von Rahmenbedingungen, die eine ununterbrochene Erbringung der verschiedenen Waldleistungen ermöglichen. 

Sorgenkind Schutzwald
Eine Sonderstellung nimmt dabei der Schutz vor Naturgefahren ein, denn ohne Wald wären grosse Gebiete in unserem Land nicht bewohnbar. Unser Wald ist also ein wesentlicher Garant für die Sicherheit unserer Bevölkerung. Eine ausreichende Schutzfunktion kann ein Wald dann übernehmen, wenn eine gute Alters- sowie Baumartendurchmischung vorhanden sind. Fehlende Waldverjüngung erschwert die Schutzfunktion sowie eine nachhaltige langfristige Waldwirtschaft massiv, „denn nur durch einen ausreichend hohen Jungwaldanteil ist gewährleistet, dass z.B. die Schutzleistung eines Waldes flächendeckend und ohne zeitlichen Unterbruch erbracht werden kann.“ (Landeswaldinventar 2012). Bereits damals wurde festgehalten, dass die Verjüngungssituation im Schutzwald alarmierend ist und die Hälfte der Schutzwaldbestände oberhalb von Siedlungen und Hauptverkehrsträgern den minimalen Ansprüchen nicht genügt. Heute, fast zehn Jahre später, stehen wir immer noch vor derselben kritischen Situation. Eines der Hauptprobleme ist die Zeit, denn ein Wald wächst nicht von heute auf morgen sondern benötigt viele Jahre, bis er die nötige Funktion eines Schutzwaldes übernehmen kann. Was heute angepflanzt wird, wird erst in einer nächsten Generation Früchte tragen. Um die Schutzfunktion also auch in Zukunft zu gewährleisten, muss eine kontinuierliche Verjüngung des Waldes stattfinden. 

 Potentiale der Naturverjüngung
Damit ein Wald auf Dauer Bestand hat und seine Funktionen erfüllen kann, müssen laufend junge Bäume nachwachsen. Von Naturverjüngung spricht man, wenn das Nachwachsen dieser jungen Bäume ohne menschliches Zutun geschieht. Die Naturverjüngungspotentiale der Wälder sind konsequent auszunutzen, denn natürlich verjüngte Bestände weisen gegenüber Pflanzungen ökonomische, ökologische und waldbauliche Vorteile auf. Mit gezielten Durchforstungen werden Bäume aus dem Wald entnommen um einerseits die Bestandsstabilität zu sichern und andererseits optimale Lichtverhältnisse auf dem Boden für die Naturverjüngung zu schaffen. Diese Waldpflege generiert Holzanfall in verschiedenen Dimensionen und Qualitäten. 

Seit dem Jahr 2001 bestehen Verjüngungsvorgaben des heutigen Amtes für Umwelt (damals noch Amt für Wald, Natur und Landschaft). Wie im damaligen nationalen Waldprogramm gefordert, wurde die Holznutzung ab dem Jahr 2002 angehoben, damit mehr Licht auf den Waldboden kommt und so die Waldverjüngung angeregt werden konnte. Auch die Verbissbelastung an den Waldbäumen sollte damit reduziert werden. Zwar wurde das Äsungsangebot in den Wäldern massiv verbessert, die Wildreduktion beim Rotwild blieb jedoch aus. Die angeordnete Verjüngungsoffensive wurde bis zum Jahr 2015 aufrechterhalten. Seither sinkt die Holznutzung mit der Ausnahme von Sturmereignissen kontinuierlich. 

Waldzustand als Erfolgskontrolle
Um die Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Liechtensteiner Schutzwald zu gewährleisten, erfolgt die Waldwirtschaft in Liechtenstein nach den grundsätzlichen Überlegungen wie sie auch in unseren Nachbarländern gemacht werden. Die Schutzwaldpflege in Liechtenstein wird mit den gleichen planerischen Grundlagen und Parameter ausgeführt, wie in den Schweizer Gebirgskantonen. Dabei werden Ziele für jede zu behandelnde Waldfläche festgelegt. Sehr oft jedoch zeigt sich in der Praxis, dass selbst die Minimalvorgaben in unserem Schutzwald bei der Waldverjüngung aufgrund der zu hohen Wilddichte nicht erreicht werden können. Wie im Gesetz vorgeschrieben sollte sich die Jagd- bzw. Abschussplanung deshalb am Zustand der Waldverjüngung orientieren, denn der Waldzustand zeigt, ob der Wald seine Funktionen ausreichend und nachhaltig erfüllen kann oder nicht. Verschiedene Gutachten und Inventuren zeigen seit Jahren hohe bis sehr hohe Verbissbelastungen in unseren Wäldern auf, insbesondere in denen für uns so wichtigen Schutzwäldern. 

Wichtige Zusammenarbeit mit den Jägern
Eine funktionierende Kooperation zwischen Jäger und Waldeigentümer bzw. Förster ist unabdingbar, denn nur gemeinsam können die zentralen Ziele erreicht werden. Trotz des derzeitigen Konfrontationskurses, welcher der Vorstand der Liechtensteiner Jägerschaft im Namen ihrer Mitglieder fährt, muss allen klar sein, dass das Problem der Waldverjüngung nicht ohne konstruktive Zusammenarbeit beider Parteien gelöst werden kann. Sichtbare Verjüngungserfolge setzen dort ein, wo sich Jagdpächter und Förster gemeinsam für die Belange des Waldes als Lebensraum mit grosser Biodiversität einsetzen. Einige gute Beispiele im Land machen Mut für die Zukunft. Die Waldeigentümer bieten diese Zusammenarbeit an und hoffen für die nächste Pachtdauer Jäger zu finden, welche gemeinsam mit uns einen Lebensraum Wald mit einer grossen Artenvielfalt erreichen wollen!