Tag der Menschenrechte: Ist Integration ein Recht oder eine Pflicht?

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Wellington Röckle spricht im Film darüber, was für ihn Heimat bedeutet.

Am 10. Dezember wird weltweit der Tag der Menschenrechte gefeiert. Der Verein für Menschenrechte in Liechtenstein (VMR) setzt dieses Jahr einen Schwerpunkt auf die Themen Heimat und Migration. Aus diesem Anlass gab die Organisation auch ein Filmprojekt in Auftrag, bei dem Menschen mit Bezug zu Liechtenstein zu Wort kommen.

Die künstlerische Filmproduktion zum Thema Heimat und Migration der Filmemacher Toni Büchel und Simon Egger ist auf Youtube sowie auf menschenrechte.li zu sehen. Sie zeigt subjektive Zugänge zum Thema: Fünf Menschen mit Bezug zu Liechtenstein sprechen über ihr subjektives Verständnis von Heimat und wie sie sich an ihrem Wohnort im In- oder Ausland integriert haben.

Heimat ist subjektiv
Christian Blank, stellvertretender Geschäftsführer des VMR, erklärt den Hintergrund des Filmprojekts anlässlich des Tags der Menschenrechte: «Integration und Inklusion sind wesentliche Bestandteile bei der Sicherstellung von Menschenrechten. Mit diesem Projekt möchten wir aufzeigen, dass wir den Begriff Heimat viel offener betrachten sollten, denn Heimatgefühle sind sehr subjektiv. Wir sind überzeugt, dass die positive Kraft der Vielfalt sehr wichtig für jedes Land ist. Das gilt auch für Liechtenstein: Wir sind ein Einwanderungsland und viele Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner wohnen in anderen Ländern.»

Studie zu Integration in Liechtenstein
Das Ministerium für Gesellschaft und der Verein für Menschenrechte in Liechtenstein liess in einer Studie untersuchen, wie gut die Integration in Liechtenstein funktioniert. Prof. Dr. Nadia Baghdadi, Co-Autorin der Integrationsstudie in Liechtenstein, war im Rahmen der Studie für die Fokusgruppen mit Migrantinnen und Migranten in Liechtenstein zuständig. Sie sagt: «Der Wunsch nach einem selbstverständlichen Zusammenleben sowie das Recht auf Sichtbarkeit und aktives Mitwirken ist gross. Die meisten migrierten Studienteilnehmenden wollen sich in verschiedenen Lebensbereichen einbringen und in der Gesellschaft als gleichberechtigt anerkannt werden.»

Inklusion als Chance
Integration werde oft als eine Pflicht von Migrantinnen und Migranten angesehen. Dabei sei es keine Einbahnstrasse. Neben der Eigenleistung von Migrantinnen und Migranten müssten wir uns als Gesellschaft öffnen und Inklusion anstreben. Dazu gehöre, Rahmenbedingungen zu schaffen, mit denen sich Migrantinnen und Migranten erfolgreich integrieren können.

«Viele Befrage fühlen sich hinsichtlich ihrer Integrationsleistung bewertet», sagt Prof. Dr. Nadia Baghdadi. «Dadurch erleben sie ihren Aufenthaltsstatus und ihre Zugehörigkeit als unsicher. Sie müssen sich nicht nur an lokale Gepflogenheiten anpassen, sondern haben mit Gefühlen von Fremdheit, Unsicherheit und Minderwertigkeit zu kämpfen.» Dennoch fühlen sich die meisten Zugewanderten gut bis sehr gut integriert. Sie wollen dazugehören und trotz kultureller Unterschiede als Bürgerinnen und Bürger die gleichen Rechte wie Einheimische geniessen.