Familien mit Zukunftssorgen auch in Liechtenstein

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Von ihrem legendär hohen Bruttoeinkommen bleibt den Schweizern am Ende des Monats immer weniger übrig. Die Sorgen, ihren finanziellen Verpflichtungen vermehrt verspätet oder mittelfristig gar nicht mehr nachkommen zu können, belasten und führen im covidgebeutelten Jahr 2020 bei vielen zu Existenzängsten. Einen sprunghaften Anstieg von 10 % im Vorjahresvergleich hat die Anzahl derer gemacht, die pessimistisch in die Zukunft blicken: Heute befürchtet bereits jeder zweite Schweizer, sich keinen komfortablen Ruhestand mehr leisten zu können.

Es ist ein Sturz aus grosser Höhe, den die Schweiz auf der Rangliste hinnehmen muss, die das finanzielle Wohlergehen der Verbraucher in 24 europäischen Märkten abbildet. Letztes Jahr noch bei den besten vier mit dabei, rutscht sie in diesem Jahr auf Platz 15 und damit deutlich in deren untere Hälfte. Doch was beeinflusst das Befinden der Schweizer Konsumenten so negativ? Warum kommen sie schlechter als andere Europäer mit ihrem Einkommen über die Runde? Diesen und weiteren Fragen geht Intrum in ihrer neusten Studie, dem European Consumer Payment Report 2020, kurz ECPR, nach. Wie jedes Jahr befragte Intrum auch in diesem Jahr 24‘400 Personen in 24 europäischen Ländern zu ihrem Konsum- und Ausgabenverhalten im Alltag. Sehr aufschlussreich sind die einzelnen Länderreporte wie auch das darin enthaltene Barometer zum finanziellen Wohlergehen. Dieses misst, in welchem Land die Konsumenten die grösste respektive geringste finanzielle Sicherheit haben, ihre täglichen Ausgaben zu decken und die Kontrolle über die eigenen Finanzen zu haben.

Sparquote im Sinkflug, Existenzängste am Steigen

Die wirtschaftlichen Umwälzungen des Jahres 2020 haben kein europäisches Land verschont. Obschon in allen 24 Ländern rund 35 % aller Befragten einen Einkommensrückgang verkraften mussten, hat sich die Covid-19-Krise im Vergleich stärker auf die Finanzen der Schweizer Haushalte ausgewirkt. Rund die Hälfte der Befragten in der Schweiz gab an, dass ihre Ausgaben schneller steigen als ihr Einkommen. Es sind die exorbitanten Lebenshaltungskosten, die der hiesigen Bevölkerung ganz besonders auf das Budget drücken. Thomas Hutter, Managing Director von Intrum Schweiz, ist besorgt: «Mehr als jedem zweiten Schweizer, das heisst 55 % der Befragten, bleibt nach der Bezahlung aller Haushaltsrechnungen am Monatsende weniger als 20 % seines Einkommens übrig. Bei den Verbrauchern in den EU-Ländern sind es durchschnittlich 41 %. Es ist schlimm, aber durchaus nachvollziehbar, dass mit dem schwindenden finanziellen Spielraum bei fast der Hälfte unserer Bevölkerung Existenzängste aufkommen.» Fast jeder zweite der befragten Schweizer im Alter zwischen 18 und 64 bestätigte, sich heute mehr Sorgen um sein finanzielles Wohlergehen zu machen als je zuvor.

Unterschiedliche Krisenresistenz

Das diesjährig Covid bedingt enger geschnürte Finanzkorsett der Verbraucher hat sich in ganz Europa auf die Zahlungsmoral ausgewirkt: Im EU-Durchschnitt haben 29 %, in der Schweiz sogar 42 % die Bezahlung ihrer Rechnungen einmal oder mehrfach aufgeschoben. Auffallend ist jedoch, dass mit der Anpassung des Lebensstils an die Beschränkungen des Lockdowns die Rechnungen für Internet und wichtige Versorgungsmittel für den Haushalt priorisiert beglichen wurden.

Beim Blick auf den Ländervergleich der Studie überraschen die baltischen Staaten. Sie haben die Covid-19-Krise bis anhin besser überstanden als andere Europäer. Obwohl sich die Einschränkungen der Wirtschaftstätigkeit auch erheblich auf das Beschäftigungsniveau in Estland, Lettland und Litauen ausgewirkt haben, weisen deren Haushalte eine wesentlich niedrigere Verschuldung auf.

Offensichtlich können diejenigen, die sich durch wirtschaftlich wie politisch schwierige Jahrzehnte kämpfen und zwangsläufig auch im Verzicht üben mussten, besser mit Krisen und reduzierten Budgets umgehen als andere Länder, denen es nach langen Zeiten des Überflusses schwerer zu fallen scheint, plötzlich über deutlich weniger Mittel verfügen zu können und sparsam haushalten zu müssen.

Familien mit Zukunftssorgen 

Betrübliche Übereinstimmung herrscht in ganz Europa bei der Hälfte der Haushalte mit Kindern: Sie alle haben mit den Finanzen zu kämpfen und die Pandemie hat diesen Druck noch verstärkt. Diese Eltern geben an, dass ihnen durch die Covid-19-Krise bewusst geworden ist, dass ihre Finanzen nicht sicher genug sind, um ein stressfreies Leben führen zu können. Entsprechend besorgt blicken sie in die Zukunft.