FL Volkswirtschaft durchquert Coronatal mit Aussicht auf Erholung

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Die liechtensteinische Volkswirtschaft ist stark geprägt von den Auswirkungen der globalen COVID-19-Pandemie, wie sich dem aktuellen Konjunkturbericht Liechtenstein des Amtes für Statistik entnehmen lässt. Seit Anfang 2020 gingen die Wirtschaftsaktivitäten zum Teil deutlich zurück. Die Konjunkturaussichten der Weltwirtschaft sind mit viel coronabezogener Unsicherheit behaftet. Momentan befinden sich aber viele Wirtschaften auf Erholungskurs, womit sich auch Liechtensteins wirtschaftliche Aussichten aufhellen.

Gestoppter Beschäftigungsaufbau, leicht höhere Arbeitslosigkeit
Mitte 2020 arbeiteten in Liechtenstein gemäss den vorläufigen Ergebnissen des Amtes für Statistik rund 40‘600 Personen (+/- 200 Personen). Gegenüber dem Vorjahresstand bedeutet dies einen Zuwachs um 0.9%. Der Anstieg resultierte im 2. Halbjahr 2019, seither stagniert die Beschäftigtenzahl. Die Arbeitslosenquote liegt im August bei 2.1%, im April und Mai waren ca. 17% der Beschäftigten in Kurzarbeit.

Einbruch bei den Warenexporten
Die direkten Warenexporte (konjunkturelles Total und ohne Handel mit und über die Schweiz) der liechtensteinischen Unternehmen nahmen im 1. Halbjahr 2020 um 22.7% ab. Dabei waren die direkten Warenexporte Liechtensteins in allen wichtigen Absatzmärkten rückläufig. Der Rückgang betraf alle Warenarten, aber besonders stark Steine und Erden sowie Fahrzeuge. In den Monaten Juli und August 2020 fielen die Wachstumsraten mit rund -12% gegenüber den Vorjahresmonaten weniger negativ aus.

Sinkende Umsätze im 1. Halbjahr 2020
Im 1. Halbjahr 2020 gingen die Verkaufserlöse von 25 ausgewählten grösseren Unternehmen um knapp einen Fünftel zurück gegenüber dem 1. Halbjahr 2019. Dabei war der Umsatzrückgang im 2. Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahresquartal mit 27% deutlich ausgeprägter als im 1. Quartal 2020 mit 10%. Umsatzrückgänge mussten sowohl in der Industrie (-21%) als auch bei den Finanzdienstleistungen (-10%) und den übrigen Dienstleistungen (-13%) hingenommen werden, wenn auch ungleich stark.

Die Konjunkturumfrage reflektiert die Auswirkungen der Coronakrise
Die befragten Unternehmen aus Industrie- und Dienstleistungssektor haben gemäss der Konjunkturumfrage die allgemeine Lage am Ende des 2. Quartals als schlecht beurteilt. 49% der Befragten bezeichneten die allgemeine Geschäftslage als schlecht, 40% als befriedigend und 11% gut. In Industrie und warenproduzierendem Gewerbe gaben die Befragten an, dass rückläufige Auftragseingänge und eine abnehmende Maschinen- und Anlagenauslastung zu einer Verschlechterung der Ertragslage geführt hatten. Im Dienstleistungssektor entwickelte sich die Nachfrage rückläufig und die Rentabilität hatte im Laufe des Quartals abgenommen. Für das 3. Quartal erwarteten die befragten Unternehmen in beiden Sektoren keine Ver- besserung, aber auch keine weitere Verschlechterung der Geschäftslage.

Geringerer Netto-Neugeld-Zufluss, stabiles Kundenvermögen
Die drei grössten liechtensteinischen Bankengruppen konnten diese im 1. Halbjahr 2020 einen Netto- Neugeld-Zufluss von CHF 3.6 Mrd. ausweisen, verglichen mit einem Zufluss von CHF 9 Mrd. im 1. Halbjahr 2019. Das verwaltete Kundenvermögen dieser drei Banken- gruppen belief sich Mitte 2020 auf CHF 338 Mrd. und übertraf damit den Vorjahresstand um 1.4%.

Internationales Umfeld
Die wichtigsten Absatzmärkte Liechtensteins haben ihre Prognosen für 2020 angehoben. Für 2021 erwarten sie ein positives Wachstum: Die SECO-Prognose für die Schweiz liegt bei einer Zunahme des BIP von 5.3%. Die OECD erwartet für seine 37 Mitgliedsstaaten gemäss Szenario „Ohne 2. Corona-Welle“ ein Wachstum von 4.8%, für Deutschland von 5.8% und für die USA von 4.1%. Weltweit sieht sie das BIP um 5.2% wachsen.