«Du muascht net all a so schotzla»

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10. I sött noch d’Segas dengla. (Ich sollte noch die Sense dengeln.)

Dialekt-Ausdrücke (Teil 1)

«Liechtensteinisch» ist eine Sammelbezeichnung für die im Fürstentum Liechtenstein gesprochenen hochalemannischen Dialekte. Die Mundarten in Liechtenstein gehören zu den schweizerdeutschen sowie zu den alemannischen Dialekten Vorarlbergs und Südwestdeutschlands. Innerhalb des Liechtensteinischen gibt es aufgrund des Dialektkontinuums teilweise erhebliche regionale Unterschiede und Variationen.  

Die englische Sprache mag «cool» sein, die Liechtensteiner Mundart bleibt eine Sprache des Herzens, aber auch eine Sprache mit vielen Rätseln. Oder wissen Sie, was «d’Segas dengla» oder «es pflättarat» heisst?

Alle Dialekte im Land sind schwerer zu erlernen als die hochdeutsche Sprache. Streng genommen ist die Grammatik des «Liechtensteiner-Dütsch» zwar gar nicht so schwer: Wir kennen nur zwei Zeitformen – Präsens und Perfekt, bilden alle Relativsätze mit «wo», und was die Orthographie angeht: Geschrieben wird, wie der Schnabel gewachsen ist. Anders als beim Hochdeutschen gibt es in Liechtenstein aber keine Standardsprache, die allgemein verbindlich wäre. Das macht die Sache unübersichtlich und eben für Lernwillige «schwierig».

Die Unterschiede der Dialekte in den liechtensteinischen Gemeinden sind teilweise erheblich (Unterland/Oberland). Besonders schwer – auch für Liechtensteiner/innen – zu verstehen ist die «Triesenberger Mundart», die sich von den übrigen am deutlichsten abhebt. 

Allerdings verstehen sich die Einheimischen sprachlich recht gut. In dieser Beziehung haben es viele der fremdsprachigen Ausländerinnen und Ausländer oft sehr schwer. Der Liechtensteiner Dialekt ist im Bemühen, die deutsche Sprache zu lernen, ein Stolperstein. Das Hochdeutsche ist jedoch eine wichtige Voraussetzung für die Integration.

Jugendliche haben ihre eigene Sprache
Sprache ist etwas Lebendiges, das sich verändert und entwickelt. Worte verschwinden, neue werden geboren. Die Jugendlichen haben ihre eigene Sprache entwickelt und wissen mit den althergebrachten Ausdrücken, welche sich früher in der bäuerlich geprägten Gesellschaft über Jahrhunderte halten konnten, nichts anzufangen. Es ist der Drang der Jugend nach Neuem, auch in der Sprache. Das war früher schon so: So «parlierten» im 18. Jh. die gehobenen Klassen gerne auch im Alltag Französisch, weil es «schick» war. Aus dieser Zeit stammen die vielen französischen Lehnwörter wie Trottoir, Fauteuil, Situation usw. Seit Jahren drängt Englisch in unsere von Technik und internationalen Medien geprägte Welt.

Das Wissen um die bildhaften und zum Teil kuriosen Mundartausdrücke geht dabei mehr und mehr verloren. Die nachfolgend aufgeführten Sätze aus dem Alltag sind ein Streifzug durch den Einfallsreichtum des, in diesem Fall Maurer, Dialekts:

  1. Bim Schtuarz häts miar an Schlempa Hutt awegg gropft.
    (Beim Sturz hat es mir ein Stück Haut weggerissen.)

  2. Luag, wia der düart denna trialat!
    (Schau, wie der dort drüben sabert.)

  3. I ha vom Nochbuur an Schpiarz öberkoo.
    (Ich habe vom Nachbarn einen Tritt bekommen.)

  4. Dr ganz Zsischtig ha i bruucht zum sRad flegga.
    (Den ganzen Dienstag habe ich gebraucht, um das Rad zu flicken.)

  5. Am Samstig gang i ge Grumpiarakrut abmeia.
    (Am Samstag werde ich Kartoffelkraut abmähen.)

  6. Mach dr Klammarahuffa net kaputt.
    (Mach den Ameisenhaufen nicht kaputt.)

  7. I ha s ums Verschtropfa net häär brocht.
    (Es wollte mir einfach nicht gelingen.)

  8. S klii Matle ischt im Garta dossa am Saalgumpa.
    (Das kleine Mädchen hüpft im Garten draussen mit einem Seil.)

  9. Dr Tätte ischt i dr Koche dossa am Zbrenn essa.
    (Der Vater isst in der Küche seinen «Zvieri».)

  10. I sött noch d’Segas dengla.
    (Ich sollte noch die Sense dengeln.)

  11. Vor i gi meia gang muass i no d Segas wetza.
    (Bevor ich mähen gehe, muss ich noch die Sense wetzen.)

  12. Buab, nimm dr Schnoderfetza!
    (Junge, nimm das Taschentuch!)

  13. I ha miar am Knüü a Schmottara geschlaha.
    (Ich habe mir am Knie eine Verletzung zugefügt.)

  14. Siachscht du höt verzuslat us!
    (Du schaust heute zerzaust aus!)

  15. Nünt ischt guat gnuag, er ischt allawil am motza.
    (Nichts ist gut genug, er kritisiert dauernd.)

  16. Es hät sövell Breema, i muass dr Rochkessel metneh.
    (Es hat soviele Bremsen, ich muss den Rauchkessel mitnehmen.)

  17. Do mach i numma met, i ha no allawil Lempa.
    (Da mache ich nicht mehr mit, ich habe immer nur Ärger.)

  18. Höt pflättarats weder wia os Sprötzkanta.
    (Heute regnet es wieder wie aus Giesskannen.)

  19. Jetz häts bim Kreisel scho weder klepft.
    (Beim Kreisverkehr kam es schon wieder zu einem Unfall.)

  20. Höt isches miar allawil trümmlig.
    (Heute ist mir andauernd schwindlig.)

  21. Do isches a soo nass, dass as knoozgat.
    (Hier ist es dermassen nass, dass es beim Gehen schmatzt.)

  22. Bäse im Darf dossa ischt höt noch stolz uf ihra Spuusawaaga mit dr vo Hand gschteckta Wösch, wo si bim Hürota metbrocht hät.
    (Die Tante im Dorf ist heute noch stolz auf ihre Aussteuer mit der von Hand gestickten Wäsche, die sie mit in die Ehe gebracht hat.)

  23. Alle Hünd saachen a deer Schtumpa ahe.
    (Alle Hunde pinkeln an diesen Pflock.)

  24. Jetz bin i scho weder in an Kuahtätsch ihe gstanda.
    (Schon wieder bin ich in einen Kuhfladen getreten.)

  25. D’Aagaschta hon viel Neschter kaputt gmacht.
    (Die Elstern haben viele Nester zerstört.)

  26. Dr Scheerafocher goht am liabschta bim Pfööwetter is Riat.
    (Der Mäusefänger geht am liebsten bei Föhnwetter ins Riet.)

  27. Bring dem Bibele noch a betz Karn.
    (Füttere das Hühnchen mit ein wenig Korn)

    27.
    Bring dem Bibele noch a betz Karn.
    (Füttere das Hühnchen mit ein wenig Korn.)


  28. Du muascht net all a so schotzla!
    (Nimm es ruhiger!)

  29. I schlach allawil di pluug Schtell aa.
    (Immer wieder erwischt es mich an der lädierten Stelle.)

  30. Sit anara halba Schtund suach i mine Treenza.
    (Seit einer halben Stunde suche ich meine Mistgabel.)

  31. I ha bim Schuufla Blootara öberkoo.
    (Beim Schaufeln habe ich mir Blasen zugezogen.)

    31.
    I ha bim Schuufla Blootara öberkoo.
    (Beim Schaufeln habe ich mir Blasen zugezogen.)


  32. Hött isches gruusig hääl.
    (Heute ist es verdammt rutschig.)

  33. I ha dia teerata Schnetz gärn zuar Mehlsoppa gessa.
    (Ich habe die Dörrschnitze gerne zur Mehlsuppe gegessen.)

  34. Er hät schiints zviel trunka khaa.
    (Wie es scheint, hatte er zuviel getrunken.)

  35. Vor der Huustüar häts na of a Latz gwarfa.
    (Vor der Haustür ist er auf den Mund gefallen.)

  36. Dia Wiiber sind all no am kefla.
    (Diese Frauen streiten andauernd.)

  37. I ha höt an Oomer noch Lääbara.
    (Ich habe heute Lust auf ein Lebergericht.)

  38. Das ischt an fuarchtbara Plagööri.
    (Das ist ein schrecklicher Sprücheklopfer.)

  39. Höt goht an verrockta Loft.
    (Heute weht ein starker Wind.)

  40. Dia Vorheng sind fescht abgschossa.
    (Diese Vorhänge sind stark ausgebleicht.)

  41. Deer Weeg goht aber gääch ufwärts.
    (Dieser Weg führt aber steil aufwärts.)

  42. Mis Knüü ischt knetschblau.
    (Mein Knie ist dunkelblau.)

  43. Jetz han i scho weder a Schmottera am Knüü.
    (Jetzt habe ich schon wieder eine Blessur am Knie.)

  44. Üsra Klii hät z Wiahnachta met nüt anderem meh ghüslat als met sim neua Trölläpper met amana Zöögle dinna, wo met Musig und Liacht um d Süüla ummi fahrt.
    (Unser Kleiner hat an Weihnachten mit nichts anderem mehr gespielt als mit seinem neuen Kreisel mit der inliegenden kleinen Eisenbahn, die mit Musik und Licht um die Säule fährt.)

  45. Geschtert han i alle Spälta uufbiegat.
    (Gestern habe ich alle Holzspalten aufgeschichtet.)

  46. I find mine Tappa numma.
    (Ich finde meine Hausschuhe nicht mehr.)

  47. I bi of am glatta Booda vertschlepft.
    (Ich bin auf dem glatten Boden ausgerutscht.) 
45.
Geschtert han i alle Spälta uufbiegat.
(Gestern habe ich alle Holzspalten aufgeschichtet.)