Die Alpen: Futterreservoir, Kulturgut, Naherholungsgebiet

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Die Liechtensteiner Alpen bestechen nicht nur durch ihre landschaftlichen Reize, sondern bringen auch landwirtschaftlichen Nutzen.

Die Liechtensteiner Alpen sind historisch gewachsene Gebilde, die in der Vergangenheit wesentlich zur Versorgung der Bevölkerung beigetragen haben. Landwirtschaftlichen Wert haben sie noch heute, hinzu kommt bei ihrem finanziell und in Bezug auf den Arbeitseinsatz aufwendigen Erhalt inzwischen aber auch immer stärker die Bewahrung von Tradition und Kultur sowie der Wert als Naherholungsgebiet. 

Dass die Oberländer Gemeinden in der Regel flächenmässig grösser sind als diejenigen im Unterland und auch Planken nicht die oft kolportierte «kleinste Gemeinde des Landes» ist, liegt nicht zuletzt an deren ausgedehnten Alpengebieten. «Die Anzahl der Alpen kann man auf verschiedene Arten zählen», sagt Daniel Kranz, im Amt für Umwelt zuständig für die Alpwirtschaft. Valorsch gehört, aufgeteilt in Vorder-, Hinter- und Mittelvalorsch, beispielsweise den beiden Schaaner Alpgenossenschaften Guschg und Gritsch sowie der Alpgenossenschaft Vaduz. «Hinsichtlich der landwirtschaftlichen Förderung zählen wir 24 Alpen», sagt Daniel Kranz. Dabei wird das genannte Beispiel Valorsch aber dreimal gezählt. Eine der Alpen, die Lida, liegt teilweise auch auf Bündner Gebiet, wird aber von der Balzner Bürgergenossenschaft bewirtschaftet. Neben Alp- und Bürgergenossenschaften kann eine Gemeinde ebenfalls Eigentümerin einer Alp sein. Und um das Ganze noch etwas komplizierter zu machen, besitzen zwei Unterländer Gemeinden, Gamprin und Schellenberg, zwei Alpgenossenschaften, eine Alpinteressengemeinschaften sowie Privatpersonen aus dem Unterland insgesamt sechs Alpen in Vorarlberg. Dies ist ein Hinweis darauf, wie historisch gewachsen die Liechtensteiner Alp-
wirtschaft ist.

Über 21 Quadratkilometer Weideflächen
Die Alpwirtschaft ist aber nicht nur historisch gewachsen, sondern ursprünglich auch aus der Not geboren. «Die Nutzung der günstig gelegenen Hochweiden oberhalb der Waldgrenze ist wahrscheinlich ebenso alt wie die Dauerbesiedlung des Rheintals», schreibt Alois Ospelt im Historischen Lexikon des Fürstentums Liechtenstein. Eine Alpwirtschaft im engeren Sinn habe es seit der Bronzezeit (2200 bis 800 vor Christus) gegeben. «Im Hochmittelalter wurde die Grossviehhaltung durch Klöster und Adel gefördert. Vermehrte Vieh- und Milchwirtschaft und verbreitete Rinderhaltung bedingten grösseren Futterbedarf. Ab dem 12. und 13. Jahrhundert verstärkten sich die Rodungstätigkeit und Landerschliessung in bisher schlecht oder nicht genutzten Waldgebieten. In den mittleren Lagen entstanden in grösserem Umfang neue Weideflächen (Maiensässe), die zusammen mit den ebenfalls ausgeweiteten, höher gelegenen Alpweiden die Grundlage für die bis heute bekannte Alpwirtschaft auf mehreren Höhenstufen bilden. Dabei wandert das Vieh in einem jährlichen Zyklus nach der Überwinterung im Heimstall auf die Maiensässe oder Vorweiden, erreicht im Hochsommer die höchsten Alpweiden und kehrt im Herbst in umgekehrter Reihenfolge in die Ställe im Tal zurück, wo während des Sommers auf den vom Viehtrieb entlasteten Flächen das Winterfutter gewonnen wird.» Einen bedeutenden Einfluss auf Liechtensteins Alpwirtschaft hatte auch die Einwanderung der Walser im frühen 14. Jahrhundert. Sie verstärkten den Prozess des Landesausbaus, erschlossen höhere Lagen in den modernen Gemeinden Triesenberg und Planken mit Dauersiedlungen und dehnten die Alpwirtschaft im Wesentlichen auf die auch heute genutzten Gebiete aus. In den Gemeinden des Oberlands war der Alpertrag, also Raufutter, Mehrwert der Tiere, Erzeugung von Milchprodukten, vom Spätmittelalter bis ins 20. Jahrhundert ein wichtiger Teil der Existenzgrundlage der Heimbetriebe. 

Die gesamte Weidefläche für Rindvieh auf den Liechtensteiner Alpen – und dem auf Schweizer Gebiet gelegenen Teils der Alp Lida – beträgt mehr als 21 Quadratkilometer. Die eigentliche Grundfläche der Liechtensteiner Alpen ist aufgrund von Wald- sowie unproduktiven Flächen noch um einiges grösser. Rund 8,5 Quadratkilometer Rindviehweide bewirtschaften die verschiedenen Unterländer Eigentümer in Vorarlberg. Von der Gesamtfläche her ist die von der Gemeinde Gamprin bewirtschaftete Alpe Rauz am Arlberg mit 7,2 Quadratkilometern beispielsweise grösser als das Gemeindegebiet von Gamprin-Bendern mit 6,2 Quadratkilometern.

Eine Dreikategoriengesellschaft
Aufgeteilt sind die Liechtensteiner Alpen in drei Kategorien, was wiederum mit der finanziellen Förderung durch den Staat zusammenhängt. «Noch vor einigen Jahrzehnten wurden viele Liechtensteiner Alpen als Kuhalpen genutzt. Um die kostenintensiven Infrastrukturen zur Milchproduktion und Milchverarbeitung gezielt fördern und öffentliche Gelder effizient einsetzen zu können, hat die Landesalpenkommission an ihrer Sitzung vom 6. November 1992 beschlossen, dass Alpen, die bereits zuvor als Kuhalpen genutzt worden sind, grundsätzlich auch in Zukunft Kuhalpen sein sollen. Hingegen sollten die Alpen, die immer nur als Galtviehalpen genutzt wurden, Galtviehalpen bleiben», sagt Daniel Kranz. Eine Galtalp dient dem Auftrieb und der Aufzucht von Jung- bzw. Galtvieh. Zum Galtvieh zählen weibliche Rinder bis zur ersten Abkalbung sowie Stiere und Ochsen unter zwei Jahren, zum Jungvieh Kälber bis zum Alter von einem Jahr und Färsen, also weibliche Rinder, bis zum Alter von zwei Jahren.

Die Schaaner Alp Guschg gehört zu den grösseren Liechtensteiner Alpen.

«Da es aber nicht sinnvoll ist, auf allen Kuhalpen Infrastrukturen zur Michgewinnung und Milchverarbeitung zu subventionieren, wurden die Kuhalpen weiter unterteilt in Kuhalpen erster und zweiter Priorität», sagt Daniel Kranz. «Hinsichtlich der für die Milchproduktion notwendigen Infrastrukturen gefördert werden seit damals ausschliesslich Kuhalpen erster Priorität. Das sind diejenigen Alpen, auf welchen durchgehend über viele Jahre hinweg grössere Herden an laktierenden Milchkühen gesömmert wurden und deren Milch zu Käse, Joghurt oder Butter verarbeitet wurde. Darunter fallen heute die Alpen Valüna, Sücka und Pradamee. Aktuell gibt es mit der Elsa Alp in Vorarlberg und Guschg in Liechtenstein zwei weitere Alpen beziehungsweise Kuhalpen zweiter Priorität, auf welchen ebenfalls Milchkühe gemolken und deren Milch verarbeitet wird. Die für die Milchviehhaltung notwendigen Infrastrukturen werden auf diesen Alpen vonseiten des Landes finanziell nicht gefördert.»

Mehr als eine Million Franken vom Staat
Hinsichtlich der finanziellen Aufwendungen für die Alpen gibt es eine klare Trennung zwischen Staat und Grundeigentümern. «Unterhaltsarbeiten sind grundsätzlich Aufgabe der Alpeigentümer. Beim Land werden die Förderanträge bearbeitet und kontrolliert», sagt Daniel Kranz. Der Staat bezahlt Fördergelder für die Bewirtschaftung der Alpen in Form des Alpungskostenbeitrags und auf Grundlage der Alpwirtschafts-Förderungs-Verordnung. Auf den Alpen, die für die Berggebietssanierung (BGS) infrage kommen, beziehungsweise die innerhalb des bezeichneten BGS-Perimeters liegen, wird die Alpwirtschaft gemäss Verordnung in den Bereichen der Wald-Weide-Trennung, der Massnahmen zur Weideverbesserung sowie in Sachen Einrichtungen, Anlagen – wie der Wasserversorgung – und Gebäuden zur Sicherstellung eines rationellen und zeitgemässen Alpbetriebs wie auch zur Verarbeitung von Milch gefördert. «Auf den übrigen Alpen fördert das Land Infrastrukturen gemäss Alpinfrastruktur-Förderungs-Verordnung, welche mehr oder weniger dieselben Förderungen vorsieht, allerdings mit etwas geringeren Förderansätzen und ohne zwingende finanzielle Beteiligung der Standortgemeinde. Innerhalb des BGS-Perimeters ist der zu leistende Förderanteil der Standortgemeinde definiert. Darüber hinaus sind die Gemeinden bei der Unterstützung der Alpwirtschaft frei.»

Die finanziellen Aufwendungen des Landes für die Alpen schwanken von Jahr zu Jahr zum Teil beträchtlich. «2019 wurden im Bereich Alpwirtschaft neun Projekte zur Sanierung und zum Ausbau der Wasserversorgung sowie der Umbau der Alphütte Guschg umgesetzt. Dabei wurden auf den Alpen Gapfahl, Grosssteg, Kleinsteg, Sücka, Guschg, Guschgfiel und Hintervalorsch Projekte realisiert. Die Gesamtinvestitionen im Bereich Alpwirtschaft beliefen sich auf fast genau 400’000 Franken, wobei nach dem strengen Winter 2018/19 allein für die Wald-Weide-Trennung rund 117’000 Franken aufgewendet wurden. Die restlichen Kosten werden von der jeweiligen Hoheitsgemeinde und den Alpeigentümern getragen», sagt Daniel Kranz. Im Rahmen der Alpinfrastruktur-Förderungs-Verordnung werden im langjährigen Durchschnitt weitere rund 30‘000 Franken pro Jahr aufgewendet. Hinzu kommt der Alpungskostenbeitrag von knapp 550’000 Franken im Jahr 2019 für die Alpen in Liechtenstein und gut 82’000 Franken für jene in Vorarlberg. Insgesamt also rund 1,05 Millionen Franken, die allein der Staat im vergangenen Jahr in die Alpwirtschaft investiert hat.

2406 Tiere und 1331 Grossvieheinheiten
Gealpt wurden mit Unterstützung dieser Mittel und jenen der Standortgemeinden sowie allenfalls der Besitzer selbst in Liechtenstein allein im Jahr 2019 exakt 2406 Tiere, darunter 257 Kühe mit Milchverwertung, 330 Mutterkühe, 101 Stück Galtvieh, über 1400 Rinder, Ochsen und Kälber bis zum Alter von zwei Jahren, aber auch 87 Pferde bzw. Esel und Ponys, jeweils fast 100 Schafe und Ziegen, vier Alpakas und einige Schweine. Umgerechnet in Grossvieheinheiten (GVE), wobei eine Milchkuh einer Einheit entspricht, ein Rind beispielsweise 0,6 bis 0,8 GVE und ein Schaf 0,2 bis 0,25, waren es 1331 Stück. Dies sind etwas weniger als im Vorjahr 2018. «Im Allgemeinen sind die jährlichen Schwankungen jedoch nicht sonderlich gross», sagt Daniel Kranz.

Sehr gute Bedingungen in Liechtenstein
Diese Tiere fanden in Liechtenstein selbst in den überdurchschnittlichen sommerlichen Hitzeperioden der vergangenen Jahre überaus gute Futter- und Wasserbedingungen vor. «Grundsätzlich verfügen unsere Alpen über eine vergleichsweise gute Versorgung mit Wasser beziehungsweise mit Viehtränken. Im Trockensommer 2018 wurde das Wasser jedoch auf Teilbereichen von Alpen knapp, weshalb die Alpeigentümer in diesen Fällen mittels Helikopter Tränkewasser auf die Alpen geflogen haben. Das Graswachstum war auf flachgründigen Böden mit sonniger Exposition in jenem Jahr reduziert – auf anderen Flächen aber nicht. Die Bodenverhältnisse, Expositionen und Niederschläge sind im Alpgebiet kleinräumig sehr unterschiedlich. Entsprechend wirkt sich die Jahreswitterung auf den jeweiligen Standort aus. Für die Landwirtschaftsbetriebe war im Trockensommer 2018 die Alpung der Tiere besonders vorteilhaft, da so die im Talgebiet knappen Futterreserven entlastet werden konnten», sagt Daniel Kranz.

Kühe sind der Standard, aber auch Schweine und viele andere Tierarten verbringen die Sommer auf den Liechtensteiner Alpen.

Er ist sich aber auch bewusst, dass die Alpwirtschaft für die jeweiligen Besitzer einiges an Herausforderungen bereithält. «Diese sind je nach Alp sehr unterschiedlich. Sie können von der Rekrutierung von geeignetem Alppersonal über die Mobilisierung von tatkräftigen Genossenschaftern bis hin zur Pflege der Alpweiden reichen.» Die Lage bezüglich der Anzahl an gealpten Tieren habe sich hingegen wieder entspannt. «Aufgrund der TBC-Problematik werden nach wie vor keine Tiere aus Liechtenstein in Vorarlberg gesömmert. Dies ist weiterhin ein Problem für die dortigen Alpeigentümer, sorgt aber gleichzeitig für eine gute Bestossung der Inlandalpen. Eine weitere Herausforderung, welche auf die Alpeigentümer zukommt, ist die Umsetzung von Massnahmen zum Schutz der Tiere vor Grossraubtieren. Auch das sichere Nebeneinander von Freizeitnutzern und gealpten Tieren bringt Herausforderungen mit sich», sagt Daniel Kranz, der auch privat gerne einmal im Alpengebiet unterwegs ist. «Grundsätzlich bevorzuge ich persönlich dabei die ruhigeren, weniger begangenen Gebiete. Solche finden sich praktisch auf jeder Alp.»

Der Alpsommer 2020 war im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren einfacher. Die Niederschläge waren ausreichend und vor allem sind sie zur rechten Zeit gefallen.

Gerhard Konrad, Alpvogt auf Guschg

 

«Tradition bewahren und Kulturgut erhalten»

Die Gemeinde Schaan verfügt über die beiden Alpen Gritsch und Guschg. Beide sind genossenschaftlich organisiert, was in Zeiten des schwindenden Interesses an ehrenamtlicher Tätigkeit nicht immer einfach ist. Dennoch ist es dem Vorstand der Guschger Genossenschaft in den beiden vergangenen Jahren gelungen, Grosses zu leisten und finanzielle Hürden zu überwinden.

Guschg ist die einzige Liechtensteiner Kuhalp der sogenannten zweiten Kategorie. «Die Grenze zwischen der ersten und der zweiten Kategorie wurde vor fast 30 Jahren meines Erachtens recht willkürlich gezogen. Für uns bedeutet dies aber, dass wir für alles mit der Milchwirtschaft Zusammenhängende wie Melkmaschine, Kühlkammern oder Käserei keinerlei staatliche Subventionen bekommen», sagt Gerhard Konrad, Alpvogt der Alpgenossenschaft Guschg.

20‘000 Liter Milch, 2500 Kilo Käse
Konrad ist seit knapp drei Jahrzehnten im Vorstand der Alpgenossenschaft. Auch die meisten weiteren Vorstandsmitglieder sind seit über zehn, teilweise schon 20 Jahren aktiv. «Inzwischen konnten wir aber eine Gruppe junger Schaaner gewinnen, die sich gerne auf und für Guschg engagiert. Derzeit studieren die meisten noch. Es sieht aber so aus, dass wir bald einmal einen Generationenwechsel anstreben können», sagt Gerhard Konrad. Bis es soweit ist, liegt aber noch einiges an Arbeit vor den Mitgliedern – und noch mehr hinter ihnen.

Denn dem ganzen Vorstand ist es ein grosses Anliegen, dass trotz fehlender Subventionen Milchwirtschaft auf Guschg betrieben wird. «In diesem Jahr haben etwa 30 Milchkühe rund um den Alpstall gesömmert. Hinzu kommen 70 Rinder und Mutterkühe, 18 Eringer-Kühe und 15 Duroc-Schweine, die zwischen Stachler, Sass, Kessiboda und Schöberg weideten. Die Kühe und Rinder gehören dabei unterschiedlichen Landwirten aus Liechtenstein und der Region, die Schweine befanden sich im Besitz der Genossenschaft. «Inzwischen sind sie geschlachtet und verkauft. Ihr Fleisch schmeckt wirklich einzigartig», sagt Gerhard Konrad.

Herausforderung Bergwanderer
Der Alpsommer 2020 war im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren einfacher. «Die Niederschläge waren ausreichend und vor allem sind sie zur rechten Zeit gefallen», sagt Gerhard Konrad. So hatten die Tiere stets genug Futter und Wasser zur Verfügung und sie verbrachten zwischen 90 und 100 Tagen auf Guschg. Als einzige nennenswerte Herausforderung führt der Alpvogt die Notwendigkeit an, die Mütterkühe und ihre Kälber so auf der Alp zu platzieren, dass sie nicht mit Wanderern in Kontakt kommen. «Manche Wanderer nehmen leider keine Rücksicht und wundern sich dann über die Reaktion der Mutterkühe.» Ernste Zwischenfälle konnten jedoch auch in diesem Jahr vermieden werden.

Die Milchkühe auf Guschg haben im vergangenen Sommer etwa 20‘000 Liter Milch produziert, woraus rund zweieinhalb Tonnen Käse und mehrere Hundert Kilo Joghurt und Butter entstehen. «Sobald die ersten Milchprodukte vorliegen, verkaufen wir diese unter anderem am Schaaner Wochenmarkt. Die Nachfrage – meistens reichen unsere Vorräte nicht aus, um das ganze Jahr abzudecken – zeigt uns, wie hochwertig und beliebt die Erzeugnisse unseres Senns und Käsers Hanspeter Raschle und seiner Partnerin Maria Mathis sind», sagt Gerhard Konrad.

Keine kommerziellen Interessen
Eine Herausforderung war die in die Jahre gekommene Käserei für die Alpgenossenschaft. Sie stammt aus dem Jahr 1953 und wurde damals neu eingebaut, nachdem die Hütte im Vorjahr einem Blitzschlag mit anschliessendem Feuer zum Opfer gefallen war. Die Hygienevorschriften haben sich im Lauf der vergangenen fast 70 Jahre jedoch naturgemäss geändert und so war eine neue Anlage angezeigt. «Es war uns aber ein Anliegen, die Milchwirtschaft auch künftig auf althergebrachte Art und Weise fortzuführen. Leider bekommen wir aber, wie gesagt, keine Subventionen», sagt Gerhard Konrad. Die Alpgenossenschaft hat sich daher erfolgreich auf die Suche nach privaten Sponsoren gemacht und wurde auch von der Gemeinde Schaan grosszügig unterstützt. Schliesslich kamen die nötigen 220’000 Franken zusammen. So konnte vor rund einem Jahr, nach dem Alpsommer 2019, die neue Käserei in Betrieb genommen werden. «Wir verfolgen dabei keine kommerziellen Interessen. Am Ende des Jahres muss einfach eine schwarze Null zu Buche stehen. Somit wollen wir unseren Beitrag leisten, ein Stück Schaaner Tradition zu bewahren und ein althergebrachtes Kulturgut zu erhalten.»

Alle Käsesorten verkaufen sich bestens
«Es war spannend für uns, zu sehen, wie der erste Käse aus der neuen Anlage herauskommt. Rückblickend kann ich sagen, dass wir mehr als nur zufrieden sind. Besonders beim sauren Käse kam unser Senn kaum nach mit dem Produzieren. Aber auch der klassische Bergkäse und die Sorten mit Pfeffer, Kräutern und Chili fanden einen guten Absatz. Auch die Rückmeldungen auf der während der Saison täglichen bewirteten Alphütte waren sehr positiv», sagt Gerhard Konrad.


Die Alp Guschg
Die Schaaner Alp Guschg liegt am östlichen Fuss des Schönbergs auf einer Meereshöhe zwischen 1400 und 2286 Metern. Zu ihr gehören auch die Gebiete Sass, Stachler und Vordervalorsch. Das Alpgebäude befindet sich auf 1713 Metern über dem Meeresspiegel. Sie hat eine Fläche von rund 4,5 Quadratkilometern. Eigentümerin ist die Alpgenossenschaft Guschg. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Alp 1355. Der Name bezieht sich wohl auf rätoromanisch «cusch(a)», was Baumstrunk bedeutet und auf die Rodungen des Gebiets hinweist.

Guschg gehörte ursprünglich zum Kirchspiel Frastanz. 1361 erwarb das Kirchspiel Schaan-Vaduz die Alp von mehreren aus Frastanz, Planken und Rankweil stammenden Männern und Frauen. Der Kaufbrief ist die einzige erhaltene Urkunde über den Erwerb einer Schaaner Alp. In einem von Freiherr Ludwig von Brandis ausgestellten Schiedsbrief vom 12. März 1503 zur Festlegung der Genossenschaftszugehörigkeit der Einwohner von Schaan, dem ältesten erhaltenes Alpstatut in Liechtensteins, wurde Guschg dem südlichen Dorfteil St. Peter zugeteilt. Die Alp wurde aber wohl schon vor 1503 von dessen Bewohnern genutzt. Die 1843 verfassten Statuten der Alpgenossenschaft Guschg sind die ältesten bekannten Statuten einer Schaaner Alpgenossenschaft. 1862 entstanden die ersten gemeinsamen Statuten der Genossenschaften Guschg und Gritsch. 

Die maximale Bestossung von Guschg wurde in den Genossenschaftsstatuten 1862 auf 80 Kühe und 1916 von der Landesalpenkommission auf 75 Stösse zu je vier Füssen festgelegt, seit 1997 ist sie auf 132 Grossvieheinheiten limitiert.