Weltweit einzigartig – vom Wertstoff zum Wertzeichen

Im Fürstentum Liechtenstein erscheint die weltweit erste aus recyceltem PET-Faden gestickte Briefmarke.

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Mit dem «Globus» (Wertstufe CHF 6.30), einer aus recyceltem PET-Faden gestickten Briefmarke, möchte die Philatelie Liechtenstein auf das Thema Umweltschutz und insbesondere die Rückgewinnung von Wertstoffen aus Abfällen aufmerksam machen. In Liechtenstein wurden in den vergangenen Jahren rund 65 Prozent der Siedlungsabfälle gesondert gesammelt und einem Recyclingprozess zugeführt.

 In Zusammenarbeit mit der Liechtensteinischen Gesellschaft für Umweltschutz LGU hat sich die Philatelie Liechtenstein dem Thema Umweltschutz gewidmet. Denn das Problem der Umweltverschmutzung, vor allem durch Plastikmüll, betrifft bei weitem nicht nur die Weltmeere, auch unsere beschauliche Alpenregion gilt es zu schützen und zu erhalten. Schon bei der Herstellung von Kunststoff wird gebundenes CO2 freigesetzt, die Herstellung ist energieaufwändig und durch die Verwendung zahlreicher Chemikalien umweltbelastend. Neben den erwähnten Belastungen der Ozeane samt der dort lebenden Fauna ist auch das Festland von den Auswirkungen durch Kunststoffe betroffen. Kunststoff ist biologisch nicht abbaubar, einmal in die Umwelt gelangt, wird das Material zwar immer kleiner, reichert sich aber überall an – Luft, Boden, Wasser, Gewässergrund. In Deutschland gelangen jährlich rund 20’000 Tonnen Kunststoffpartikel über Gärprozesse und Kompost in die Umwelt, somit auch in unsere Nahrung, Pflanzen, Tiere und den Menschen selbst.

Eine Briefmarke aus PET, geht das?
Ein Kunststoff, genauer gesagt ein Polyester mit besonders hohem Bekanntheitsgrad ist Polyethylenterephthalat, besser bekannt als PET. Das Material wird in der Lebensmittelindustrie bevorzugt eingesetzt und eignet sich neben Lebensmittelverpackungen auch ideal für Getränkeflaschen, denn es ist leicht, bruchsicher und kann einfach geformt werden. Zudem behält es seine Eigenschaften beim Recycling und lässt sich wiederholt zu hochwertigen Produkten verarbeiten. Deshalb ist recyceltes PET qualitativ fast gleichwertig wie neu produziertes Polyester, seine Herstellung benötigt allerdings rund sechzig Prozent weniger Energie. Vielleicht war es eine achtlos weggeworfene, in der Landschaft gefundene PET-Getränkeflasche, die schlussendlich den entscheidenden Input brachte. Jedenfalls entstand die Idee, eine Briefmarke aus recyceltem Polyestergarn zu sticken.

Know-how aus Vorarlberg bringt die Lösung
Erfahrungen mit gestickten Briefmarken konnte die Philatelie Liechtenstein bereits im Jahr 2019 sammeln, als zum Jubiläum «300 Jahre Fürstentum Liechtenstein» eine gestickte Briefmarke in Form eines Fürstenhuts auf dem Markt für Aufsehen sorgte. Produziert wurde diese damals von der Stickerei Hämmerle & Vogel in Lustenau, deren Verantwortliche von der Idee einer Recycling-Briefmarke sofort begeistert waren und deswegen auch für diese mit dem Design und der Produktion betraut wurden, um gemeinsam mit der Philatelie Liechtenstein ein Zeichen für die Umwelt zu setzen. Die neue, fünf Zentimeter grosse selbstklebende Briefmarke in Form eines Globus soll nicht nur als Sammlerstück oder zum Frankieren einer Postsendung dienen, sondern auch als persönliches Bekenntnis zum Umweltschutz die eigene Kleidung oder andere Accessoires zieren.

3’100 PET-Flaschen à 600 Milliliter wurden zu gereinigtem Granulat verarbeitet, bevor daraus ein neues, hochwertiges Polyestergarn erzeugt werden konnte. Pro Briefmarke wurden 75 Meter Faden verarbeitet. Bei einer Auflage von 40’000 Stück ergibt dies drei Millionen Meter recycelter Polyesterfaden. Diese Länge reicht aus, um die Aussengrenze des Fürstentums Liechtenstein vierzig Mal zu umranden. Mit anderen Worten: aus einer recycelten 600ml-PET-Flasche entstanden ungefähr 13 Briefmarken. Beeindruckend ist auch der Arbeitsaufwand: Während die sogenannte Schifflistickmaschine der Firma Hämmerle & Vogel für die Gesamtauflage über eine Million Umdrehungen in kürzester Zeit leistete, würde eine einzige Handstickerin ungefähr 25 Jahre benötigen, um alle Briefmarken zu fertigen.

Verkaufserlös zur Unterstützung von Umweltprojekt «Weltacker Plus®»
Umweltschutz, Ressourcenschonung und verantwortungsvolle Nahrungsmittelproduktion beginnt bei jedem von uns, direkt vor der Haustür. Deswegen unterstützt die Philatelie Liechtenstein mit einem Teil des Verkaufserlöses der Briefmarken das Projekt «Weltacker Plus®» der Vereinigung Bäuerlicher Organisationen im Fürstentum Liechtenstein VBO und der Liechtensteinischen Gesellschaft für Umweltschutz LGU. Dabei handelt es sich um eine Projektinitiative zur gezielten Förderung der Biodiversität in der Liechtensteiner Kulturlandschaft. Ziel des Projektes ist es, die Bevölkerung durch die nachhaltige Produktion von vielfältigen Kulturpflanzen (Lein, Buchweizen, Reis, Süsskartoffeln etc.) für die Themen Nachhaltigkeit, Ernährung, Verpackung (Plastikvermeidung) und Transport zu sensibilisieren.

Ein Weltacker umfasst eine Fläche von 2’000 Quadratmetern und symbolisiert jene Ackerfläche, welche heute pro Kopf der Weltbevölkerung zur Verfügung steht. Bereits an zwei Standorten in Liechtenstein (Mauren und Vaduz) betreibt die VBO einen Weltacker. Im Projekt «Weltacker Plus®» geht es konkret um die Verbesserung der Regionalversorgung, um Ressourcenschonung, um eine gezielte Verbesserung der Vielfalt landwirtschaftlicher Kulturen und um die Förderung der heimischen, natürlichen Vielfalt. Mit wertvollen Kulturpflanzen entsteht eine regionale Alternative zu importierten Nahrungsmitteln. Dadurch wird die Biodiversität gezielt gefördert, auch durch eine breitere Pflanzenvielfalt und blühende Säume aus heimischen Wildpflanzen für bestäubende Insekten wie Wild- und Honigbienen oder Schmetterlinge. Diese «Bienenweiden» runden die Vielfalt an Kulturpflanzen auf den Weltacker Plus Feldern ab.

Davon profitieren auch viele landwirtschaftliche Nützlinge, die wiederum zur biologischen Schädlingsbekämpfung der auf dem Acker angepflanzten Kulturpflanzen beitragen. Die Kulturlandschaft wird abwechslungsreicher, es entstehen vielfältigere Lebensräume, regional produzierte Nahrungsmittel verkürzen die Transportwege, verbessern die Umweltbilanz und reduzieren den Verbrauch von Verpackungsmaterialien.

 

Fakten auf einen Blick

  • Recycling-Briefmarke soll ein Zeichen für die Umwelt setzen
  • Recyceltes PET ist qualitativ fast gleichwertig wie neu produziertes Polyester, seine Herstellung benötigt allerdings rund sechzig Prozent weniger Energie.
  • 3’100 PET-Flaschen à 600ml ergaben drei Millionen Meter recycelten Polyesterfaden (würde die Aussengrenze des Fürstentums Liechtenstein vierzig Mal zu umranden)
  • pro Briefmarke wurden 75 Meter Faden verarbeitet
  • aus einer recycelten 600ml-PET-Flasche entstanden knapp 13 Briefmarken
  • Auflage 40’000 Stück
  • Ersttag 7. September 2020