Casinos in Liechtenstein – Mythos und Markt

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Journalist Martin Frommelt führt die Kommunikations-Agentur frommkomm.com und ist Unternehmenssprecher des Casinos Schaanwald.

Das Glück ist unberechenbar. Auszahlungsquoten in Casinos hingegen lassen sich exakt berechnen. Nicht nur deshalb muss man in Spielbanken sehr gut rechnen können. Jedenfalls funktioniert das junge Casino-Geschäft im Fürstentum – ganz im Gegensatz zum teils defizitären Marktumfeld. Und dies obwohl die Spielbankenabgaben in Liechtenstein bereits heute über dem Markt-Mittel liegen. Warum zwischen Mythos und Markt zu unterscheiden ist.

Die Freie Liste (FL) sah den Traum von den ersehnten Casino-Staatseinnahmen im März 2016 bereits vorzeitig platzen: «Serbeln dank der neuen Vergabe zwei Casinos vor sich hin, was zu erwarten ist, ist für den Staat nichts zu gewinnen.» Der Landtag entschied sich im April 2016 trotzdem für den freien Markt. Und siehe da: Es funktioniert. In nur zwei Jahren hat die Casino-Branche, die allein 2018 neben den üblichen Unternehmenssteuern Spielbankenabgaben in Höhe von 19.3 Mio. Fr. abgeliefert und fast 200 neue Arbeitsplätze geschaffen hat, eine relevante volkswirtschaftliche Grösse erlangt. Dies weil die Casino-Betreiber in Schaanwald und Ruggell ungeachtet weit verbreiteter Skepsis bereit waren, unternehmerisches Risiko zu tragen und zweistellige Millionenbeträge zu investieren.

Die Abgabesätze in Liechtenstein liegen bereits über dem regionalen Mittel
Die FL will nun den vor kurzem von ihr als zu hoch erachteten Abgabesatz jetzt kurzerhand erhöhen. Argumentiert wird, dass die Sätze in der Schweiz viel höher seien. Ein Mythos, wie die wirtschaftliche Realität zeigt. Die liechtensteinischen Spielbankenabgaben 2018 liegen mit 35,7 Prozent im Vierländereck-Marktvergleich bereits über dem Durchschnitt! Im Marktumfeld tiefer als in Liechtenstein sind die Abgabesätze in Graubünden (26,7 Prozent), Vorarlberg (30 Prozent) sowie Bayern mit Lindau (30 Prozent, ab 2019 sogar 25 Prozent). Einzig im Kanton St. Gallen werden mit 42 Prozent mehr Abgaben abgeführt.

Der Mythos vom «Goldesel»
Nachdem die beiden ersten Casinos nun also doch nicht «vor sich hin serbeln», wittern dieselben Politiker jetzt aber wiederum gleich «Goldesel», an denen der Staat noch stärker mitkassieren müsse. «Goldesel»? Ein weiterer Mythos: Im Marktumfeld sind sowohl die Casinos im Graubünden, in Österreich sowie im Freistaat Bayern unter dem Strich defizitär. In der Schweiz schreiben vier der 21 Spielebanken Verluste von bis zu 2 Mio. Fr. In der Schweiz schreiben vier der 21 Spielebanken rote Zahlen von bis zu 2 Mio. Fr, wobei zwei Casinos (Arosa und Zermatt) den Betrieb bereits kurz nach dem Start 2003 einstellen mussten.

Es geht um Rechtssicherheit
Eine gravierende Marktkorrektur nach erst zwei Jahren ist sachlich nicht vertretbar. Umso mehr würde dies vor allem der Reputation Liechtensteins schaden. Nicht umsonst warnt etwa S.D. Erbprinz Alois, «nach so kurzer Zeit ohne besondere Not die grundsätzlichen Rahmenbedingungen für Casinos zu ändern» (lie:zeit 8 / 19). «Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir als Staat für Rechtssicherheit, Verlässlichkeit und Stabilität sorgen. Jeder muss sich auf den Staat verlassen können; wenn dies nicht mehr der Fall ist, droht uns ein immenser Reputationsschaden mit grossen wirtschaftlichen Auswirkungen», so auch Regierungschef Adrian Hasler (Volksblatt, 14. August). Gleich sah es übrigens im Dezember 2015 auch die FL, «weil man dann quasi einem Casino ermöglicht, sich hier zu etablieren und ohne eigentlich ein verlässlicher Partner zu sein, dann hinten nach die Abgabesätze erhöht», so die seinerzeitige Fraktionssprecherin Helen Konzett-Bargetze…

Verlässlichkeit in Politik und im Casino
Verlässlichkeit in der Politik kann also relativ sein. Dagegen kein Mythos ist der Verlass auf die Gewinnquoten im Casino. Roulette gilt als fairstes Glücksspiel der Welt: Insgesamt 97,3 Prozent aller Gewinne werden an die Gäste ausgeschüttet: Faites vos jeux!

Mythos und Realität: Die liechtensteinischen Spielbankenabgaben 2018 liegen mit 35,7 Prozent im Vierländereck-Marktvergleich bereits über dem Durchschnitt.