Der Probestart – ein grosser Moment

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Nikolaus Büchel, Regisseur von Orient Express: «Das Musical ist sehr gelungen und sehr reich an lebensnahen, aber auch irrealen Szenen. Das Thema Zug wird sich auch in den mit Zug vorgetragenen Dialogen widerspiegeln.»

In München, in Berlin, in Bronschhofen und Mauren wurden in den letzten Wochen Texte gelernt, Kostüme entworfen und Ausstattungen für die Musicalbühne gesucht. Diese Woche trafen sich die Musical-Darsteller von Orient Express, dem Musical das am 18. Mai in der Lokremise Buchs Uraufführung feiert, zur ersten gemeinsamen Probe. Ein Gespräch mit dem Liechtensteiner Regisseur Nikolaus Büchel.

Nikolaus Büchel, die Protagonisten von Orient Express trafen sich soeben zur ersten Probe. Ein grosser Moment?
Ich freute mich wahnsinnig darauf. Die ersten Proben sind etwas, das mir taugt. In dieser Phase dürfen wir alle «schlecht» sein. Jemand hat bis zu dem Zeitpunkt zum Beispiel in der Küche laut gelernt, aber jetzt geht man in den Dialog, hört erstmals, wie die Stimmen zusammen tönen; und es gibt da noch keine Pragmatik, man muss nicht einige Stunden später auf der Premierenbühne stehen. Diese kreative Arbeit mit den Schauspielern finde ich immer wahnsinnig spannend und ich habe bereits in den ersten Minuten gespürt: Ich darf erneut mit einer tollen Gruppe zusammenarbeiten.

Bereits im Vorfeld hatten Sie sich zum Beispiel mit der Technikcrew getroffen. Wesahlb?
In der Lokremise Buchs gibt es eine grosse, 20 Meter breite Bühne – keine Seitenbühne, keine Versenkung. Deshalb mussten wir uns die Abläufe genau überlegen, studieren, wie die Protagonisten abgehen, wie die Fluchtwege aussehen und wie wir beim Bühnenbau die Sichtwinkel für die Zuschauer optimieren können. Eine Herausforderung ist auch das Licht. Wie kommen die Fenster des alten Istanbuler Bahnhofs am besten zur Geltung? Wo bewegen sich die Schauspieler, so dass sie nicht im Schatten von Lokomotive oder Waggondach stehen.

Ihre Aufgabe ist es, das Stück vom Papier optimal auf die Bühne zu bringen. Ein Kinderspiel?
Keinesfalls! Ich arbeite gerne auf den vielen Metaebenen. In Orient Express geht eine Musical-Crew innerhalb des Musicals auf Reisen. Es gibt also ein Theater im Theater. Dieser Teil beschäftigt mich derzeit ebenso wie das Finale des Musicals, bei dem die Lebens-Reise in «Gut und Böse» zerfällt. Ich kann aber jetzt schon sagen: Das Musical ist sehr gelungen und sehr reich an lebensnahen aber auch irrealen Szenen. Wir haben das riesige Privileg, dass wir ein neu geschriebenes Stück aufführen und damit einen «lebenden» Autor haben. Ich bin froh, dass ich Mathias Ospelt an und ab anrufen kann, um zu fragen, wie diese und jene Szene gemeint ist. Mir ist es wichtig, dass ich Mathias richtig verstehe. Er ist auf der einen Seite eine sehr ernsthafte Persönlichkeit, macht aber auch Kabarett, kann sehr ironisch sein und ist eine richtige Pointen-Sau.

Die Arbeit ist also ein riesiger Prozess. Auch was die Musik betrifft?
Marco Schädler ist ein richtig guter Arrangeur, ein Genie, das seine Arbeit liebt. Er ist in der Arbeit sehr genau, schafft aber immer eine richtig gute Stimmung. Wir dürfen uns auch wieder auf ein richtig gutes und ziemlich grosses Orchester freuen.

Ich sehe und spüre, wie die Begeisterung in Ihnen aufflammt.
Ich freue mich, dass der Zug endlich an diesen Ort zurückkehrt. Orient Express in der Lokremise zu spielen hat Flair und macht Sinn. Und die Kulisse ist bereits jetzt beeindruckend schön. Jetzt heisst es, sich noch mit der Innenausstattung auseinanderzusetzen. 

Und mit den Kostümen?
Caroline Neven du Mont wird mit den Kostümen die grosse Farbe ins Musical bringen. Ich habe mich mit ihr bereits vor fast einem Jahr zu ersten Besprechungen getroffen. Sie war ebenfalls zum Probenstart in Buchs und hat schon erste Anproben vorgenommen. Wenn man ihre Zeichnungen ansieht, muss man sagen: Das was sie macht ist Bundesliga. Neben den Hauptdarstellern heisst es jetzt aber auch zu entscheiden, ob zum Beispiel in Paris ein Clochard am Bahnhof lebt oder in Serbien ein Brezelverkäufer am Bahnsteig steht. Zum Teil sucht Caroline Neven du Mont Kostüme in Theater-Fundus. Denn es würde unsere Kapazitäten sprengen, 30 Kostüme auf Mass anzufertigen. Weitere Infos: www.dasmusical.ch

Nikolaus Büchel, Liechtensteiner, der in Wien geboren wurde. Er studierte am Mozarteum Schauspiel und Regie. Er war mehrfach Intendant und Mitglied von Theaterleitungen im deutsch-sprachigen Raum (u.a. Festspiele Melk, Bühnen Kiel, Schauspiel Bonn), sowie Gastprofessor, resp. Dozent für Schauspiel und szenische Arbeit für Sänger (u.a. in Salzburg, Wien und Graz). Seit 1985 hat er über 100 Inszenierungen realisiert, u.a. am Schillertheater Berlin, Volkstheater Wien, Staatstheater Stuttgart, Schauspiel Bonn, Schauspiel Frankfurt, an der Kammeroper Wien und beim Festival Opera Viva in Obersaxen, und dabei auch über 60 Bühnenbilder entworfen. Diesbezüglich gab es 2017 auch eine grosse, ihm gewidmete Ausstellung am Gasometer in Triesen.