Medien – Aufschwung oder Niedergang?

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Sinkende Auflagenzahlen, Verteilung der Werbegelder auf immer mehr Medien einschliesslich Gratiszeitungen, Onlinekanäle, soziale Medien und anderes, wachsendes Angebot an Radio- und Fernsehkanälen, permanente Verfügbarkeit von Informationen, Filmen und Musik im Internet: Die Medien stehen vor enormen Herausforderungen.

DR. WILFRIED MARXER,
Forschungsleiter Politik am Liechtenstein-Institut

Zudem verändert sich das Nutzungsverhalten, weg von der gedruckten Zeitung und dem Echtzeitfernsehen, hin zur Online-Information, Streamingdiensten und Push-Nachrichten auf dem Handy – alles möglichst gratis. Das «Liechtensteiner Volksblatt» hat aus Kostengründen bereits das Erscheinen am Dienstag eingestellt. Erst ein Anfang?

Ein Blick ins Ausland stimmt nicht optimistischer: Man spricht vom Zeitungssterben, Medien werden mancherorts von Milliardären oder von Staaten kontrolliert, Journalistinnen und Journalisten verhaftet oder sogar getötet. Medienberichte werden als «Fake News» diffamiert, zornige Bürger skandieren «Lügenpresse».

Demgegenüber stehen demokratische Ansprüche auf freie Meinungsbildung, auf Informiertheit der Bürgerinnen und Bürger – gerade auch in einem System mit einer lebendigen direkten Demokratie. Medien sollen eine Kontrollfunktion als vierte Gewalt erfüllen, Anliegen artikulieren, Skandale aufdecken, recherchieren, berichten, auch unterhalten. Geht das auf Dauer, wenn die ökonomischen Spielräume der Medien immer enger werden? Kaum haben sich die parteipolitischen Vorgaben bei den liechtensteinischen Medien gelockert, droht der ökonomische Zwang. Soll man kritisch berichten, auf die Gefahr hin, dass sich Abonnenten und Medienkonsumenten abwenden oder Werbeaufträge gestrichen werden?

Andererseits: Wie viel Staat darf es sein bei den Medien? Der Staat finanziert und fördert die Medien mit rund 3,4 Mio. Franken pro Jahr. Knapp die Hälfte davon geht als Landesbeitrag an Radio Liechtenstein. Weitere direkte und indirekte Beiträge zur Medienförderung gehen vor allem an die Vaduzer Medienhaus AG und die Liechtensteiner Volksblatt AG, somit wesentlich an die beiden Tageszeitungen «Vaterland» und «Volksblatt».

Man kann natürlich darüber diskutieren, ob nicht eine Tageszeitung ausreicht und ob es ein staatliches Radio braucht. Ressourcen könnten mitunter stärker gebündelt werden, andererseits belebt die Konkurrenz und stachelt die Medienschaffenden an. Wie auch immer wird man wohl nicht um eine staatliche Medienförderung herumkommen, wenn man Medien haben will, die den gestellten Anforderungen gerecht werden. Sie entfalten nicht zuletzt eine identitätsstiftende Wirkung und schaffen ein lokales Informationsangebot für Liechtenstein, welches von ausländischen Medien nicht erbracht wird. Jedenfalls ist Bewegung in der Medienlandschaft, und man kann gespannt sein, wie sie sich in zehn Jahren präsentieren wird.