Wir dürfen stolz sein auf unser Land

Im Gespräch mit Regierungsrätin Aurelia Frick über die Feierlichkeiten zum 300. Geburtstag des Fürstentums Liechtenstein (1719 – 2019)

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"Es freut mich sehr, dass Liechtensteins Einsatz für Gerechtigkeit in Syrien und in anderen Staaten auf so breites Interesse stösst", unterstrich Liechtensteins Aussenministerin Aurelia Frick in New York. 

Die Vorbereitungsarbeiten für die grosse Feier der Staatswerdung des Fürstentums Liechtenstein laufen bereits seit 2014, wobei Liechtenstein Marketing mit der Projektleitung beauftragt wurde. Es soll ein grosser Tag für uns Liechtensteiner werden, ein Tag, an dem wir uns bewusst werden sollen, welche Höhen und Tiefen unser Land in den letzten 300 Jahren erlebt hat. Und wie die Gegenwart, aber auch die Zukunft gestaltet werden soll.

Interview: Herbert Oehri

Auch wenn im Moment die Meinungen wegen der von den elf Gemeinden gemeinsam getragenen Jubiläumsbrücke in der Nendler Rüfi auseinandergehen, dürfen wir nicht vergessen, dass ein Land und mag es noch so klein sein – gerade bei Jubiläen eine grosse Ausstrahlung zu vermitteln vermag. Im Zentrum stehen dabei der Jubiläumsweg und die Brücke als verbindendes Element und sichtbares Zeichen. Es gibt nicht viele Länder auf dieser Welt, die 300 Jahre in den gleichen Grenzen überlebt haben. Wir sollen und dürfen darauf stolz sein, was das Land in diesen vielen Jahren geschaffen hat. Und dass wir in einem der reichsten Länder dieser Erde wohnen dürfen. Dafür sollten wir eigentlich alle dankbar sein. Was sagt die zuständige Kulturministerin Aurelia Frick zu den Vorbereitungen auf den grossen Geburtstag unseres Landes? Wir haben mit ihr gesprochen …

Frau Regierungsrätin Frick, das 300-Jahr-Jubiläum 2019 ist ein kulturpolitisches Grossereignis. Sie haben einen B&A verfasst, der den Leitgedanken der Feierlichkeiten deutlich widerspiegelt. «HEUTE mit den Erfahrungen von GESTERN über MORGEN nachdenken.» Können Sie uns diesen Leitgedanken in einigen Sätzen zusammenfassen?

Aurelia Frick: Ein Jubiläum bietet immer auch Anlass, um inne-
zuhalten. Auf das zu blicken, was war und was ist, und sich Gedanken darüber zu machen, was kommen mag. Ein Jubiläumsjahr bietet immer auch eine Chance, sich zu hinterfragen, Dankbarkeit zu äussern, aber auch, um voller Vorfreude weiterzugehen. Mit 300 Jahren in denselben Grenzen sind wir ein altes Land in Europa. Liechtenstein hat in seiner Geschichte immer wieder Mut bewiesen und sich mit neuen Ideen der Zukunft gestellt. Gemeinsam können wir heute das Morgen gestalten, ich persönlich finde das eine der schönsten und wichtigsten Aufgaben in einem Staat.

Der Leitgedanke soll durch einen Jubiläumsweg ergänzt werden, der alle Gemeinden des Landes miteinander verbindet. Entlang dieses Weges soll die Geschichte des Landes erzählt und 300 Jahre Staatswerdung gefeiert werden. Streitpunkt ist die von den Gemeinden vorgeschlagene Jubiläumsbrücke in der Nendler Rüfi, welche die elf Gemeinden mit einem Kostenaufwand von 1,2 Mio. Franken finanzieren. Was passiert Ihrer Meinung nach mit dem Gesamtprojekt, sollten die Referendumsbegehren in Vaduz und Balzers gegen den Finanzkredit der jeweiligen Gemeinde angenommen werden? 

Es handelt sich beim Jubiläumsweg und der Jubiläumsbrücke um ein Geschenk der Gemeinden an die Bevölkerung. Sollten die Referendumsbegehren in einer oder in beiden Gemeinden angenommen werden, liegt es in der Hand der übrigen Gemeinden, zu entscheiden, was sie tun wollen, ob sie zum Beispiel die Finanzlücke dann auf eine andere Art ausgleichen und die Brücke realisieren wollen. Sollten die Gemeinden entscheiden, den Jubiläumsweg und die Jubiläumsbrücke nicht zu realisieren, würde der rote Faden des Gesamtprojekts verschwinden und damit die Symbolik des Jubiläums. Es wird dann vielleicht keinen Ersatz geben. Dieser Entscheid liegt dann bei den Gemeinden. Das Jubiläumsprogramm ist zwar attraktiv genug, dass es wohl auch ohne roten Faden «verhebt». Ich kann nur noch einmal betonen, wie schade es wäre, wenn dieser wegfallen würde.

Es gibt Leute, die sagen, dass das Liechtensteiner Unterland mit dem Oberland schon lange verbunden sei und es keine spezielle Brücke dazu brauche. Was sagen Sie diesen Personen?

Gerade weil das Unterland schon so lange mit dem Oberland verbunden ist, darf es doch eine Brücke geben. Es darf ein Zusammenführen zweier Wege geben, genauso wie es die Brücken über den Rhein zu unseren Schweizer Nachbarn geben darf. Es ist ein Zeichen dafür, dass wir als Land mit elf Gemeinden 300 Jahre hinter uns haben und uns gemeinsam auf den Weg in die Zukunft machen. Es ist ein Zeichen dafür, dass Land und Gemeinden zusammen ein Projekt realisieren können. Wann hat es das das letzte Mal gegeben? Wir müssen schon etwas darauf achten, Ideen nicht pauschal abzulehnen. Diese Tendenz hemmt Innovation. Keine Innovation bedeutet Stillstand.

Wie muss man sich den durch alle Gemeinden des Landes führenden Jubiläumsweg (Liechtensteinweg) vorstellen? Was kann man auf diesem Jubiläumsweg sehen?

Wo genau der Jubiläumsweg verlaufen wird, werden die Gemeinden festlegen. Fest steht heute schon, dass es ein spannender, erlebnisreicher und naturnaher Weg für die ganze Familie werden wird. Auf unserem 300-jährigen Weg mussten wir verschiedene Hindernisse überwinden, Brücken schlagen, es ging bergauf und dann wieder bergab. Dies könnte sich auf einem Erlebnisweg niederschlagen. Die Gestaltung ist Sache der Gemeinden. Wer entlang des Weges geht, kann durch die Zeit reisen. Im Jubiläumsjahr geht es nämlich auch um die Vermittlung der Liechtensteiner Geschichte. Mit dem Projekt «Erlebnis Geschichte» soll unsere Geschichte erlebbar gemacht werden. Entlang des Jubiläumsweges sollen zum Beispiel so genannte Hot-Spots entstehen.

Wie weit sind die Vorbereitungsarbeiten auf das grosse Staatsjubiläum gediehen? Seit wann arbeiten die involvierten Ämter, Gruppen und Personen daran? Und: Wer ist mit der Projektleitung beauftragt worden?

Die Vorbereitungen laufen plangemäss. Seit Anfang Juli liegt der Finanzbeschluss der Regierung vor. Dieser wird im Septemberlandtag behandelt. Die Vorbereitungen für das Jubiläumsjahr haben bereits Ende 2014 begonnen. Der Prozess war breit angelegt. Es fanden verschiedene Gesprächsrunden statt. Es wurden schon ganz früh Vertreter von Fürstenhaus, Land, Gemeinden, Kultur, Bildung, Wirtschaft und Sport einbezogen und eingeladen, ihre Ideen einzubringen. Es gab auch ein Online-Tool zur Ideensammlung. Es kam ein ganzer Katalog an Ideen zusammen. Was heute im Bericht und Antrag steht, ist die Essenz all dieser Ideen. Mit der Projektleitung wurde Liechtenstein Marketing beauftragt. Sie sind das Kompetenzzentrum, wenn es um solche Events im Interesse des Landes geht. Sie koordinieren das gemeinsame Projekt auch mit den Gemeinden.

Wie schauen die Programmschwerpunkte im Jubiläumsjahr aus? 

Das Jubiläumsjahr beginnt mit der Auftaktveranstaltung am Tag der Ernennung zum Reichsfürstentum vor 300 Jahren, am Mittwoch, 23. Januar 2019. Geplant ist eine Ausstellung «1719» im Landesmuseum, um einen Einblick in die damalige Zeit zu erhalten. Ein wesentliches Ziel des Jubiläumsjahres ist, wie schon erwähnt, die Vermittlung der Liechtensteiner Geschichte. Das Projekt «Erlebnis Geschichte» wird über das Jubiläumsjahr hinaus für spannende historische Einblicke sorgen. Im Frühling sollen der Jubiläumsweg und die Jubiläumsbrücke mit einer Feier unter dem Titel «Ein Land – ein Weg» eröffnet werden. Gefeiert wird auch am erweiterten Staatsfeiertag. Das Gefäss «Morgen» ist das Denkgefäss. Das Projekt «Mein Liechtenstein 2039» steht im Zentrum. Jeder soll seinen Beitrag für die Zukunft des Landes leisten können. Alle Ideen sind willkommen. Ausserdem ist eine Ausstellung der Fürstlichen Sammlungen im Kunstmuseum Liechtenstein geplant.

Und was ist an Öffentlichkeitsarbeit vorgesehen?

Wenn der Funke überspringt und die Bevölkerung mit Herzblut dabei ist, wird das Jubiläumsjahr ein Erfolg. Öffentlichkeitsarbeit muss auch Gefühle transportieren und nicht nur Information. Schon jetzt zeigt sich, dass sehr viel Emotionen dabei sind, wenn es um das Jubiläumsjahr und besonders um die Jubiläumsbrücke geht. Das erleichtert die Öffentlichkeitsarbeit, denn der Funke ist schon übergesprungen. Liechtenstein Marketing ist sich der Bedeutung der Kommunikation bewusst und wird eng mit der Bevölkerung zusammenarbeiten. Ich gehe davon aus, dass Liechtenstein Marketing Anfang nächsten Jahres die ersten Details zu den Jubiläumsfeierlichkeiten veröffentlichen kann.

Die Gemeinden finanzieren die Brücke mit rund 1,2 Mio. Franken. Dazu kommen weitere Ergänzungsprojekte. Das Land Liechtenstein beteiligt sich laut Kostenübersicht mit 2 Mio. Franken. Wie schon bei den Gemeinden kann man sich auch beim Staat die Frage stellen, ob diese 2 Mio. Staatsbeitrag am Ende reichen werden? 

Sie meinen, ob das Budget reichen wird? Da kann ich Sie beruhigen. Das wird eingehalten. Es geht aber eigentlich um die Frage: Wie viel ist es uns wert? Das ist wie beim eigenen Geburtstag. Wie viel will und kann ich für ein Jubiläum einsetzen? Dieses Jubiläum ist für längere Zeit das letzte in einer Reihe von Jubiläumsfeierlichkeiten in Liechtenstein. Nach 300 Jahre Unterland (1999) und Oberland (2012) sowie 200 Jahre Souveränität (2006) ist die Begründung des Fürstentums vor drei Jahrhunderten als eine Art Krönung und in dieser Reihe als Abschluss zu sehen. Die nächsten grossen Jubiläen werden erst wieder ab 2049 stattfinden. Es ist also etwas ganz Besonderes und Einmaliges, dass wir dies gemeinsam feiern dürfen. In diesem Zusammenhang ist Ihre Frage, ob 2 Millionen reichen, tatsächlich sehr gut gestellt.

 

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