Feuerwerk, Höhenfeuer und die Feuerkrone auf Tuass gehören zu den Merkmalen des Staatsfeiertags. Vor 70 Jahren brannte die Feuerkrone erstmals als Zeichen der Verbundenheit zwischen Fürstenhaus und Volk. Höhenfeuer auf den Bergspitzen gab es jedoch schon vorher.

Text: Günther Meier

 

Das Jahr 1956 war ein besonderes Jahr für Liechtenstein. Im September feierte das Land das Jubiläum «150 Jahre Souveränität» mit einer Reihe von Festivitäten, mit einer Festsitzung des Landtags, einem Dankgottesdienst auf Dux, wo Fürst Franz Josef II. das Land in Erinnerung an die Kriegszeit erneut dem Schutz und Segen der Gottesmutter Maria empfahl, sowie mit einem grossen Umzug durch Vaduz und dem anschliessenden Kinderfest. Das Jubiläum selbst erinnerte an die Aufnahme des Fürstentums Liechtenstein in den Rheinbund im Jahr 1806, womit es als souveräner Staat anerkannt worden war. Wenige Woche vor dem Jubiläum hatte schon ein grosses Fest zu Ehren von Fürst Franz Josef II. stattgefunden, der in jenem Jahr seinen 50. Geburtstag feiern konnte. Der damalige Staatsfeiertag wurde am 15. August im traditionellen Rahmen abgehalten. Allerdings mit einer Neuheit, die bis heute Bestand hat – auf Tuass brannte eine Feuerkrone, die weithin sichtbar war, vor allem aber von der Festgemeinde in Vaduz aus.

Die Feuerkrone – früher eine nicht ungefährliche Sache
Als idealer Standort für die Feuerkrone war die Steilwiese auf Tuass ausgewählt worden, wie Josef Frommelt in der Chronik über Krone, Höhenfeuer und Fackelzug in der Zeitschrift «Bergheimat» ausführt. Die Idee für eine Feuerkrone war von den Bergsteigern des Liechtensteiner Alpenvereins aufgebracht worden, die für den Startschuss für dieses Unternehmen den 50. Geburtstag des Landesfürsten wählten. Laut Josef Frommelt besteht die Feuerkrone, die von den beiden Schaanern Toni Frommelt und Eugen Frick genau ausgemessen worden war, aus 115 Feuern und misst 140 Meter in der Breite sowie 160 Meter in der Höhe. Als Brennmaterial wurde beim Auftakt eine Mischung als Sägemehl und Nitrolackresten von der damaligen Firma Schekolin verwendet: Insgesamt rund zwölf Zentner Sägemehl und etwa 200 Liter Nitrolack, die auf dem schmalen Fussweg vom Kohlplatz in der Lawena bis Tuass geschleppt werden mussten. Die Sägemehl-Nitrolack-Mischung füllten die Helfer in Papiersäcke, die in die ausgemessenen Löcher gesteckt wurden. Als um 21 Uhr die Feuerkrone entzündet wurde, hatte eine Gruppe von Helfern eine wichtige Aufgabe zu erfüllen, wie Josef Frommelt berichtet: «Um das regelmässige Abbrennen der Feuer zu sichern, mussten mindestens 12 bis 15 Helfer von einem Feuer zum anderen rennen und mit Stöcken die Oberfläche des verbrannten Sägemehls aufstochern, was an diesem sehr steilen Hang eine recht anstrengende, wegen der Hitze schweisstreibende und, wegen der Möglichkeit auszurutschen, eine gar nicht ungefährliche Sache war.» Um das Entzünden der Feuerkrone etwas weniger gefährlich zu machen, wurden die Sägemehl-Nitrolack-Feuer später durch Fackeln ersetzt.

Höhenfeuer entzünden als patriotisches Zeichen
Mit der Feuerkrone war 1956 ein Zeichen gesetzt worden, das am Staatsfeiertag nicht mehr wegzudenken ist. Allerdings war es nicht die erste Krone mit Feuer, die auf den liechtensteinischen Bergen entzündet wurde. Die Geschichte von Krone und Höhenfeuer reicht weiter zurück. Eine Feuerkrone wurde schon 1939 auf Gafadura entzündet, zusammengesetzt aus 300 kleinen Feuern. Dazu die Schrift «Für Gott, Fürst und Vaterland», so gross, dass sie im Tal gelesen werden konnte. Allerdings eignete sich Gafadura nicht besonders für eine Feuerdemonstration, weil Krone wie Schriftzug nur von ausgewählten Orten sichtbar waren. Der Standort Tuass, der ein paar Jahre später gewählt wurde, eignete sich bedeutend besser.

Aber unabhängig davon, ob viele Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner die Feuer auf Gafadura sehen konnten: In der Zeit kurz vor dem Zweiten Weltkrieg hatten die Feuerkrone und der Schriftzug «Für Gott, Fürst und Vaterland» eine ganz spezielle Bedeutung. Die Volksdeutsche Bewegung in Liechtenstein und die Volksjugend hatten an verschiedenen höher gelegenen Wiesen immer wieder Feuer entzündet, teilweise Feuer in Form von Hakenkreuzen. Diesem Feuerkult wollten die Pfadfinderinnen und Pfadfinder etwas Spezielles entgegensetzen. Aus dieser Idee entstanden der Fackelzug über die Drei Schwestern und den Fürstensteig sowie die Höhenfeuer, die heute noch zahlreich auf den Bergspitzen am Staatsfeiertag lodern. Die Pfadfinderbewegung, die sich damit deutschfreundlichen Kräften widersetzte, erlebte zu jener Zeit einen grossen Aufschwung. Die Ziele der Pfadfinder wurden sogar in Anlehnung an einen Ausspruch Adolf Hitlers bei der Werbung von neuen Mitgliedern formuliert: «Eine Jugend, die flink ist wie Windhunde, hart wie Stahl und zäh wie Leder.» Als oberster Grundsatz galt damals für die Pfadfinder: «Werde ein Kämpfer für Fürst und Heimat.»

Die ersten Fackelzüge über die Berggipfel
Die Feuerkrone auf Gafadura war Teil einer grösseren Feueraktion der Pfadfinder. Die Rover entzündeten zum Geburtstag des Landesfürsten am 16. August 1938 eine Kette von Höhenfeuern von Gafadura bis zur Falkniskette. Ein Jahr später rief der damalige Pfadfinderführer und spätere Regierungschef Alexander Frick zu einem «Fackelzug durch den Fürstensteig» auf: «Es müsste doch etwas Eigenartiges sein, wenn man vom Rheintal aus so einem Feuerzug durch die kahlen, düsteren Wände des Gipsberges sich bewegen sähe. Und für uns Rover, die wir einer hinter dem anderen auf dem schmalen Felsenpfade als leuchtende Glieder dieser Feuerkette marschieren würden, wäre es sicher auch ein erhebendes Ereignis.» Der Aufruf hatte Erfolg, viele machten mit und viele andere staunten, wie das «Liechtensteiner Volksblatt» damals berichtete: «Unsere wackeren Pfadfinder haben den Geburtstag unseres Fürsten auf eine prächtige Weise gefeiert. Am Vorabend, also Maria-Himmelfahrtsabend, begann ein Lichter- und Feuerkranz draussen am Rhein und zog sich über den Schellenberg nach Gafadura. Auf Gafadura war eine prächtige flammende Fürstenkrone im Ausmass von ca. 50 Metern. Gegen 300 kleine Feuer waren zu einer Krone zusammengestellt. Durch den Fürstensteig bewegte sich ein Zug von 50 leuchtenden Fackeln. Der Feuerkranz zog über den Grat weiter und endete in einer grossen lodernden Flamme auf dem Falknis.» In der «Führerzeitung» der Pfadfinder wurde die Feueraktion ebenfalls gewürdigt. Der Fackelzug durch den Fürstensteig habe ausnahmslos gut gefallen, wie die liechtensteinischen Zeitungen berichtet hätten und sei sogar in der Auslandspresse anerkennend vermerkt worden sei.

 

Fürstin Gina, Fürst Franz Josef und Erbprinz Hans-Adam auf der Ehrentribühne / 15. August 1956;
Quelle: Liechtensteinisches Landesarchiv / Vaduz; B 271/007/014

 

Offizieller Staatsfeiertag erstmals im Jahr 1940
Die Höhenfeuer am Vorabend des Geburtstags von Fürst Franz Josef II. brachten eine Diskussion in Gang, ob Liechtenstein wie andere Länder einen Staatsfeiertag erhalten sollte. Die Regierung reagierte darauf und teilte das Ergebnis am 5. August 1940 in einer Amtlichen Kundmachung in den Landeszeitungen mit: «Die Fürstliche Regierung hat beschlossen, dass der 15. August, Maria Himmelfahrt, zur Feier des Geburtstages Seiner Durchlaucht des Landesfürsten zum Staatsfeiertag erklärt wird.» Der Staatsfeiertag sollte ein Zeichen der inneren Geschlossenheit von Fürst und Volk sein und damit auch ein Zeichen gegen den Nationalsozialismus, der sich mit Hakenkreuz-Feuern und Aufmärschen bemerkbar gemacht hatte. Die Regierung forderte die Gemeinden auf, ein Fest für die Bevölkerung zu veranstalten. Der erste Staatsfeiertag wurde noch nicht zentral in Vaduz gefeiert. Aber in jeder Gemeinde wurden um 5 Uhr morgens Böllerschüsse abgefeuert, um die Bevölkerung auf den Festtag einzustimmen.

Weil die Anhänger des Nationalsozialismus immer wieder Hakenkreuz-Feuer auf höher gelegenen Wiesen entfachten, erliess die Regierung Anfang 1939 eine «Verordnung zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung». Dort wurde festgelegt, dass das Abbrennen von Feuern im Freien nur noch mit Bewilligung der Regierung gestattet sei. Erfasst von der Bewilligungspflicht waren auch die Höhenfeuer und die Feuerkrone. Wie das «Liechtensteiner Volksblatt» berichtete, entzündeten Pfadfinder am Staatsfeiertag 1940 eine Reihe von Höhenfeuern. Auch in den zwei folgenden Jahren erteilte die Regierung den Pfadfindern die Bewilligung für Höhenfeuer. Im weiteren Verlauf des Zweiten Weltkriegs habe es keine Festlichkeiten mehr zum Staatsfeiertag gegeben, schreibt Josef Frommelt in seiner Höhenfeuer-Chronik. Auch als der Krieg am 8. Mai 1945 zu Ende gegangen sei, habe noch niemand an ein Fest gedacht. Aber 1946, ein Jahr nach Kriegsende, wurde das Abbrennen von Feuern auf den Bergspitzen wieder aufgenommen – und damit eine Tradition begründet, die bis heute Bestand hat.

 

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