Leserbrief von Beat Schurte,
Breiten 19, Eschen
Das Fürstenhaus hat immer wieder betont, dass seine Türen für den Dialog offenstehen. Gerade in unserem Kleinstaat sollte es doch möglich sein, frühzeitig miteinander zu reden und gemeinsam nach tragfähigen Lösungen zu suchen, bevor politische Fronten entstehen.
Auch die Regierung beziehungsweise die VU-FBP-Mehrheitskoalition hätte diesen Weg meiner Meinung nach von Anfang an einschlagen müssen. Umso erstaunlicher ist die heutige Aussage unserer Regierungschefin Haas, wonach sie nun plötzlich keinen Handlungsbedarf beim Thema Schwangerschaftsabbruch sieht.
Da stellt sich doch die einfache Frage: Warum nicht schon von Anfang an? Hätte man diese Haltung früher klar vertreten und gleichzeitig den Dialog gesucht, wäre die heutige Petition mit ihren politischen Spannungen möglicherweise gar nicht erst notwendig geworden. Ich begrüsse ausdrücklich, dass die Regierungschefin nun keinen Reformbedarf sieht. Ich melde mich schliesslich nicht nur zu Wort, wenn ich etwas kritisiere. Ob dieser Meinungswandel aus eigener Überzeugung, aufgrund äusserer Einflüsse oder schlicht aus Vernunft erfolgt ist, sei dahingestellt. Entscheidend ist, dass sich offenbar etwas bewegt.
Idealerweise sollte in der Politik allerdings die Reihenfolge erst überlegen, dann reden, dann handeln gelten – und nicht umgekehrt. Das hätte uns möglicherweise einiges erspart. Und während einige «Monarchietreiber» offenbar keine Ruhe vor dem Sturm finden, sollten sich vielleicht alle Beteiligten fragen, ob mehr Dialog und weniger Konfrontation nicht der vernünftigere Weg gewesen wäre. In einem Land mit unserer Grösse sollte es eigentlich möglich sein, miteinander zu sprechen, bevor man sich gegenseitig politische Gräben gräbt. Manchmal ist die vernünftigste politische Lösung jene, die man gemeinsam findet, bevor man die Bevölkerung überhaupt vor vollendete Tatsachen stellt.

