Rheinaufweitung:  Ministerin im Konfliktfeld 

Karikatur in der "lie-zeit"-Ausgabe Nr.147 vom August 2026, Karikatur von Tanja Frick, Mauren.

Leserbrief von Herbert Elkuch, Platte 44, Schellenberg

Zur Rheinaufweitung und Ämterteilung veröffentlichte die «lie:zeit» (August 2026,Nr.147, Seite 24) in der Printausgabe eine passende Karikatur. Links im Bild eine Person mit Sprechblase: «Rheinaufweitung schön fürs Auge, doch was sollen wir essen, wenn wir den Bauern die Böden überfluten?». Ein unverrückbarer Standpunkt, jeder verlorene Quadratmeter Kulturland schwächt die schon lange nicht mehr ausreichende Eigenversorgung mit Nahrung.

Rechts im Bild eine Ministerin unserer Regierung mit Sprechblase: «Zwei Seelen hab’ ich, ach, in meiner Brust». Dies ist ein geflügeltes Wort, um den inneren Zwiespalt für eine Entscheidung zu beschreiben. Warum? Seit dem 1. Aug. 2026 gibt es ein Amt für die Umwelt und ein Amt für die Landwirtschaft. Für beide Ämter ist die gleiche Ministerin zuständig. Dadurch steht sie im Konfliktfeld zwischen Ökologie und Ernährungssicherheit. Sie kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen, sondern wird sich für eine entscheiden.  Entweder für nützliches Kulturland oder für ein 1,7 km langes überdimensioniertes Flussbett, nutzlos für die landesweite Hochwassersicherheit.

In der Hand hält die Ministerin ein Buch: «Lebensader Rhein». Das lebenswichtige Grundwasser wird durch den Rhein angereichert. Mit der Klimaerwärmung wird eine längst fällige Bewässerungsmöglichkeit für die Lebensmittelproduktion zwingend notwendig. Die günstigste Möglichkeit ist, das Grundwasser direkt unter dem Kulturland zu nutzen. Statt Millionen für eine Rheinaufweitung auszugeben, könnten die dazu angedachten vielen Tausend Quadratmeter Land nutzbringend für den Anbau von Gemüse hergerichtet werden.  Kostet samt Grundwasserbrunnen nur einen Bruchteil der Rheinaufweitung, ist aber eine nachhaltige Investition für die Zukunft. Es wird sich zeigen, auf welche Seite die Ministerin tendiert.

Aus meiner Sicht hat die Landwirtschaft Vorrang. Nicht um für einen Berufsstand Lobbyismus zu betreiben, sondern um für uns alle soweit noch möglich eine gesunde Ernährung aus heimischer Produktion sicherzustellen.

Komplette Trennung der neuen zwei Ämter nicht vollzogen 

Die Aufteilung des Amtes für Umwelt in zwei eigenständige Amtsstellen, in ein Amt für Umweltschutz und in ein Amt für Wald, Natur und Landwirtschaft war eine kluge Entscheidung. Die Ministerin betonte im Regierungsvideo, es habe sehr viele Interessenkonflikte gegeben. Das ist nachvollziehbar, weil die Forderungen der Umweltschützer und die Interessen der Landwirte, Förster und Jäger oft weit auseinander liegen.

Aus meiner Sicht wäre zusätzlich eine Verteilung der beiden neuen Ämter auf zwei Ministerien vorteilhafter gewesen. Die Forderungen kommen von zwei Seiten mit unterschiedlichen Interessen (Umweltschützer gegenüber Jäger, Förster und Landwirten). Entscheidungen, welche die Ministerin für das eine Amt trifft, können die Interessengruppe des anderen Amtes verärgern. Sie kann es kaum beiden Seiten recht machen, weil die Themengebiete Ökologie, gegenüber Ernährungssicherheit, Forst und Jagd oft emotional und politisch extrem aufgeladen sind, steht sie unter permanentem Rechtfertigungsdruck.

Sich konkurrierende Ämter, bei denen Interessenkonflikte vorprogrammiert sind, mit der gleichen Führungsperson leiten, ist ein Systemfehler, mit dem am Ende schlechte Kompromisse herauskommen könnten.  Meine Meinung: Mit der Übernahme der Doppelfunktion für beide Ämter hat sich die Ministerin keinen Gefallen getan.

 

 


Karikatur in der «lie-zeit»-Ausgabe Nr.147 vom August 2026, Karikatur von Tanja Frick, Mauren.


 

 

 

 

 

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