Leserbrief von Walter Bargetze,
Poska 20, Triesen

Am 22. Juni 2026 wurde nach langer Verzögerung der Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) veröffentlicht. Bereits der Prüfrahmen wirft Fragen auf: Untersucht wurde nur die im April 2025 veröffentlichte Mitteilung der vier Gemeinderäte – nicht aber das anschliessend an alle Haushalte versandte Schreiben der Gemeindevorsteherin Daniela Erne-Beck. Ein zentraler Teil der öffentlichen Auseinandersetzung bleibt damit ausgeblendet.

Der Bericht wirkt einseitig und oberflächlich. Wie im „Vaterland“ berichtet, haben die Räte 14 Prüfpunkte eingebracht. Angesichts dieses Umfangs fällt das Ergebnis der GPK-Untersuchung ausgesprochen dürftig aus.

Ein wesentlicher Punkt ist die Personalfluktuation. Fakt ist, dass die effektive Fluktuation deutlich höher liegt, als dies die Gemeindevorsteherin mit 4–5 % dargestellt hat. Bei rund 75 Angestellten und mehr als 20 Anstellungen in der relevanten Periode ist dies leicht nachvollziehbar. Ob dieser Wert überdurchschnittlich hoch oder noch normal ist, mag jede und jeder selbst beurteilen. Fest steht: Auch gute und geschätzte Mitarbeitende haben aus Unzufriedenheit gekündigt und arbeiten heute in Nachbargemeinden. Das ist für Triesen ein klarer Verlust.

Ebenso kritisch ist die festgestellte Kompetenzüberschreitung bei Ausgaben der Gemeindevorsteherin auf Kosten der Steuerzahler. Es kann nicht sein, dass ein Verstoss gegen das Gemeindegesetz ohne Konsequenzen bleibt.

Beim Thema Arbeitsvergaben zeigt sich ein ähnlich problematisches Bild. Mir sind mehrere Fälle bekannt, in denen die Verwaltung unter der aktuellen Führung Aufträge an Unternehmen in der Schweiz oder in Nachbargemeinden vergeben wollte, ohne zuvor Angebote von in Triesen oder in Liechtenstein ansässigen Unternehmen einzuholen. Dies konnte nur dank Mehrheitsentscheiden im Gemeinderat verhindert werden.

Umgekehrt ist im GPK-Bericht zu lesen, dass Aufträge an Unternehmen aus Triesen bzw. Liechtenstein vergeben worden seien, obwohl diese teurer gewesen seien und teilweise schlechtere Ausführungen erbracht hätten. Auf Nachfrage bei Gemeinderäten ist kein solcher Fall bekannt. Diese Diskrepanz ist befremdend und wirft Fragen zur Nachvollziehbarkeit des Berichts auf. Besonders irritierend ist in diesem Zusammenhang eine Aussage der Gemeindevorsteherin: „Triesner Unternehmer können den Hals nicht voll genug bekommen.“ Eine solche Wortwahl spricht Bände über die Haltung gegenüber der heimischen Wirtschaft und ist einer Gemeindevorsteherin aus meiner Sicht nicht würdig.

Auch beim Einbezug der Räte zeigt sich ein problematisches Bild. Gemäss meinen Erkenntnissen wurden mehrere persönlich an die Räte adressierte Schreiben erst Wochen oder Monate nach Aufforderung weitergeleitet. Zudem erfahren amtierende Gemeinderäte immer wieder von offiziellen Mitteilungen der Gemeinde aus der Presse oder von Dritten, anstatt vorgängig und direkt informiert zu werden. Wenn eine Gemeindevorsteherin einen Rat aus Kommissionssitzungen ausschliesst und von zwei Räten den Ausstand bei Traktanden fordert und dies nach juristischer Abklärung als nichtig erklärt wird, ist dies sehr bedenklich. Von einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit auf Augenhöhe kann unter diesen Umständen kaum die Rede sein.

Es bleibt der Eindruck, dass zentrale Problemfelder – hohe Personalfluktuation, Kompetenzüberschreitungen, fragwürdige Vergabepraxis und ungenügender Einbezug der Räte – im GPK-Bericht unzureichend beleuchtet oder relativiert werden. Eine ernsthafte Aufarbeitung im Interesse der Gemeinde Triesen müsste transparenter, umfassender und selbstkritischer sein.

 

 

 

 

 

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