Forum/Leserbrief des Mobilitätsvereins Liechtenstein (move-li.li)

 

Letzte Woche hat der VCL erneut zum Besten gegeben, dass Stau ein nötiges Übel sei. Es sei volkswirtschaftlich sinnvoll, bei Strassen nur eine „mittlere Kapazität zu bauen. Zu viel für Nebenverkehrszeiten und zu wenig für Hauptverkehrszeiten.“

Was der VCL vergisst: neue Landstrassen wurden mit einer Ausnahme seit Jahrzehnten nicht mehr gebaut, stattdessen bestehende gesperrt oder verengt, Links- und Rechtsabbieger abgebaut und Hindernisse eingebaut. Busbuchten, in denen Busse den Takt abwarten konnten, statt mit Tempo 30 auf Landstrassen den Verkehr blockieren zu müssen, waren mit hohen Kosten durch Haltestellen auf den Strassen ersetzt worden. All das ist volkswirtschaftlicher Unsinn, da unnötig Stau verursacht wird, obwohl dies in Nebenzeiten weder dem Bus noch dem Autoverkehr etwas bringt.

Dem VCL halten wir folgende volkswirtschaftliche Rechnung entgegen: Weil Busse keine eigenen Busspuren haben, teilen sie die Strasse mit den Autos. Das heisst, von 42‘000 Arbeitnehmern sind rund 88% mit diesen beiden Verkehrsmitteln unterwegs, also rund 37‘000 Arbeitnehmer. Wenn jeder davon morgens und abends nur 10 Minuten im Stau steht, sind das täglich 740‘000 Minuten oder rund 12‘300 Stunden. Ein Medianlohn von rund CHF 7‘000.- /Monat entspricht rund 40.-/Std. Fazit: täglich wird eine mögliche Arbeitszeit von 12‘300 Stunden wegen Staus verhindert. Das entspricht fast CHF 500‘000.- pro Tag. Bei 240 Arbeitstagen entspricht dies einem jährlichen Betrag von CHF 120 Mio.!

Der volkswirtschaftliche Schaden ist aber noch grösser, denn dieser Betrag entspricht ja nur der Arbeitszeit der Arbeitnehmer. Nicht eingerechnet ist die Wertschöpfung auf die Arbeitszeit und auch nicht die Umweltschäden durch im Stau unnötig ausgestossene Abgase.

Für jährlich über CHF 120 Mio. Staukosten wären schon viele Busspuren finanzierbar gewesen. Auch Entlastungen der Gemeindezentren durch Umfahrungen sowie Unter- und Überführungen bei Bahngeleisen hätte Liechtenstein analog Sevelen oder Buchs finanzieren können. Stattdessen redet man beim VCL lieber von Tempo 30, auch in Strassen mit Sammelfunktion. Damit wird der Verkehrsfluss weiter behindert, zusätzliche volkswirtschaftliche Schäden sind die Folge. Separate Busspuren, Radwege, Trottoirs und Strassen würden zu einer Entflechtung der Verkehrsteilnehmer beitragen, stattdessen werden in Liechtenstein alle auf die bestehenden Strassen gedrängt. Der Stadttunnel Feldkirch lässt grüssen.