«Geteiltes Glück, ist doppeltes Glück»

Mit den Gedanken der Zuschauern zu zaubern, führt zu besonderer Spannung.

Daniel Meier ist über die Landesgrenzen hinaus besser bekannt als Zauberer DANINI. Diese Rolle macht ihm viel Freude, genau wie seinem Publikum. Viel Freude macht er aber auch den Begünstigten von Terre des hommes. Denn der Hilfsorganisationen spendet er stets einen Teil seiner Gage. Im Interview erzählt Daniel
Meier, wie er zu DANINI wurde.

Wie wird man Zauberer?
Daniel Meier: Begeisterung, Leidenschaft und Interesse für Neues sind wichtig. Einiges ist lernbar, anderes ist sehr individuell und hängt vom Talent ab. Wer seine Talente und Stärken kennt, kann darauf aufbauen. Es ist ein Entwicklungsprozess, der nie abgeschlossen ist, weil die Welt der Magie dermassen vielfältig ist. Bei mir kam vermutlich noch ein externer Kick dazu: Einer meiner Brüder hatte echtes schauspielerisches Talent. Möglicherweise hat er mich inspiriert. Oder es war mein innerster Wunsch, dass ich auch so etwas können wollte. Denn schliesslich ist der Zauberkünstler ein Schauspieler, der die Rolle eines Magiers spielt. Dazu kommen Wille, Durchhaltevermögen und Disziplin, sich mit so fremden und buchstäblich nicht denkbaren Dingen zu befassen. Kenntnisse über die Funktionsweise des Hirns und die Grenzen der Wahrnehmung sind genauso wichtig wie Übung, das Lernen von Techniken und die Bühnenpräsenz. Ich erinnere mich, dass der Einstieg ins Thema für mich sehr herausfordernd war, weil es fast unmöglich war, an einschlägige Informationen heranzukommen. Auf Flohmärkten und in Antiquariaten habe ich Literatur gesucht, gebastelt, ausprobiert. Auch muss man den Frust des Scheiterns ertragen, bis eine gewisse Perfektion erreicht ist. 

War es schon als Kind Ihr Traum, Menschen mit Ihren Vorführungen zu begeistern oder hat sich dies erst im Laufe der Zeit ergeben?
Nein, ich hatte keinen Bezug zur Zauberei. Erst mit etwa 23 Jahren spürte ich, dass dies etwas für mich sein könnte. Bei meiner ersten USA-Reise mit jungen Leuten aus ganz Europa bin ich in Disneyworld auf kleine Taschenspieler-Tricks gestossen. Es hat mir sofort Spass gemacht, die Mitreisenden damit zu unterhalten. Das Virus hatte mich gepackt. Es war so spannend und aufregend, mich mit dem Universum des Nicht-Wissens der Menschen zu befassen, weil mir dieser Raum unendlich gross schien. Bis heute ist es eine Art Lebensschule geblieben, den eigenen Weg zu finden und Talente auszuleben. Was mit einfachen Effekten begonnen hat, entwickelte sich so zur persönlich geprägten Darbietung, die Staunen, Freude, Spass und Unterhaltung auslöst.

Was ist das Spezielle an Ihrem Programm?
Heute würde ich mich als Mentalist oder Illusionist bezeichnen und vor allem ersteres deutet auf den Inhalt hin. Es geht dabei um das Lesen und Übertragen von Gedanken sowie das Voraussagen von Handlungen. Die Gedanken der Menschen sind bekanntlich nicht nur frei, sondern auch geheim und intim. Damit zu zaubern führt zu besonderer Spannung, weil Gedanken zum Objekt der Illusion werden. Beispiele: Jemand denkt an eine Spielkarte und zugleich wird diese Karte aus einem Spiel aus 52 Karten gezogen. Einer mir unbekannten Person nenne ich das Sternzeichen, den Wochentag der Geburt oder den Namen des Haustieres in der Jugendzeit. Um bei solchen Effekten die notwendige Glaubwürdigkeit zu erlangen, sind überzeugendes, authentisches Auftreten, geschickte Dramaturgie und Ablenkung notwendig. Mein Anspruch ist, dies alles humorvoll, mit Schalk und stets einem Augenzwinkern zu präsentieren. Tatsache ist, dass Illusionen ausschliesslich in den Köpfen der Zuschauer entstehen. Somit ist die Rolle des Zauberkünstlers definiert. Er schafft den Raum, in dem Magie erlebbar wird. Konzeptionell ist es für mich dabei das Schwierigste, aus zaubertechnischen Prinzipien magische Unterhaltung mit feinsinnigem Humor zu entwickeln. 

Wie lange dauert eine Aufführung?
Ich richte mich nach den Wünschen der Auftraggeber. Dabei kommt es auf die Veranstaltung an. Sind die Leute wegen DANINI gekommen oder haben sie einen anderen Grund für ihre Anwesenheit? Ist die Zauberei Begleitmusik oder stellt sie den Hauptakt dar? Eine Show bei einem privaten Fest oder einer Firmenveranstaltung dauert bis zu einer Stunde. Oft ist vor- oder nachher table hopping, das heisst zaubern an Tischen im kleinen Kreis, gefragt oder eine Kombination von beidem. Anders ist es bei einer öffentlichen Veranstaltung mit einem abendfüllenden Programm. 

Wie setzt sich Ihr Publikum zusammen?
Am liebsten ist mir eine diverse Gesellschaft. Dann ist die Energie ausgeglichen. Aber auch, weil jeder Mensch das Verlangen hat, manchmal für ein paar Minuten in eine andere Welt entführt zu werden, heraus aus dem Alltagsstress. Er sehnt sich nach Entspannung, möchte sich wieder einmal als Kind fühlen und dabei kopfschüttelnd und mit offenem Mund staunen.

Illusionen entstehen ausschliesslich in den Köpfen der Zuschauer.

Wie sind Sie zu Ihren Kunststücken gekommen?
Zu Beginn war ich Autodidakt, inzwischen gibt es Schulen und verschiedene Medien. Daneben sind der regelmässige Besuch von Kursen und der Austausch mit Zauberkollegen sehr wertvoll. Immer wieder stehe ich mit einem Kollegen im Kontakt, der im Bereich der Mentalmagie fantastische Fähigkeiten hat. Er kritisiert, korrigiert und betont mantramässig, worauf zu achten sei, um die Wirkung zu maximieren. Und mit dem Konzept «reduce to the max», also alles weglassen, was den Effekt töten oder seine Wirkung verringern könnte, bringt er mich manchmal an meine Grenzen.

Haben Sie ein, zwei Anekdoten auf Lager in Bezug auf besonders eindrückliche Erlebnisse als DANINI?
Den Auftritt in einem Hochsicherheitsgefängnis werde ich nie vergessen. Dass ich Effekte mit Waffen oder spitzen Gegenständen nicht vorführen darf, war mir klar. Ich wusste aber nicht, dass die Gefangenen keine Wertgegenstände auf sich tragen durften. Das Kunststück forderte jedoch von einem Zuschauer, Geld zu leihen. So gab ich vor der Show einem Häftling 100 Euro, die er mir dann, wenn ich nach Geld frage, geben sollte. Die Gefängniswärter staunten nicht schlecht, als er lässig die 100 Euro zückte. Mir blieb am Schluss die Aufgabe, den Häftling zu schützen und den Wärtern zu erklären, dass ich ihm das Geld vorher gegeben hatte. Jedenfalls konnte ich das Gefängnis problemlos wieder verlassen. Interessant war, dass dieser Häftling eine Visitenkarte verlangt hat, weil er mich nach seiner Haft bei der Wiedereröffnung seiner Bar engagieren wollte. Dazu kam es dann auch, als er – wieder in Freiheit – nach etwa zwei Jahren anrief. Es gab dann eine lustige Party.

Oder: Kürzlich standen eine Mutter und ihr Sohn hinter mir, als ich Geld aus dem Automaten bezog. Der Bub flüsterte zur Mutter: «Das ist doch DANINI, wieso braucht er einen Automaten, um an Geld zu kommen?» Ich schenkte ihm dann einen Zweifränkler, den ich vom Boden aufnahm, obwohl da zuvor nichts war. 

Wie viel Zeit investieren Sie in Ihr Hobby für Auftritte und Vorbereitung?
Die Vorbereitung einer Show benötigt bis zu einem halben Tag. Dann kommt oft auch die Reisezeit dazu. Alles in allem halb so schlimm. Ich fühle mich privilegiert, so etwas machen zu dürfen. Und wer zählt schon die Stunden bei einer Tätigkeit, die man leidenschaftlich betreibt und liebt?

«Die Gefängniswärter staunten nicht schlecht, als der Häftling lässig 100 Euro zückte. Mir blieb die Aufgabe, den Wärtern zu erklären, dass ich ihm das Geld vorher gegeben hatte.»

Sie waren und sind nicht «nur» DANINI. Was hat Daniel Meier beruflich gemacht.
Nach meinem BWL-Studium an der Fachhochschule war ich immer in der Finanzbranche tätig und habe mehr als 25 Jahre eine Raiffeisenbank geleitet. Vor sechs Jahren habe ich mich entschieden, mir noch mehr Zeit für meine Leidenschaft zu gönnen. Die damaligen Reaktionen auf die Kombination von Bank und Zauberei habe ich in lustiger Erinnerung. Ich war bis zur grossen Finanzkrise im Jahre 2008 überzeugt davon, dass die Zauberei die geheimnisvollere meiner beiden Tätigkeiten war. Das hat sich leider ins Gegenteil entwickelt. Transparenz und Berechenbarkeit bei den Banken werden von vielen zurecht infrage gestellt. Offensichtlich waren bei den Grossbanken zu viele Zauberlehrlinge am Werk, die bis in die heutige Zeit die Geister, die sie riefen, nicht mehr loswerden. Die aktuelle Situation zeigt es eindeutig.

Was möchten Sie mit Ihrer Kunst bewegen?
Mir geht es in erster Linie darum, Leute zu unterhalten und sie zum Staunen zu bringen. Das Entführen in eine andere, unbekannte Welt tut uns allen gut. Wenn man mehr will, dann ergibt sich ein noch grösserer Sinn: Mit der Magie lässt sich gut demonstrieren, dass Lösungen ausserhalb unserer Erfahrungen und Denkmöglichkeiten vorhanden sind. Wenn ich einen kleinen Teil dazu beitragen kann, eingefahrene Meinungen in Frage zu stellen oder Mut zu machen, über den Tellerrand zu blicken, bin ich zufrieden. Ich glaube, es braucht für viele Problemstellungen der heutigen Zeit neue, kreative Denkansätze, eine ausgeprägte Vorstellungskraft und vor allem auch den Mut, etwas Neues zu wagen. Das ist echt magisch.

Sie sind auch karitativ tätig. Wen unterstützen Sie?
DANINI ist seit vielen Jahren Botschafter vom Kinderhilfswerk Terre des hommes, welches in etwa 30 Ländern der Welt tätig ist und sich um die Rechte und die Not von Kindern kümmert. Da ich immer einen Teil meiner Gagen dem Hilfswerk spendiere, entsteht eine doppelte Freude. Einerseits beim Publikum bei meinen Aufritten, andererseits durch die Hilfe für die am wenigsten Privilegierten unserer Gesellschaft. Es gilt das Motto: Wer sein Glück teilt, kann es verdoppeln. 

Welche weiteren Ziele haben Daniel Meier und DANINI?
Ich möchte noch mehr die Fähigkeit erlangen, im Augenblick zu leben. Leider schlägt uns das Hirn dabei immer wieder ein Schnippchen, weil es wie ein Planungsinstrument und eine Vorhersage-Maschine funktioniert. Das wiederum führt dazu, dass wir uns dauernd mit der Vergangenheit oder bereits mit der Zukunft beschäftigen. Dabei böte die Magie des Augenblicks im Alltag so viel: eine Blume am Wegesrand, das Gezwitscher der Vögel, ein besonderer Duft, das Lachen eines Kindes oder das Schnurren einer Katze. Einstein sagte einmal: «Die schönste Sache, die wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist die Quelle aller wahren Kunst und Wissenschaft. Derjenige, dem diese Gefühle fremd sind, der nicht pausieren kann, um sich zu wundern und in Ehrfurcht hingerissen da zu stehen, ist so gut wie tot. Seine Augen sind geschlossen.» Als Künstler weiss man, dass es schwierig sein kann, Leute zum Lachen und Staunen zu bringen. Das zeigt eine Lachstatistik, die ich einmal gelesen habe: Kinder lachen demnach bis dreihundert Mal pro Tag, Erwachsene bis zwanzig Mal. Tote lachen gar nicht mehr. So kann sich jeder aussuchen, zu welcher Kategorie er gehören möchte. Als DANINI arbeite ich an meinem neuen Programm mit dem Namen ABNORMAL.


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www.danini.li.