Bosco Gurin, eines der schönster Walserdörfer der Schweiz

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Neben Triesenberg und Bosco Gurin gehören dem Verein noch 3 weitere Walserdörfer an: Ernen und Simplon Dorf im Wallis und Splügen in Graubünden. Im Bild: das Walsermuseum von Bosco Gurin (Copyright: Ticino Turismo)

Das Tessiner Walserdorf Bosco Gurin, eines der schönsten der Schweiz

Bosco Gurin ist die 42. Gemeinde, das das Label „eines der schönsten Schweizer Dörfer“ trägt. Damit schliesst sich das Tessiner Dorf an deutschsprachige Dörfer wie Bergün, Schwellbrunn oder Luthern an. Bosco Gurin ist das erste Dorf im Süden seit 2016, das in dieses internationale Netzwerk aufgenommen wurde.

Das Dorf Bosco Gurin
Bosco Gurin wurde 1253 von Walliser Walser-Kolonisatoren gegründet und ist ein wunderschönes Dorf im Talkessel des Valle di Bosco, im Bezirk Vallemaggia, eingebettet. Mit ihren 1’504 m.ü.M. ist sie die höchstgelegene Gemeinde des Kantons Tessin und die einzige deutschsprachige Gemeinde im Tessin. Seine 55 Einwohner sind hauptsächlich in der Landwirtschaft, aber auch im Tourismus tätig: Bosco Gurin ist in der Tat eines der beliebtesten Skigebiete des Kantons. Die Einwohner von „Gurin“ lernen das Walseridiom „Ggurijnartitsch“ von klein auf und sprechen es fliessend. Die Verbindung zur Kultur und Tradition der Walser zeigt sich nicht nur in der gesprochenen Sprache, sondern auch in der traditionellen Architektur aus Torf, alten Ställen, Gadumtschi und traditionellen Häusern. Die Ortsnamen verraten auch die Geschichte dieser Alpensiedler, Namen wie Grossalp, Zum Schwarza Brunna, Bann, Martschenspitz und Ritzberg, um nur einige zu nennen. Schließlich mangelt es nicht an Legenden, wie zum Beispiel der Legende von Weltu, einer mythischen Figur mit umgedrehten Füßen, die in den Wäldern rund um das Dorf lebt.

Die alte Walser-Zivilisation
Der Begriff Walser bedeutet „Walliser“ und bezeichnet die deutschsprachigen Bergbauern, einschliesslich ihrer Nachkommen, die das Oberwallis Ende des frühen Mittelalters verliessen, um sich an anderen Orten im Alpenraum niederzulassen. Rund 150 Orte mit Walsersiedlungen in 6 Ländern werden untersucht: Frankreich, Italien, Schweiz, Liechtenstein, Österreich und Deutschland.

Der Verein „Die schönsten Schweizer Dörfer“ zählt 6 dieser Siedlungen: Bosco Gurin im Tessin, Simplon Dorf, Ernen und Grimentz im Wallis, Splügen in Graubünden und Triesenberg in Liechtenstein. Das Phänomen der Besiedlung der Walser spiegelt die hohe Mobilität in den Alpen zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert wider, wie Francesco Cerea, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Laboratorium für Alpingeschichte der Universität der italienischen Schweiz, erklärt. Die Fähigkeit der Walser, sich an die neue Umgebung anzupassen, ihr Einfallsreichtum bei der Landnutzung und die über Jahrhunderte erfolgte Assimilation eines besonderen kulturellen Erbes werden sich in der Architektur, den Traditionen und den Bautechniken manifestieren, die ihre Siedlungen zu etwas Besonderem machten.

Verein „Die schönsten Schweizer Dörfer“
Der 2015 in Lugano gegründete Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die kleinen Perlen der Schweiz und Liechtensteins in ihrer Schönheit und ihren Werten zu zeigen (und zu erhalten) und national und international bekannt zu machen. Der Schweizer Verein ist Mitglied der internationalen Föderation „The Most Beautiful Villages of the World“, die 10 Nationen vereint und vertritt: Frankreich, Italien, Belgien, Spanien, Deutschland, Russland, Libanon, Japan, Schweiz und Liechtenstein. Der Verband ist Mitglied des UN-Programms für nachhaltigen Tourismus „One Planet“. Heute zählt der Schweizerische Verein 41 Dörfer in 14 Schweizer Kantonen und 1 Dorf im Fürstentum Liechtenstein. Davon befinden sich 6 in der italienischen Schweiz: Ascona, Bosco Gurin, Morcote, Muggio, Poschiavo und Soglio.