Anspruchsvolles Umfeld für Pensionskassen

123

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtenstein hat heute ihren Bericht zur Betrieblichen Personalvorsorge veröffentlicht. Die liechtensteinischen Pensionskassen versicherten Ende 2019 43 330 Personen, davon waren 37 828 aktiv Versicherte und 5502 Rentenbezüger. Im Vorjahresvergleich ist die Anzahl der aktiven Versicherten und Rentenbezüger um 936 Personen oder 2,2% gestiegen, davon waren 734 aktiv Versicherte und 202 Rentenbezüger.

Die gesamten Aktiva der Pensionskassen beliefen sich Ende 2019 auf CHF 7,46 Mrd. Diese Summe entspricht rund 111% des Bruttoinlandsprodukts, was die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung der betrieblichen Personalvorsorge verdeutlicht. Dazu kommt ein Betrag von CHF 490,1 Mio., der auf Freizügigkeitskonten bei liechtensteinischen Banken gehalten wird.

Starkes Anlagejahr 2019
Die Vorsorgeeinrichtungen kämpfen insbesondere mit den Auswirkungen des weltweiten Niedrigzinsumfeldes. Risikoarme Anlagen wie Bundesobligationen haben in den letzten Jahren praktisch keinen Beitrag zum Anlageertrag geleistet. Auf den Aktienmärkten hingegen verzeichneten die Pensionskassen im Jahr 2019 eine positive Performance. Daher war das vergangene Anlagejahr mit einer im Mittel erzielten Rendite von 10,0% (Vorjahr -4,2%) ein überaus erfreuliches für die Liechtensteiner Pensionskassen. Der durchschnittliche Deckungsgrad lag Ende 2019 bei 113,5% (Vorjahr: 104,4%). Per Ende 2019 wies lediglich eine Pensionskasse mit 97,9% eine Unterdeckung auf, der höchste Deckungsgrad belief sich auf 125,3%.

Schwankungen im Deckungsgrad wegen Corona-Pandemie
Seit Ende 2019 gab es, geprägt durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie, Schwankungen bei der finanziellen Ausstattung der Vorsorgeeinrichtungen. Aufgrund der Turbulenzen an den Finanzmärkten befanden sich die Deckungsgrade kurzzeitig nahe oder teilweise unter der 100%-Marke. Durch die leichte Erholung der Finanzmärkte lagen die provisorischen Deckungsgrade per Ende Juni 2020 im Mittel bei 105%. Ein Beitrag im aktuellen Bericht befasst sich eingehend mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Verzinsung des Sparkapitals deutlich gestiegen
Die ausgezahlten reglementarischen Leistungen der Pensionskassen betrugen CHF 217,5 Mio. (Vorjahr: CHF 201,4 Mio.). Den grössten Anteil hatten die Altersrenten mit CHF 97 Mio. (Vorjahr: CHF 94 Mio.). Die Kapitalleistungen bei Pensionierung betrugen CHF 84 Mio. (Vorjahr: CHF 71,1 Mio.). Die Beitragseinnahmen der Vorsorgeeinrichtungen beliefen sich auf CHF 433 Mio., wovon rund 41% aus Arbeitnehmerbeiträgen und 53% aus Arbeitgeberbeiträgen stammen. Hinzu kommen Sonderbeiträge, Zusatzbeiträge sowie Einlagen in Arbeitgeberreserven.

Das Sparkapital der aktiv Versicherten wurde im Jahr 2019 mit durchschnittlich 2,6% (Vorjahr: 1,0%) verzinst. Dieser deutliche Anstieg gegenüber dem Vorjahr ist in erster Linie auf die positiven Anlageergebnisse zurückzuführen. Die höchste Verzinsung betrug 5%, die tiefste 0,8%. Der durchschnittliche Rentenumwandlungssatz der Pensionskassen lag im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert bei 5,8%, der tiefste lag bei 5,0%, der höchste bei 7,0%.

Die FMA beaufsichtigte per Ende 2019 17 Pensionskassen, eine weniger als Ende 2018. Im Jahr 2008 betrug die Zahl an Pensionskassen noch 34. Gründe für den Rückgang sind die schwierige Kapitalmarktsituation, steigende administrative Aufwände und Kosten-Nutzen-Überlegungen von betriebseigenen Stiftungen.

Die FMA will mit der heute veröffentlichten Publikation neben der Darstellung der Entwicklung der betrieblichen Personalvorsorge auch einen Beitrag für künftige Reformdiskussionen leisten. Sie hat Prof. Dr. Marc Hürzeler zu den Aussichten und zum Reformbedarf für eine gerechte und auch in Zukunft sichere zweite Säule befragt. In einem weiteren Beitrag werden die Besonderheiten des Umwandlungssatzes im Liechtensteiner und Schweizer System aufgezeigt, insbesondere in Bezug auf dessen Senkung.

Der Bericht zur «Betrieblichen Personalvorsorge in Liechtenstein» steht auf der Website www.fma-li.li zur Verfügung.