Ladina Schädler: «Ich wünsche mir mehr Mut von unseren Volksvertretern»

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Landtagsabgeordneter Johannes Kaiser im Gespräch mit der engagierten, sympathischen Jugendlichen Ladina Schädler (19) aus Eschen.

Was machst du derzeit? Du hast soeben die Matura abgelegt und was für ein Studium gehst du an?
Ladina Schädler:
Momentan mache ich ein halbjähriges Praktikum bei der Landesverwaltung. Danach werde ich einige Monate reisen gehen. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was ich danach studieren werde. Wahrscheinlich werde ich in Wien an der Universität für Bodenkulturen «Holz- und Forstwirtschaft» im Bachelor- und «Forstwissenschaften» im Masterstudiengang belegen.

Spannend – und was sind deine Hobbys?
Ich treibe sehr gerne Sport. Ich trainiere zweimal in der Woche Pole Dance. An den restlichen Tagen gehe ich joggen, wandern, mache Krafttraining … Ausserdem spiele ich Klavier und Gitarre. Ich zeichne und male sehr gerne. Zudem lese ich regelmässig.

Du hast dir den Matura-Abschluss sicherlich anders vorgestellt: mit einer richtigen Maturafeier und einer Maturareise? Ist alles dem Covid-19 zum Opfer gefallen?
Ja, ich war anfangs etwas enttäuscht, dass mein Maturaabschluss nicht so aussehen wird, wie ich ihn sieben Jahre vor Augen hatte. Schliesslich hatten wir aber trotzdem einen schönen Abschluss, da der Matura-Apéro und die Maturafeier trotzdem stattgefunden haben. 

Das Gymi-Theater «Sisyphus», in dem du mit Begeisterung mitgewirkt hast, stand mit dem vielversprechenden Stück «Der nackte Wahnsinn» am 20. März 2020 unmittelbar vor der Premiere – und dann wurde die Schule geschlossen. Wie fühlt sich dies an?
Ich war unglaublich enttäuscht. Das waren wir alle. Die wöchentliche und intensive Arbeit, die wir beinahe über ein ganzes Jahr in das Stück gesteckt hatten, war auf einen Schlag umsonst gewesen. Wir hatten lange Probleme mit dem Stück und waren uns nicht sicher, ob die Aufführung so werden würde, wie wir es und vorgestellt haben. Doch in der Woche vor den Schulschliessungen hatten wir es endlich geschafft, das ganze Stück perfekt durchzuspielen. Dann wurde unsere Aufführung abgesagt …

Waren dies am letzten Sonntag deine ersten Abstimmungen, an denen du dich beteiligen konntest? Und dann gleich ein Super-Wahlsonntag – wie man so schön sagt – mit drei sehr unterschiedlichen Themen. Was war für dich das wichtigste?
Nein, ich habe auch schon im November über den Neubau des Landesspitals abgestimmt. Ich persönlich fand die Abstimmung über die S-Bahn sehr wichtig. Mit dem Bau der S-Bahn und der Verwirklichung des Mobilitätskonzept hätten wir die Chance auf eine Investition in die Zukunft gehabt. Die Leute sollten sich bewusst sein, dass es hierbei nicht um sie selbst, sondern um das Land Liechtenstein geht und dessen, also unsere gemeinsame Zukunft.

Blicken wir auf deine Schuljahre zurück: Wird in der Bildung für die Schüler und Jugendlichen in Liechtenstein genug getan, bzw. ist das Schulsystem up to date?
Ich denke, dass sehr viel für die Bildung getan wird. Meiner Meinung nach aber nicht genug. Denn ich persönlich glaube, dass unser Schulsystem schon lange überholt ist. Ich weiss nicht, wie die Situation in anderen Schulen aussieht, aber im Gymnasium hat man vielfach gar keine Möglichkeit, nachhaltig zu lernen, weshalb sich viele Schüler des «Bulimie-Lernens» bedienen. Man versucht in so kurzer Zeit so viel Stoff wie möglich aufzunehmen und vergisst es nach den Prüfungen wieder, «kotzt» es also wieder aus … Das Problem ist, dass wir unglaublich viele Fächer haben. In der kurzen Zeit, die wir mit dem Lehrer wöchentlich für das Fach zur Verfügung haben, können wir uns dem Fachthema zum Teil gar nicht richtig widmen. Ein tiefes Eintauchen in eine Thematik ist gar nicht möglich.

Fremdsprachen sind das Tor in die Welt – wie weit wird dieses Tor geöffnet?
In den Sprachfächern fehlt die Zeit, um das Sprechen zu üben, zu diskutieren. Das wäre eigentlich das Wichtigste beim Sprachenlernen, dies kommt in der Schule aber viel zu kurz. Das ganze Schulsystem müsste geändert werden. Das ist aber natürlich ein schwieriges und sehr umfassendes Unterfangen, das Liechtenstein alleine nicht durchführen kann. Sollte man aber wirklich an einem guten Bildungssystem interessiert sein, wird eine Veränderung bald nötig sein. Und dann wird ein neuer Lehrplan nicht genügen.

Welchen gesellschaftspolitischen Themen sollte sich die Politik deines Erachtens dringend mehr annehmen? Wo erwartest du mehr Mut von den Volkvertretern?
Ich würde mir eigentlich in allen Belangen mehr Mut von unseren Volksvertretern wünschen. Man ist stets bedacht, den Liechtensteinern nicht auf die Füsse zu treten und tritt dadurch meist nur auf der Stelle. Ich stelle mir die politische Arbeit in Liechtenstein nicht einfach vor, da es sehr schwierig ist, die Liechtensteiner für etwas zu begeistern und von etwas zu überzeugen. Doch Neinsager wird es immer geben, deshalb sollte man sich wegen ihnen nicht den Kopf zerbrechen, sondern sich auf den Fortschritt konzentrieren und auf die Leute, die für Veränderungen und Verbesserungen bereit sind.