Coronavirus – und was nun?

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Daniela Ospelt

Das Coronavirus hat praktisch alle Wirtschaftsbereiche im Frühjahr dieses Jahres eiskalt erwischt. Wie sieht es nun, ein halbes Jahr später, aus? Wie ist es gelaufen und was sind die Prognosen?

Wir alle können uns noch gut erinnern: Im März dieses Jahres kam er – der Shutdown infolge der Corona-Pandemie. Wahrscheinlich nur wenige haben etwas Vergleichbares je erlebt und es ist anzunehmen, dass sich manch einer in einem falschen Film wähnte. 

Einem Tsunami gleich wurden die öffentlichen Stellen überrannt, Kurzarbeitsgesuche und Fragen gestellt. Während das zuständige Amt in den vergangenen Jahren vielleicht ein halbes Dutzend Kurzarbeitsanträge pro Jahr bearbeiten musste, waren es nun Hunderte innerhalb weniger Tage. 

Mammutaufgabe für zuständige Stellen
Eine Mammutaufgabe für die zuständigen Stellen. Es mussten zunächst überhaupt die Strukturen geschaffen, offene Fragen geklärt und Vorgehensweisen definiert werden. Die Folge dieses Prozesses waren auf der Arbeitgeberseite jedoch Existenzängste, Missmut über verzögerte Antworten und Unverständnis. Viele, gerade kleinere Arbeitgeber, fühlten sich im Stich gelassen und teils auch überfordert wegen der Formalitäten und Vorgaben. Regierung und Verwaltung waren gefordert – aber wie soll man einen passenden Weg finden, dass alle gleichbehandelt werden? Sollen Gemeinden selbst „ihren“ Unternehmern mögliche Lösungen und Unterstützungen bieten und wenn ja, wie sehen diese Massnahmen und Beihilfen aus? Ist das fair anderen Gemeinden gegenüber? Fragen über Fragen, die manche Diskussion auslösten.   

Blickt man nun auf die ergriffenen Massnahmen und Vorgänge zurück, kann sicher gesagt werden, dass sie korrekt und der Situation angepasst waren. Klar gibt es aber auch immer Spezialfälle, die durch alle Maschen fallen. Kleinheit und kurze Wege bieten jedoch sicher Vorteile, damit man unkompliziert an die richtigen Stellen gelangt und Unterstützung erfährt. Es brauchte einfach alles seine Zeit, denn einen wirklichen Masterplan für ein solches Szenario hatte wohl keiner fixfertig in der Schublade. 

Arbeitnehmer und Arbeitgeber gefordert
Arbeitnehmende waren in organisatorischer wie auch in finanzieller Hinsicht gefordert. Wer neu in Kurzarbeit beschäftigt wurde, musste (oder muss immer noch) Lohneinbussen in Kauf nehmen. 20 Prozent weniger Bruttolohn waren zum Teil die Folge, zudem werden sämtliche Sozialversicherungen auf einen 100-Prozent-Lohn berechnet, was sich dann netto natürlich noch deutlicher niederschlägt. Aber die Kurzarbeit hat klare Vorgaben, was die Lohnadministration anbelangt und diesbezüglich waren auch die Arbeitgeber zunächst stark gefordert, damit alles reibungslos und korrekt abgerechnet wurde. Es gibt jedoch vereinzelt Arbeitgeber in Liechtenstein, die den Lohnverlust des Arbeitnehmers nachträglich wieder ausgeglichen haben – zu Lasten des Unternehmensgewinns. Dies als Zeichen der Wertschätzung gegenüber den Arbeitnehmenden, die sich der Situation gefügt und sämtliche organisatorischen Strapazen auf sich genommen haben. Eine schöne und kulante Geste, die sich leider nicht alle Arbeitgeber leisten können. 

Die Wogen diesbezüglich haben sich jedoch merklich geglättet – die Prozesse laufen und die anfängliche Hürde wird langsam zur Routine – es ist absehbar, dass sich auch auf Arbeitgeberseite eine gewisse «Normalität» einspielt. 

Gefahr eines zweiten Shutdowns latent vorhanden
Normal ist aber auch die aktuelle Zeit nicht. Die Fallzahlen von Corona-Infizierten steigen wieder und es besteht die Gefahr eines zweiten Shutdowns. Doch die Frage stellt sich schon, ob wieder alles so heruntergefahren wird wie im März. Fragt man bei Arbeitgebern nach, sind viele der Auffassung, die Massnahmen waren zu einschneidend und zu drastisch. 

Denn wir sehen nun nach der ersten Shutdown-Phase, dass viele Branchen leiden. Viele, gerade auch kleinere, Geschäfte im Detailhandel haben die Durststrecke nicht überwinden können und die Türen zugemacht oder werden bald schliessen. Eine weitere Folge davon sind Entlassungen, was sich bereits in den Arbeitslosenzahlen niedergeschlagen hat. 

Interessante Entwicklung im Homeoffice
Interessante Entwicklungen hat es jedoch aufgrund der Coronakrise im Homeoffice gegeben: Es gibt doch einige Firmen in der Region, die Homeoffice oder flexiblere Arbeitszeitmodelle bereits angenommen haben und so weitermachen wollen. Ein kürzlich mit einer Firma geführtes Gespräch hat bestätigt, dass sich ein Kombi-Modell aus Homeoffice und Präsenz so etabliert hat, dass die Geschäftsleitung dies beibehalten möchte und den Mitarbeitenden (wenn möglich) freistellt, ob sie das Modell annehmen wollen. Ein wirklich interessanter Ansatz, der aus der Krise geboren wurde. Ein stärkerer Einsatz dieses Arbeitszeitmodells hätte viele Vorteile zu Folge, einer davon wäre sicher eine Entlastung des Pendlerverkehrs zum Werkplatz Liechtenstein.  

Was die organisatorischen Massnahmen angeht, befinden sich aber immer noch die meisten mitten in der Krise. Hygienemassnahmen, Abstandsregeln, Maskenpflicht in vielen Unternehmen – die Liste der Coronavorschriften ist lang und viele Firmen mussten auch kreativ werden, um alles konform umzusetzen. Beispielsweise sind in einem hohen Masse auch Berufsschulen und Weiterbildungsinstitute betroffen. Säle und Foren wurden nach dem Online-Unterricht neu zu Klassenzimmern, sodass die Abstandsregeln bei grossen Klassen eingehalten werden konnten, Aufteilung in Gruppen in unterschiedlichen Zimmern, Ausweichen ins Freie – aber immerhin wieder Präsenzunterricht nach der monatelangen Phase des Online-Unterrichts. 

Der Online-Unterricht wurde rückblickend relativ gut angenommen, er konnte aber den Präsenzunterricht in den Augen vieler nicht ersetzen. Zahlreiche Studierende brauchen für das Aufnehmen von Lerninhalten eine andere Umgebung als die eigenen vier Wände und die Motivation war Online offenbar nicht bei allen dieselbe. Dies und noch einige weitere Feedbacks sind die Folge einer ersten Umfrage unter den Studierenden meiner Kurse zum Thema Online-Unterricht.   

Heutiger Zustand wird uns noch längere Zeit begleiten
Die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus bleibt bei vielen dennoch. Nach wie vor habe ich Studierende, die grossen Respekt vor dem Arbeiten in der Klasse haben und sich, auch im Bewusstsein der Nachteile, den Online-Unterricht zurückwünschen. Gerade in dieser Frage erkennt man ein grosses Gefälle und wie unterschiedlich die Menschen mit dem Coronavirus umgehen. 

Niemand kann eine zuverlässige Prognose geben, wann und ob wir überhaupt wieder zu einer „Normalität“ vor Corona zurückkehren können. Ein respektvoller Umgang mit der Situation und Rücksicht auf die Menschen, die Angst vor einer Ansteckung haben, ist wichtig und auch richtig. Die passende Ausgeglichenheit zu finden zwischen Krise und Normalität – das ist sicher ein Zustand, der uns noch länger beschäftigen wird. Zu hoffen wäre allerdings, dass uns allen ein zweiter Shutdown erspart bleibt. 

Fachunterricht im Freien – Sommerakademie des bzb Buchs.