Gift-Attentat gegen russischen Oppositionspolitiker

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Bild: Nawalny ist das Gesicht der russischen Opposition. Seine Kampagne gegen Korruption und die Regierung Putins motiviert viele Menschen. Mehrfach ist der 44-Jährige jedoch auch negativ aufgefallen. Im August wurde er vergiftet. Bild: Alexej Nawalny 2019 in Moskau in den Händen der kremltreuen Justiz.

 

Der bekannte russische Oppositions-Politiker Alexej Nawalny kämpft in einem sibirischen Spital um sein Leben. Viele glauben an ein Gift-Attentat und dass der Kreml dahinterstecke.

Im Flugzeug sei Nawalny schlecht geworden, er hätte zu schwitzen begonnen, man habe ihm Wasser angeboten, das er ablehnte und verlor kurz darauf das Bewusstsein, wie seine Pressesprecherin Kira Jarmysch bestätigte. Alexej Nawalny ist auf einer Reise durch Sibirien möglicherweise vergiftet worden. Das Flugzeug machte in Omsk eine Notlandung und von dort wurde er auf die Intensivstation im Notfallkrankenhaus Nr. 1 gebracht. Dort liegt Jarmysch nun schon den zweiten Tag im Koma.

Jetzt gehe es darum, Nawalnys Leben zu retten, sagte der leitende Arzt des Krankenhauses. Sein Zustand sei «schwierig, aber stabil.» Der Arzt wollte sich nicht auf eine Vergiftung als Ursache für dem körperlichen Zusammenbruch festlegen.

Die Pressesprecherin Jarmysch twitterte dagegen: „Alexej ist mit etwas vergiftet worden, das man ihm in den Tee geschüttet hat. Das ist das Einzige, was er am Morgen getrunken hat.“ Auch viele andere russische Oppositionelle und unabhängige Medien vermuten einen politisch motivierten Giftanschlag.

Alexej Nawalny, 44 Jahre alt, 1,88 Meter gross, Rechtsanwalt aus Moskau, Blogger und nationalliberaler Politiker ist der wahrscheinlich einflussreichste , sicherlich aber der bekannteste Regimegegner seines Landes Die von ihm gegründete «Stiftung zur Korruptionsbekämpfung» ermittelt seit 2011 gegen Putins Staatsapparat.

Bewiesene und mutmaßliche
Anschläge

Mutmaßliche Vergiftungen im politischen Milieu waren in Russland immer wieder ein Thema:

Pjotr Wersilow, Mitglied der russischen kremlkritischen Polit-Punk-Gruppe Pussy Riot, verdächtigte den russischen Geheimdienst, ihn 2018 in Moskau vergiftet zu haben.

Sergej Skripal, Ex-Doppelagent, und seine Tochter waren 2018 in England dem in der Sowjetunion entwickelten Nervengift Nowitschok ausgesetzt worden. Beide entgingen nur knapp dem Tod. Westliche Geheimdienste beschuldigen die russische Regierung, den Anschlag als Vergeltung für Skripals Tätigkeit veranlasst zu haben.

Alexander Litwinenko starb 2006 in London an einer Vergiftung mit hochradioaktivem Polonium. Zuvor hatte der frühere russische Agent und Kreml-Kritiker mit zwei russischen Geschäftsmännern und Ex-KGB-Agenten Tee getrunken. London gibt Moskau die Schuld, das jegliche Verantwortung bestreitet.

Viktor Juschtschenko wurde 2004 schwer krank. Österreichische Ärzte stellten drei Monate später eine Dioxinvergiftung beim späteren Präsident der Ukraine fest. Juschtschenkos Gesicht trägt bis heute die Spuren der Vergiftung. Angetreten war er gegen den russlandfreundlichen Kandidaten Viktor Janukowitsch. (afp/dpa)