«Wenn die Kerzen aus waren, fing das Politisieren an»

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Politisch engagierter Zahlenmensch mit Vorliebe für Technik: Bruno Matt, Geschäftsführer der LLB-Pensionskasse.

Bruno Matt beschäftigt sich seit über 25 mit Versicherungslösungen. Seit 15 Jahren leitet der die Pensionskasse der Landesbank. Auch sein politisches Engagement galt unter anderem der demographischen Entwicklung. Abschalten kann er auf dem Rad oder der Harley, die ihn auch nach seinem – noch fernen – Ausstieg aus dem Berufsleben begleiten soll.

«Jeden Tag fahre ich gerne ins Büro», sagt Bruno Matt, der Leiter der LLB-Pensionskasse. Er betont, dass für ihn nur eine Arbeit infrage kommt, in der er Kontakt zu seinen Mitmenschen hat. «Es macht mir Spass, mit Menschen umzugehen und sie so zu beraten, dass sie am Schluss die für sie beste Lösung in Händen haben. Als Berater nehme ich mir viel Zeit, um einer Familie oder einem Unternehmen einen guten Dienst zu erweisen. Zum anderen kümmere ich mich als Geschäftsführer um strategische und operative Aufgaben oder organisiere für die Stiftung notwendige Prozesse. Wenn alles erfolgreich abläuft, macht mich das sehr zufrieden.»

In der Welt der Technik und der Zahlen zu Hause
Dass Bruno Matt einmal eine Pensionskasse leiten würde, war zwar nicht von Anfang das Berufsziel des gelernten Elektronikers. Arbeitstag für Arbeitstag isoliert im Büro vor dem Computer zu sitzen, war für ihm aber stets undenkbar. «Ich bin zwar nicht der klassische Zahlenmensch, sondern eher jemand, der die Welt der Technik mit der Welt der Zahlen verbindet. Ich analysiere, kalkuliere und berechne gerne. Mathematik gehörte in der Schule zu meinen Lieblingsfächern. Ich höre auf meinen Verstand, sehe die Dinge sachlich, nüchtern, ziel- und ergebnisorientiert. Gleichzeitig habe ich mich immer für Technik interessiert.»

So hat seine Berufslehre Bruno Matt auch stark geprägt. «In dem kleinen Familienunternehmen damals habe ich mir Fachwissen angeeignet, aber auch gelernt, was alles dazu gehört, um Dienstleistungsqualität und Kundenservice Tag für Tag aus Neue zu leben und zu verbessern. Diese Erfahrung hat mir geholfen, als ich ein paar Jahre später von einer grossen Bank in Liechtenstein das Angebot erhielt, in die IT und Programmierung einzusteigen. Auch diese Zeit ist mir sehr positiv in Erinnerung geblieben.» Anschliessend hatte der Zufall seine Hand im Spiel. «Ich hatte die Möglichkeit, bei einer grossen Lebensversicherungsgesellschaft im Land als Kundenberater zu beginnen. Ich habe Privatkunden und Unternehmen betreut und meine ersten Erfahrungen mit Pensionskassen gemacht. Fast zwölf Jahre lang. Dann war es Zeit weiterzuziehen.» Wiederum durch Zufall erhielt Bruno Matt die Gelegenheit, für die Landesbank ein Projekt für eine mögliche Pensionskassenlösung auszuarbeiten. 

«Das Kapital muss länger reichen»

Bruno Matts Projekt hat die Geschäftsleitung der Landesbank so sehr überzeugt, dass sie im Herbst 2004 beschlossen hat, ab 1. Januar 2005 eine Pensionskassenlösung für die KMU in Liechtenstein anzubieten. «Und ich habe die Chance erhalten, die neue Sammelstiftung als Geschäftsführer zu leiten. Vier Jahre lang habe ich neben der Arbeit Weiterbildungen besucht und die Ausbildung zum eidg. dipl. Pensionskassenleiter mit Erfolg abgeschlossen.»

Seither hat Bruno Matt viele Hundert Gespräche geführt und Kunden beraten. Dabei werden ihm gegenüber selbstverständlich auch Sorgen in Bezug auf die persönliche Altersvorsorge geäussert. «Ich bin froh, wenn Menschen ihre Gedanken aussprechen. Nur so lassen sich Vorbehalte im Gespräch ausräumen und die Fakten erklären. Damit gewinnt, wer sich betroffen fühlt oder vorausschauend interessiert, ein anderes Verständnis für das, was sich in den letzten Jahren zu verändern begonnen hat. Wir alle leben länger – diese eigentlich ja erfreuliche Tatsache führt einfach dazu, dass wir länger Pension beziehen. Das in der Pensionskasse angesparte Kapital muss länger reichen. Seit es die zweite Säule gibt, hat sich das deutlich verändert.» Die LLB-Vorsorgestiftung ist dennoch gut aufgestellt. «Sie steht für Stabilität und Sicherheit. Unsere Anlagestrategien sind langfristig ausgerichtet. Der konsolidierte Deckungsgrad der Stiftung liegt über 100 Prozent, was bestätigt, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht und die technischen Parameter gut und richtig angepasst haben», sagt der Geschäftsleiter der Stiftung. 

Anzahl der Versicherten stark gestiegen
Aktuell verwaltet die Vorsorgestiftung der Landesbank das Kapital von rund 7320 aktiv Versicherten und Rentnern aus 735 angeschlossenen liechtensteinischen Unternehmen. «Dank interessanter Akquisitionen ist unser Bestand in den letzten Jahren stark angestiegen. Allein von 2019 bis heute um rund ein Drittel», sagt Bruno Matt. «Wir sind eine Sammelstiftung für jede Art von Unternehmen in allen Branchen. Zu unseren Kunden gehören Start-ups, die Industrie, das Gewerbe und Dienstleister. Unser Reglement macht es möglich, Vorsorgelösungen für sehr individuelle Kundenwünsche zu erstellen. So können wir auch für KMU mit grossen und komplexen Versichertenstrukturen attraktive Lösungen anbieten – und das zu günstigen Risiko- und Verwaltungskosten.» 

«Jeder sollte zum Gemeinwesen beitragen»
Bekannt ist Bruno Matt als langjähriger Vorsitzender der FBP-Ortsgruppe Mauren und Präsidiumsmitglied seiner Partei auch in der Liechtensteiner Politik. Er kommt aus einem politisch interessierten und engagierten Haus und sein Onkel Werner Matt war in den 70er-Jahren Vorsteher in Mauren. «Damals ging ich noch in die Primarschule und habe ich zu wenig begriffen, in welcher Position «Vetter Werner» war. Ich habe jedoch schon mitbekommen, wenn die Erwachsenen in unserer Familie teils sehr intensiv sich über Land und Leute unterhalten haben und politisiert haben. Mein Grossvater wohnte bei uns im Haus und traf sich häufig mit seinen Kollegen bei einer Pfeife oder einem Stumpen in seiner Stube. Da ging es beim Politisieren oft hoch her. Wenn unsere alteingesessene Familie rund um den Grossvater zusammentraf, gehörten Gespräche über das politische und wirtschaftliche Geschehen im Land immer dazu. Zum Beispiel an Weihnachten: Sobald die Kerzen aus waren, ging so manche Diskussion los.»

Dennoch hat Bruno Matt den Weg in die Politik nicht aktiv gesucht. «Die Mitglieder der Ortsgruppe Mauren haben mich gefragt, ob ich mir ein politisches Engagement vorstellen könnte. Darüber habe ich intensiv nachgedacht: Und ja, ich konnte es mir aus zwei Gründen vorstellen. In einem kleinen Land wie Liechtenstein hat auch ein Einzelner die Möglichkeit, seine Meinung einzubringen und etwas zu bewegen. Zudem habe ich mich immer dafür interessiert, was in den Gemeinden und natürlich im ganzen Land abläuft, und finde, jede und jeder sollte zum Wohl des Gemeinwesens beitragen.» Die Zeit in der Politik bezeichnet Bruno Matt als sehr intensiv. «Ich habe viele Erfahrungen gemacht und interessante Menschen kennengelernt.»

In Mauren aufgewachsen und verwurzelt
Berufsbedingt ist es auch die Altersvorsorge, die in Bruno Matts politischer Tätigkeit von grosser Bedeutung war und bis heute ist. «Wie sich die älter werdende Gesellschaft entwickelt, beschäftigt mich besonders. Und die demografischen Auswirkungen auf die Sozialversicherungswerke, also AHV und 2. Säule. Als Präsident des Liechtensteinischen Pensionskassenverbandes trage ich hier ein Stück Verantwortung mit.»

Zukunftsthemen beschäftigen Bruno Matt aber auch privat. «Zurzeit reden wir in der Familie besonders viel über die Zukunft: Unsere beiden Jungs müssen sich für einen Beruf oder für ein Studium entscheiden.» Eine Zeit also, die Bruno Matts Söhne auch aus Liechtenstein wegführen könnte wie ihn selbst während der Ausbildung zum Informatiker. «Meine Familie und ich fühlen uns in Mauren sehr wohl. Ich bin dort aufgewachsen und verwurzelt. Mein Vater und besonders mein Grossvater kannten jeden im Dorf und wussten von jedem jeden Hausnamen. Inzwischen sind auch Leute von woanders nach Mauren gezogen, und es ist schwieriger, noch jeden zu kennen. Während meiner Zeit in Zürich habe ich auch die andere Seite kennengelernt und erlebt, wie Menschen grusslos aneinander vorbeigehen.» So hat es Bruno Matt auch fast jedes Wochenende nach Hause nach Mauren gezogen.

«Niemand soll um die Existenz bangen»
Noch hat Bruno Matt mit seinen 52 Jahren viel Arbeit vor sich. «Mein Hauptziel dabei ist, mich für «meine» Pensionskasse einzusetzen. Aufgrund meines Berufes weiss ich aber auch, dass ich mich langsam mit meiner Pensionierung auseinandersetzen muss. In meinem Fall geht es auch um die Übergabe der Geschäftsführung an einen Nachfolger. Was danach kommt? Wir werden sehen, ich habe da Rundreisen mit dem Wohnmobil und mit der Harley im Hinterkopf, zu denen mir bislang die Zeit und die Musse fehlten.» Vorläufig bleibt es bei ausgedehnten Motorradtouren über das Wochenende, die Bruno Matt und seine Kollegen in den gesamten Alpenraum führen. «Bei schönem Wetter bin ich auch immer wieder mit dem Bike oder zu Fuss rund um den Eschnerberg unterwegs. 

Denn seine Heimat geniesst und schätzt Bruno Matt besonders. Wir leben auf einem landschaftlich sehr schönen, wirtschaftlich wohlhabenden und politisch friedlichen Flecken Erde. Daher wünsche ich mir, dass wir in Liechtenstein die Corona-Pandemie gut überstehen, dass die Wirtschaft sich gut erholt und niemand Angst um seine Existenz haben muss.»