«Hät dr Gonza an Huat, wörds Wätter guat»

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Kenny Vogt beschäftigt sich seit seinem 16 Lebensjahr mit dem regionalen Wetter. Inzwischen ist aus dem Hobby ein Nebenberuf geworden, der zusätzlich zum Studium einen grossen zeitlichen Aufwand erfordert. Langzeitprognosen kann aber auch er nicht erstellen, sondern nur Tendenzen erahnen. Demnach steht Liechtenstein vor einem warmen und durchschnittlich nassen Sommer. 

Um den Klimawandel und das Wetter ist es aufgrund des Coronavirus still geworden in den vergangenen Wochen und Monaten. Kenny Vogt mahnt, das aktuelle Wetter nicht mit dem Klima zu verwechseln: «Wetter und Klima sind zwei Paar Schuhe. Meine Füsse passen in jene des Wetters.» Dennoch führt der junge Balzner aus: «Dass der Klimawandel zu einem grossen Teil menschgemacht ist, wurde und wird allen gelehrt. Diesen Fakt gilt es hinzunehmen und jeder muss nun für sich nachdenken, welche Rolle er selbst darin spielt. Generell stelle ich fest, dass wir auf die Natur zu wenig Acht geben. Es bedarf keiner Rechenkünste, um erkennen zu können, dass diese durch den Menschen geschaffenen Veränderungen nicht spurlos an unserem Planeten vorübergehen.» In welcher Form und ob das Klima hier für den grossen Knall in Bezug auf unsere Existenz sorgt, werde sich in Zukunft zeigen, so Vogt. «Wir dürfen auf alle Fälle niemals vergessen, dass die Erde nicht uns gehört, sondern wir der Erde. Die Frage aller Fragen ist letzt]lich folgende: Wie können wir die Erde für unsere Nachkommen lebenswert erhalten?»

Von Mäls ins ganze Land
Ein Thema, in dem Kenny Vogt umso sattelfester ist, ist das Wetter in Liechtenstein. Seit dem Jahr 2013 betrieb er die Private Wetterstation Balzers (PWS), die sich vor allem auf Facebook und als App grosser Beliebtheit erfreute, ihn aber auch zum Wetterexperten von Radio Liechtenstein und zum beliebten Gesprächspartner der Landeszeitungen machte. Seine eigene Wetterstation im Garten des Elternhauses in Mäls erweiterte Vogt nach und nach um Stationen in Balzers, Triesen, Triesenberg und Mauren, um den Nutzern immer mehr eine regionale Plattform zur Verfügung zu stellen.

Mittlerweile ist aus der PWS der Wetterring Liechtenstein geworden und damit eine eingetragene Firma. «Ich biete eine Wetterplattform für ganz Liechtenstein und auch die angrenzenden Regionen an. Mich dabei vom Namen her auf eine einzige Wetterstation in einer von elf Gemeinden zu beschränken, würde den Leistungen nicht gerecht und neue Kunden in die Irre führen. Mit dem Namen Liechtenstein und dem Wort Wetterring, welcher die Vernetzung der Wetterstationen und Gemeinden in den Fokus stellt, kann ich den angebotenen Leistungen eher entsprechen.» Der Zeitaufwand ist mit der Firmengründung nicht weniger geworden, da administrative Belange hinzugekommen sind – je nach Wetterlage sind es aber zwischen sieben und 20 Stunden pro Woche, die der junge Firmenchef für den Wetterring aufwendet.

«Als CEO musst du doch …»
Die Firmengründung hat jedoch auch Vorteile für Kenny Vogt. «In der Sparte der Wetterprognosen kann ich die Last auf drei weitere Paar Schultern abgeben, welche mich unterstützen. Es sind dies zwei Hobby-Meteorologen und ein Bald-Meteorologe aus Vorarlberg. Mit ihnen arbeite ich seit fast zehn Jahren für den Wetterring Vorarlberg zusammen und ich konnte somit kompetente Mitstreiter für mein neues Grossprojekt gewinnen.» Damit ist auch ein deutlicher Angebotsausbau erfolgt, der einen Mehrwert für die ganze Bevölkerung darstellen soll. Auf der Webseite wetterring.li sind alle Inhalte wie Wetterprognosen, aktuelle Wetterwarnungen, Webcambilder und Wettermodelle kostenlos verfügbar, sodass sich jeder stets über das Wetter in Liechtenstein auf dem Laufenden halten kann. In seiner Beziehung hatte die Firmengründung aber auch Auswirkungen für den 23-jährigen Balzner. «Meine Freundin leitet ihrer Anliegen gerne mit dem Nebensatz ‹Aber als CEO einer Firma musst du doch …› ein», sagt Kenny Vogt und lacht.

«Ich lebe für das Wetter»
Obwohl es naheliegend gewesen wäre, dass er auch hauptberuflich ganz auf die Karte Meteorologie setzt, hat sich Kenny Vogt anders entschieden. Er steht kurz vor dem Bachelor-Abschluss als Kindergarten und Primarlehrer für die ersten drei Stufen. «Ich arbeite einfach unglaublich gerne mit Kindern zusammen und es ist sehr schön, sie ein Stück weit bereit für das Leben zu machen beziehungsweise den Grundstein für ihre schulische Laufbahn zu legen», sagt Vogt.

Während seiner Schulzeit am Liechtensteinischen Gymnasium und an der Pädagogischen Hochschule Rorschach hat ihn die Faszination für das Wetter im Allgemeinen aber nie losgelassen, wobei seine Oma eine gewisse prägende Rolle gespielt hat mit ihrem Interesse für die Vorhersagen. Wetter sei für Kenny Vogt aber viel mehr als nur die Prognose. «Ich lebe für das Wetter im Allgemeinen. Besonders angetan haben es mir die Wetterextreme wie Unwetter, Hochwasser, Stürme oder Gewitter. Von diesen Wetterextremen haben wir in der Region mit den zahlreichen Föhnstürmen nicht zu wenige. Das Rheintal und die Bodenseeregion sowie das Sarganserland halten ganz allgemein vielerlei meteorlogische Besonderheiten bereit, welche auch die Wettervorhersagen spannend machen. Zum Beispiel sind dies im Bodenseeraum der Lake Effect – lokale, kräftige Schneefälle um das Bodenseeufer – oder das ‹Schneegeheimnis› von Sargans. Dort hat es immer mit Abstand am meisten Schnee. Weitere Besonderheiten sind die sommerlichen Gewitter und nicht zuletzt natürlich der bereits erwähnte Föhn.»

Das Netz als wichtigstes Hilfsmittel
Das Erstellen der Prognosen ist eine vielfältige Arbeit. «Heutzutage läuft das meiste digital ab. Auch ich habe zwar noch teilweise analoge Messgeräte, zum Beispiel für Temperatur und Niederschlag, im Einsatz. Grundsätzlich wird aber alles digital registriert und auf einem lokalen Datenspeicher abgelegt. Je nach Zeit, Lust und Laune analysiere ich die Daten, dies vor allem nach speziellen Wetterereignissen oder um Vergleiche zu Vorjahren ziehen zu können. Mehr Zeit investiere ich aber in die Öffentlichkeitsarbeit und die Prognosen», sagt Kenny Vogt.

Vergleiche zu früheren Perioden zu ziehen, sei ohnehin schwierig für ihn. Dafür reichen die Daten seit dem Jahr 2013 nicht aus und er ist dankbar für das Internet. «Online kann ich die Wettermodelle konsultieren und damit arbeiten. Denn meine eigene Messreihe reicht nicht, um klimatische Schlüsse oder dergleichen ziehen zu können. Auch Niederschlagsradare, Satellitenbilder und viele weitere kleine Online-Hilfsmittel erleichtern mir die Arbeit.»

«Ändern können wir es ohnehin nicht»
Kurzzeitige Messreihen kann Kenny Vogt dennoch bieten: «Der zurückliegende Winter war aufgrund der vorherrschenden West- und Südwestwetterlagen und der einfliessenden Atlantikluft deutlich zu warm, zu trocken und zu sonnig. Das Gleiche lässt sich für den vergangenen Sommer sagen.» Prognosen auf den Sommer 2020 wagt er trotz aller Erfahrung jedoch nur bedingt und unter Vorbehalt. «Es kann derzeit mit grosser Wahrscheinlichkeit gesagt werden, dass es gegenüber dem langjährigen Schnitt zu warm sein wird. Dies, weil es in den vergangenen Jahrzenten tatsächlich immer wärmer geworden ist und die Vergleichszeiträume nur immer alle zehn Jahre angepasst werden.» Tatsächlich gebe es auch Wettermodelle, die versuchen, eine Saisonvorhersage beziheungsweise eine Drei-Monats-Prognose zu erstellen. «Diese zeigen derzeit allesamt einen Trend hin zu einem zu warmen und meist auch zu einem durchschnittlich nassen Sommer.» Diese Trends seien jedoch wirklich mit Vorsicht zu geniessen. 

«Unterm Strich ist es aber auch Wurscht, was genau zu erwarten ist. Denn ändern können wir es ohnehin nicht und wenn die Prognose zusätzlich nicht stimmt, hat auch keiner etwas davon und das Gejammer ist gross», sagt Kenny Vogt mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Seine liebste Bauernregel lässt er sich trotzdem noch entlocken: «Hät dr Gonza a Kappa, macht s Wätter a Schlappa. Hät dr Gonza an Huat, wörd s Wätter guat!» Sehr oft treffe dies regional bedingt durchaus zu.