Finanzsektor gut gerüstet für erwartete Rezession

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Finanzplatz auf stabilem
Wachstumskurs

  • Erfolgreiches Geschäftsjahr 2019 für den Finanzsektor;
  • Finanzsektor ist stabil und in der erwarteten Rezession widerstandsfähig. Er erfüllt in der Bewältigung der Krise als Kreditgeber eine wichtige Funktion;
  • Ab Juli 2020 übt die FMA eine verstärkte Aufsicht über den Treuhandsektor aus;
  • Die Reorganisation und Verstärkung der Geldwäschereiaufsicht hat sich bewährt.

Der liechtensteinische Finanzplatz verzeichnete im Jahr 2019 ein weiteres erfolgreiches Geschäftsjahr und blieb trotz eines herausfordernden globalen Umfelds auf Wachstumskurs. Die verwalteten Kundenvermögen der liechtensteinischen Banken inklusive der ausländischen Gruppengesellschaften stiegen um 14,6% auf CHF 349,8 Mrd. Das Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit für den Bankensektor steigerte sich gegenüber dem Vorjahr um knapp 20% auf CHF 639,5 Mio. Die verwalteten Kundenvermögen der Vermögensverwaltungsgesellschaften stiegen um 11,4% auf CHF 43,1 Mrd. Im Fondsektor wuchs das Fondsvolumen um 17% auf CHF 58,8 Mrd. Die gesamten Prämieneinnahmen der Versicherungsunternehmen beliefen sich Ende 2019 auf CHF 5,55 Mrd., das ist ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr.

Das laufende Jahr wird den Finanzplatz vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden massiven globalen Wirtschaftskrise jedoch vor grosse Herausforderungen stellen. Einerseits soll der Finanzsektor der Realwirtschaft in der Krise als Geldgeber zur Verfügung stehen und damit zur Bewältigung der Krise beitragen. Andererseits soll ein Übergreifen der Krise in der Realwirtschaft auf den Finanzsektor verhindert werden. Die Gewährleistung der Finanzmarktstabilität ist im Mandat der FMA gesetzlich verankert und hat für die FMA höchste Priorität.

Die FMA sieht die Finanzmarktakteure operationell und finanziell gut gerüstet. Obwohl die erwartete globale Krise die Realwirtschaft in Liechtenstein massiv trifft, befindet sich der liechtensteinische Finanzsektor in einem stabilen Zustand. Die strukturellen Merkmale des Liechtensteiner Banken­ und Finanzsektors, wie z.B. die hohe Kapitalisierung und die sehr solide Liquiditätsbasis, sind in Krisenzeiten besonders wichtig, um Stabilität garantieren zu können. Sie wirken sich in einer Stresssituation als Absorptionspuffer sehr positiv auf die Widerstandsfähigkeit und die Stabilität aus.

Erleichterungen und spezielle Pflichten
wegen Coronavirus-Pandemie

Die Massnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie haben die Finanzintermediäre vor grössere operationelle Herausforderungen gestellt. Die FMA stellt jedoch fest, dass der Geschäftsbetrieb in allen Sektoren gewährleistet ist und die Finanzmarktakteure sehr gut und rasch agiert haben. Die FMA hat zur operationellen Entlastung der Finanzintermediäre in Abstimmung mit den Europäischen Aufsichtsbehörden verschiedene zeitlich befristete Erleichterungen, beispielsweise bei Vor-Ort-Kontrollen oder bestimmten Meldepflichten, vorgenommen. Zur laufenden Beurteilung der Risikosituation und der finanziellen Lage hat die FMA jedoch auch zusätzliche Meldepflichten eingeführt. Damit wird sichergestellt, dass die FMA im Falle von negativen Zweitrundeneffekten, die bei einer Rezession oft zeitverzögert auftreten, schnell und zielgerichtet reagieren kann.

Die FMA hat ihren vollen Geschäftsbetrieb jederzeit aufrechterhalten. Der rasche Wechsel auf Fernbetrieb war mit der konsequenten Umsetzung der Digitalstrategie in den letzten Jahren ermöglicht worden. Die digitalen internen Prozesse und Aufsichtsprozesse sowie Home Office stellen einen reibungslosen Betrieb sicher.

Stärkung der Geldwäschereibekämpfung

Die FMA hat im April 2019 die bisher den einzelnen Aufsichtsbereichen zugeordnete Geldwäscherei-aufsicht in einer Organisationseinheit konzentriert und personell verstärkt. Diese neue Einheit hat sich in mehreren Aufsichtsfällen als schlagkräftig und effizient erwiesen. Die Geldwäschereiaufsicht erfolgt konsequent risikobasiert. Je höher die Einstufung eines Finanzintermediärs bezüglich möglicher Verwund-barkeiten und Bedrohungen ist, desto intensiver gestaltet sich die Aufsicht. Eine wirksame Bekämpfung der Geldwäscherei ist für die Reputation und die Glaubwürdigkeit des Finanzplatzes von hoher Bedeutung. Mit der 5. EU-Geldwäschereirichtlinie werden die Regeln ein weiteres Mal verschärft.

Verstärkte Aufsicht über den Treuhandsektor

Anfang Juli 2020 tritt das revidierte Treuhändergesetz in Kraft. Es sieht eine verstärkte Aufsicht der FMA über den Treuhandsektor vor. Die Aufgaben der FMA im Bereich der  Bewilligungserteilung und der laufenden Aufsicht werden damit erweitert und geschärft. Das revidierte Gesetz enthält ebenfalls erweiterte Sanktionsbestimmungen. Mit der verstärkten Aufsicht über den Treuhandsektor soll dessen Qualität gesichert, das Vertrauen in die Branche gestärkt, Missbräuchen präventiv entgegengewirkt und die internationale Anerkennung gefördert werden.

Konsequente Durchsetzung des Aufsichtsrechts

Die FMA verfolgt Verstösse gegen Aufsichtsrecht konsequent. Per Ende 2019 führte die FMA 22 Verwaltungsverfahren sowie 22 Verwaltungsstrafverfahren. In 21 Fällen waren Ende 2019 Vorerhebungen im Gange. Im Jahr 2019 konnten 157 Verfahren bzw. Vorerhebungen abgeschlossen werden. Verschiedene Verfahren und Vorerhebungen gegen Finanzintermediäre wurden wegen Verletzung der Sorgfaltspflichten zur Bekämpfung der Geldwäscherei geführt.

Publikation des Geschäftsberichts und
der Broschüre „Finanzplatz Liechtenstein“

Die FMA hat heute ihren Geschäftsbericht und die aktualisierte Version der Broschüre „Finanzplatz Liechtenstein“ veröffentlicht. Sie sind digital auf der Website der FMA verfügbar.

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtenstein sorgt gemäss ihrem gesetzlichen Auftrag für die Gewährleistung der Stabilität des Finanzmarktes Liechtenstein, den Schutz der Kunden, die Vermeidung von Missbräuchen sowie die Umsetzung und Einhaltung anerkannter internationaler Standards.

Die FMA beaufsichtigt als integrierte und unabhängige Aufsichtsbehörde die Finanzmarktteilnehmer des Finanzplatzes Liechtenstein. Sie sorgt für die Umsetzung internationaler Standards und arbeitet im Auftrag der Regierung an der Vorbereitung von Finanzmarktgesetzen mit. Auf europäischer und globaler Ebene ist die FMA in allen massgebenden Aufsichtsorganisationen vertreten.