Nigel Fuchs: «Jugendliche sollten sich dankbarer zeigen»

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Der Landtagsabgeordnete Johannes Kaiser im Gespräch mit Nigel Fuchs aus Triesen.

Nigel Fuchs ist 20 Jahre alt und arbeitet bei einer Immobilienverwaltung in Vaduz. Daneben absolviert er die Berufsmatura im Schwerpunkt Wirtschaft. Im Gespräch mit Johannes Kaiser betont der junge Triesner, dass nicht jedem Hype unkritisch zu begegnen ist und dass sich die Jugend in Liechtenstein sehr dankbar zeigen darf und sollte.

Nigel, die Klima-Thematik ist in aller Munde und die «Fridays for Future» haben eine globale Bewegung ausgelöst. Wie denkst du als Jugendlicher in Liechtenstein darüber?
Nigel Fuchs: Ich bin nicht der Meinung, dass die ältere Generation uns Jungen «die Zukunft gestohlen hat» wie dies von Exponentinnen und Exponenten der Klimahysterie behauptet wird. Stattdessen bin ich dankbar, dass uns die ältere Generation einen sehr hohen Wohlstand und eine regional weitgehend intakte Umwelt hinterlassen hat. 

Die Politik muss und kann natürlich einen entscheidenden Beitrag in der nachhaltigen Klimaentwicklung leisten. Was sind deine Botschaften an die Entscheidungsträger in Regierung und Landtag?
Politische Themen unterliegen immer gewissen Moden. Eine unreflektierte politische Reaktion, die nur Klimaziele anstrebt, greift meines Erachtens zu kurz. Stattdessen sollten wir die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft optimieren.

Welche weiteren Themen beschäftigen die junge Generation und dich persönlich?
Es mag komisch klingen, aber wenn Themen wie Pensionsalter, Rente und Finanzierung der Gesundheitskosten heute schon ein Problem darstellen, dann werden diese Themen später erst recht wichtig werden. 

Kann man sagen, dass es den Jugendlichen in Liechtenstein rundum gut geht?
Es ist nicht selbstverständlich in solch einem wohlhabenden und sicheren Land wie Liechtenstein aufwachsen zu dürfen. Die Aufgabe der Jugend ist es, dieses Privileg für uns und die kommenden Generationen weiterzuentwickeln. Dafür braucht es einen konstruktiven Dialog zwischen den Generationen. Ich bin schon der Meinung, die Jugendlichen dürfen und sollten sich dankbarer zeigen.

Eine gute Ausbildung zur Vorbereitung eines Studiums oder einer Berufslehre ist für die jungen Menschen von essenzieller Bedeutung. Werden in unserem Bildungssystem die persönlichen Stärken der Schüler und Jugendlichen ausreichend individuell gefördert?
Liechtenstein hat zusammen mit der Schweiz eines der besten Bildungssysteme der Welt. Darauf dürfen wir stolz sein. Dennoch gibt es Verbesserungspotenzial, politische Bildung und Medienkompetenz als Beispiel. 

Im Rahmen der Geldspieleinnahmen durch die Casinos in unserem Land machte ich im Landtag den konkreten Vorschlag, einen Teil dieser Einnahmen gezielt für spezielle Bildungsprogramme der Jugend und Schüler einzusetzen, z.B. für Bildungsgutscheine bei Sprachaufenthalten von Jugendlichen. Was hältst du von dieser Idee?
Das grosse Angebot an Casinos beschäftigt auch die junge Generation, positiv wie negativ. Einer Zweckbindung der daraus resultierenden Steuereinnahmen stehe ich jedoch kritisch gegenüber. Dass aber im Bereich der sprachlichen Ausbildung der Jugendlichen aus dem Topf der normalen Staatseinnahmen diese Idee verfolgt werden kann, ist es wert, unterstützt zu werden.

Politik ist die generelle Auseinandersetzung und Beschäftigung mit den diversen gesellschaftlichen Themen, welche die Jüngsten bis zu den Ältesten betreffen. Sollten die jungen Leute in der Gestaltung des gesellschaftspolitischen Lebens nicht früher mitwirken können? Deine Meinung vom Wahlalter mit 16 Jahren?
Persönlich denke ich, dass sich das aktive wie auch passive Wahlrecht mit 18 bewährt hat. Jugendlichen, die sich schon früher engagieren möchten, stehen diverse Möglichkeiten offen. 

Nigel – danke für das sympathische Gespräch und herzlichen Glückwunsch zu Deinem
20. Geburtstag.