«Ich habe mich stets bemüht, fair zu diskutieren»

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Die beruflichen Aussichten als Jurist waren es, die Peter Wolff 1971 aus Österreich zurück in sein Heimatland Liechtenstein führten. In den Anfängen seiner politischen Karriere waren ihm die geringe Bekanntheit im Land und sein österreichisch gefärbter Dialekt eher hinderlich. Dennoch prägte er die Politik während zwei Jahrzehnten entscheidend mit. 

Peter Wolff hat seine ersten vier Lebensjahre in Schaan verbracht, zog dann aber mit seiner Mutter nach Wels in Oberösterreich, wo er die Matura ablegte. «Mir war allerdings nicht klar, was ich studieren soll und so riet mir mein Vater, Jurist zu werden, da diese akademische Richtung mehr Möglichkeiten offenlässt als beispielsweise die Medizin.» Peter Wolff folgte diesem Rat und promovierte im Alter von 24 Jahren an der Universität Wien zum Dr. jur. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits Familienvater und er hörte auf einen zweiten Ratschlag, den ihm ein Wiener Anwalt gab. «Er schlug vor, dass ich ebenfalls Anwalt werde, aber als Bürger von Gamprin in meiner Heimat Liechtenstein.»

Schnell in den Beruf eingelebt
Ein Ratschlag, den Peter Wolff angesichts seiner späteren Karriere ebenfalls nicht bereut hat. Er zog also zwei Tage, nachdem er die Promotionsurkunde erhalten hatte, im Februar 1971 nach Liechtenstein. «Wir wohnten zunächst zweieinhalb Jahre in Eschen. Als unser zweites Kind kam, zogen wir für zwei Jahre in eine grössere Wohnung in Triesen, und seit Juli 1975 leben wir ununterbrochen in Schaan.» 

Nach seiner Ankunft in Liechtenstein arbeitete Wolff einige Monate als Schriftführer beim Landgericht, trat dann aber bereits im Oktober 1971 in die Kanzlei von Walter Matt und Alois Vogt ein. «Da ich zuvor nicht aktiv in der Juristerei tätig war, brauchte ich eine gewisse Zeit, um zu realisieren, dass dies meine Welt ist. Ich durfte aber – nach entsprechenden Vorbesprechungen – fast alle Klienten von Walter Matt betreuen und so habe ich mich schnell in den Anwaltsberuf eingelebt.» Dementsprechend legte Peter Wolff im März 1974 die erst seit wenigen Jahren existierende liechtensteinische Anwaltsprüfung ab. «Ich war nach Brigitte Feger, damals Büchel, und Rony Frick der dritte Kandidat überhaupt.»

Durch alte Kontakte zur VU
Da es ihm nicht möglich war, Partner in der Kanzlei von Walter Matt und Alois Vogt zu werden, gründete Peter Wolff zusammen mit Peter Ritter und Helmut Wohlwend die Kanzlei «Ritter Wohlwend Wolff». Seine Kontakte aus der Zeit bei den VU-Anhängern Walter Matt und Alois Vogt waren es aber, die Peter Wolff in die Liechtensteiner Politik brachten. «Wir betreuten einige Stiftungen des damaligen VU-Regierungsrats Walter Oehry und so kam er eines Tages Anfang November 1981 auf mich zu und bat mich in sein Büro. Er konnte mich überzeugen, 1982 für den Landtag zu kandidieren. Aus eigener Initiative wäre ich nie in die Politik gegangen. Ich war damals noch weitestgehend unbekannt in Liechtenstein, wurde als Auslandsliechtensteiner betrachtet und sprach kaum den Dialekt. Entsprechend chancenlos schätzte ich meine Kandidatur ein und ich wurde auch prompt Letzter auf der VU-Liste im Oberland.»

Die gesetzliche Regelung war damals jedoch noch so, dass alle Nichtgewählten als stellvertretende Abgeordnete galten und so auch in Landtagskommissionen Einsitz nehmen durften. «Ich war in fünf vorberatenden Kommissionen und hatte bereits oft mit Regierungschef Hans Brunhart zu tun. Als Regierungsrat Egmond Frommelt sein Mandat dann niederlegen wollte, war es Hans Brunhart ein Anliegen, einen Juristen ins Kandidatenteam für die Regierung aufzunehmen, da es sich abzeichnete, dass Herbert Wille, ebenfalls Jurist, für die FBP als Chefkandidat in den Wahlkampf 1986 gehen würde. Viele Juristen waren wir in der VU zu dieser Zeit nicht und so fiel die Vorauswahl auf mich.»

«Der originellste Parteitag»
Zunächst stand aber die Nomination durch den Parteitag an. «Sicher der originellste, den ich erlebt habe. Im Reschsaal in Schaan waren rund 700 Parteifreunde versammelt und er ging bis gegen Mitternacht. Denn sowohl im Oberland als auch im Unterland bewarben sich zwei Personen um die Kandidatur als Regierungsrat. Im Oberland war es neben mir Gerold Schädler. Die jeweiligen Ortsgruppenvorsitzenden, in meinem Fall Roman Frick, hielten Ansprachen für ‹ihren› Kandidaten.» Nachdem Peter Wolff aus dieser parteiinternen Wahl als Sieger hervorgegangen war, konnte auch die VU die Wahlen gewinnen und Wolff übernahm in der neuen sowie der folgenden Koalitionsregierung bis 1993 die Ressorts Gesundheit und Soziales, die mittlerweile im Ministerium für Gesellschaft vereint sind.

«Das war noch eine andere Zeit. Es gab deutlich weniger Streitereien, als ich sie heute aus der Distanz mitbekomme. So waren die Aufgaben eines Regierungsrats problemlos zu bewältigen», sagt Peter Wolff. Problematischer war, dass die drei Regierungsräte ihr Amt damals zu lediglich 50 Prozent ausübten. «In Wirklichkeit war der zeitliche Aufwand natürlich grösser und gerade neben der Führung einer Kanzlei schwer zu bewältigen. Ich bin oft zwischen dem Regierungsgebäude und unserer Kanzlei in der Pflugstrasse 10 hin und her gehetzt und konnte nur das Dringlichste erledigen, bevor ich wieder weitermusste.»

«Eine sehr positive Zeit»
In den Statuten der VU war es zu dieser Zeit vorgesehen, dass Regierungsräte ihre Tätigkeit nur zwei Legislaturperiode ausüben dürfen und so sah Peter Wolff 1992 das Ende seiner politischen Karriere nahen. «Im Oktober hat mich Parteipräsident Oswald Kranz dann aber gefragt, ob ich nun nicht wieder für den Landtag kandidieren wolle. Der Abgeordnete Reinhard Walser hat mir zwar angekündigt, dass ich wieder keine Chance habe. Aber ich konnte das drittbeste Resultat der VU-Kandidaten einfahren und wurde Fraktionssprecher.»

Fraktionssprecher blieb Peter Wolff auch nach den Neuwahlen im Oktober 1993, die nötig geworden waren, nachdem die FBP ihrem Wahlsieger vom Februar, Regierungschef Markus Büchel, das Vertrauen entzogen hatte. «Die folgende Koalition unter Führung des erst 28-jährigen VU-Regierungschefs Mario Frick und Regierungschef-Stellvertreter Thomas Büchel von der FBP habe ich als sehr positive Zeit erlebt, da sie noch nicht allzu sehr von der Verfassungsdiskussion geprägt war», sagt Peter Wolff.

«Und wenn wieder Landtagssitzungen anstehen, denke ich mir ‹Gott sei Dank, bin ich nicht mehr dabei»

Dr. iur. Peter Wolff

Gute und weniger gute Seiten der Politik
Die VU konnte auch bei den folgenden Wahlen 1997 ihre absolute Mehrheit verteidigen, während die Freie Liste zu Lasten der FBP deutlich zuzulegen vermochte. Dies führte schliesslich zur ersten Alleinregierung der Nachkriegszeit. Peter Wolff konnte das beste Resultat aller Landtagskandidaten erzielen und wurde zum Landtagspräsidenten gewählt. «Ich habe die Rolle als oberster Volksvertreter gerne ausgefüllt und mich natürlich über die Wahl gefreut.»

Allerdings bekam Wolff in der Folge auch weniger angenehme Seiten der Politik zu spüren. Einerseits beruflich, als Peter Ritter, einer der Väter von Radio Liechtenstein, ihm nach einem kritischen Votum im Landtag zum Radio die Partnerschaft aufkündigte. Andererseits, als die Verfassungsdiskussion und gewisse Diskrepanzen zwischen dem Fürsten und Teilen des Landtags und der Regierung immer deutlicher zum Vorschein traten. «Ich habe mich stets bemüht, und ich glaube, erfolgreich bemüht, mich sachlich auszudrücken und fair zu diskutieren», sagt Wolff und bedauert, dass dies nicht immer auf Gegenseitigkeit beruht habe.

«Ich lasse es ruhiger angehen»
Nach einer weiteren Legislaturperiode als Landtagsvizepräsident während der Alleinregierung der FBP von 2001 bis 2005 zog sich Peter Wolff dann nach 23 Jahren endgültig aus der Politik zurück. Beruflich ist er mit 73 zwar nach wie vor in der 2004 gegründeten Kanzlei «Wolff Gstöhl Bruckschweiger» aktiv. «Ich gehe es aber schon ruhiger an als in meiner politisch aktiven Zeit. Damals kamen Familie und Freizeit viel zu kurz. Heute bin ich nur noch etwa sechs Stunden pro Tag im Büro und die Wochenenden, an denen ich früher das Liegengebliebene aufgearbeitet habe, nehme ich mir frei.»

Für höheres Renteneintrittsalter
Als ehemaliger Präsident des AHV/IV/FAK-Verwaltungsrats plädiert er jedoch auch für ein höheres Renteneintrittsalter zur Sicherung der Reserven der Ersten Säule der Altersversorgung und geht quasi mit gutem Beispiel voran. «Verglichen mit anderen Staaten ist die Liechtensteiner AHV zwar noch in einer sehr komfortablen Situation. Aber eine leichte Anhebung des Eintrittsalters ist sicher die bessere Alternative als eine, meines Erachtens, politisch aussichtlose Erhöhung des Staatsbeitrags und für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber verkraftbarer als eine Anpassung der Beiträge.»

«Gott sei Dank nicht mehr dabei»
Ratschläge gibt Peter Wolff der Politik heute aber keine mehr. «Ich verfolge das Geschehen in den Landeszeitungen und in Gesprächen, besuche auch noch die VU-Neujahrstreffen und die Sitzungen des Parteirats», sagt das VU-Ehrenmitglied. «Aber ansonsten verbringe ich mehr Zeit mit meiner Familie, gehe ein- bis zweimal pro Woche ins Fitnessstudio und wandere gerne. Alles Sachen, die ich während vieler Jahre vermisst habe. Und wenn wieder Landtagssitzungen anstehen, denke ich mir ‹Gott sei Dank, bin ich nicht mehr dabei›», sagt Peter Wolff und lacht.