«Gesunde Umgebung für künftige Generationen schaffen»

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«Die Stimme der Jugendlichen»: Johannes Kaiser, Landtagsabgeordneter, im Gespräch mit Valentin Ritter aus Eschen.

Die Jugendlichen interessieren sich sehr wohl für gesellschaftspolitische Themen und setzen im Bereich der Klimadiskussion in Liechtenstein klare Akzente. Wir haben uns mit Valentin Ritter (17) aus Eschen, einem der Vertreter der Klimaorganisation Liechtenstein, über dieses Thema unterhalten, das einen regelrechten europaweiten Hype erlebt.

Wie ist eure Initiative der Klimaorganisation Liechtenstein entstanden? Was war die Initialzündung?
Valentin Ritter:
Als die Bewegung in Europa anfing, wollten wir eine Gruppe in Liechtenstein gründen, es fand sich jedoch nie der richtige Zeitpunkt. Im Februar 2019, nach einem Vortrag am Gymnasium und anschliessender Diskussionsrunde mit der Umweltministerin Dominique Hasler, war die perfekte Gelegenheit, die Organisation auf die Beine zu stellen. Viele Fragen waren offen geblieben, und die Schülerinnen und Schüler des ganzen Landes waren bereit, aktiv an einer grossen Veränderung teilzunehmen.

Ist die Umwelt- und Klima-Sensibilisierung in der Schule ausreichend? Angefangen bei der Primarschule bis hin zu den weiterführenden Schulen in Liechtenstein?
Nein, es fehlt insgesamt die Behandlung von aktuellen internationalen Themen und Konflikten, wie eben dem Klimawandel. Es gibt zwar immer wieder mal ein oder zwei Tage im Jahr, an denen man sich mit der Umwelt auseinandersetzt, doch diese Tage finden meist kurz vor den Ferien statt. Da sehe ich zwei Probleme: Zum einen ist dann die Konzentration und Bereitschaft, mitzumachen und mitzudenken, viel geringer. Zum anderen suggeriert dieses einmalige Behandeln des Themas, dass es damit erledigt ist.

Die Politik muss und kann natürlich einen entscheidenden Beitrag in nachhaltiger Klima-Entwicklung leisten. Was erwarten Sie konkret von den politischen Entscheidungsträgern, von Regierung und Landtag?
Mehr Mut und Verantwortungsbewusstsein. Politiker müssen weiter denken, als die eigene Amtszeit lang ist. Wenn man sich so lange und intensiv mit einem internen politischen Thema befasst, dann ist es unabdingbar, sich mindestens so lange und intensiv mit der Klimaproblematik zu beschäftigen.

Es würde uns verhältnismässig leichtfallen, uns aktiv am Klimaschutz zu beteiligen. Die Grösse eines Landes spielt dabei überhaupt keine Rolle. Es ist unsere Pflicht, eine gesunde Umgebung für künftige Generationen zu schaffen. Die Ausrufung des Klimanotstands ist das erste Mittel dazu, dadurch zeigen wir, das Problem erkannt zu haben und bereit zu sein, etwas dagegen zu unternehmen.

Die Wirtschaft ist ein ganz wesentlicher Partner bei der Frage der «Klima-Thematik». Wie gestalten sich eure Kontakte mit der Wirtschaft?
Im Moment haben wir leider noch keinen Kontakt zu grossen Firmen, sind aber dabei, dies zu ändern. Wir wollen wissen, wie grosse und kleine Unternehmen in Liechtenstein mit dem Thema umgehen. Die Wirtschaft ist wichtig für unser Land und unseren Wohlstand. Damit das auch in 50 Jahren noch so ist, muss sich die Wirtschaft nachhaltig orientieren. Auf Freiwilligkeit zu setzen, wird nicht genügen. Klimaschädliches Verhalten muss teuer sein und klimafreundliches muss gefördert werden.

Ein «gutes Klima» fängt bei jedem Einzelnen an. Wie sind die Einstellung und das Engagement z. B. bei den Schülerinnen und Schülern des Liechtensteinischen Gymnasiums? Wie gestalten sich die konkreten Ideen in der alltäglichen Umsetzung?
Ganz ohne Eigeninitiative und Bereitschaft, auf gewisse Sachen zu verzichten, kann die Klimakrise nicht bewältigt werden, das wissen alle Schülerinnen und Schüler. Mit der Umsetzung klappt das auch bei uns manchmal nicht so. Wir Menschen scheitern immer wieder am Konsumdenken, an Bequemlichkeit und dem Glauben, so vieles besitzen zu müssen, wie möglich. Dadurch vergessen wir schnell, welche Auswirkungen unser Verhalten hat. Wir planen die Ferien und vergessen, wer die Konsequenzen trägt, wenn wir jedes Jahr fliegen oder zum Beispiel jede Woche zu McDonald’s gehen. Insgesamt merken wir trotzdem, dass das Bewusstsein für die Umwelt in letzter Zeit grösser geworden ist. 

Euer jugendlicher Einsatz ist sehr couragiert, wofür ich euch weiterhin viel Mut und Engagement wünsche. Wie erlebt ihr als junge Menschen die Mitsprachemöglichkeit sowie Mitbestimmung in gesellschaftspolitischen Themen?
In der ersten Phase wurden wir gut aufgenommen. Die Zeitungen haben über uns geschrieben, wir hatten erste Gespräche mit der Freien Liste, der DPL, der VU und der FBP. Wir wurden vom Umweltministerium auf ein Gespräch eingeladen und haben mit vielen anderen Organisationen Partnerschaften geschlossen. Was die Politik jetzt macht, wird sich zeigen. Was immer auch passiert, wir werden uns weiter engagiert für unsere Zukunft einsetzen.