Einseitige Klimapolitik schadet der Umwelt

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Die Erkenntnis, dass wir von den fossilen Brennstoffen wegkommen sollten, hat sich bei vielen durchgesetzt. Allerdings scheiden sich die Geister daran, wie der Ausstieg erreicht werden kann. Ich bin der Auffassung, dass in der jetzigen Politik die ökonomischen Gesichtspunkte und die Umweltaspekte viel zu wenig Beachtung finden. Daher gilt es, auf die bestehenden Zielkonflikte aufmerksam zu machen und diese aufzulösen. 

Wo ist der Franken am besten investiert?
Auch bei Klimamassnahmen müssen ökonomische Überlegungen und Umweltaspekte im Vordergrund stehen. Beispielsweise werden in Liechtenstein für das Heizen von Gebäuden in etwa 400’000 Megawattstunden (MWh) pro Jahr benötigt. Im Vergleich dazu beträgt der Energieverbrauch im Strassenverkehr lediglich ca. 250’000 bis 300’000 MWh pro Jahr. Das bedeutet, dass bei Gebäudeheizungen, die heute vorwiegend noch mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, ein grösseres Einsparpotenzial vorhanden ist als beim Strassenverkehr. Die benötigte Wärme von 400’000 MWh könnte gemäss Aussage der Regierung mit ca. 115’000 MWh Strom bereitgestellt werden, wenn effiziente Wärmepumpen eingesetzt würden. Würde dieses Einsparpotenzial realisiert, dann könnte der CO2-Ausstoss in Liechtenstein auf einen Schlag um 40% gesenkt werden, wenn der für die Wärmepumpen benötigte Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammen würde.

Um Autos zu elektrifizieren, braucht es Batteriespeicher. Für die Herstellung der Batterien werden viel graue Energie und giftige Metalle benötigt, entsprechend belasten diese Batterien die Umwelt weit stärker als eine Wärmepumpe. Folglich macht es Sinn, wenn die Erneuerung der Gebäudeheizungen stärker priorisiert wird als der Umstieg auf Elektroautos. 

Gemäss Bundesamt für Umwelt (BAFU) belastet ein Elektroauto die Umwelt stärker als ein benzinbetriebenes Auto. Noch besser sind Erdgasautos, sie haben 302 Umweltbelastungspunkte pro gefahrenen Kilometer (UBP), Elektroautos 407 UBP – und dies mit Schweizer Strommix! 

Gemäss CO2-Gesetz wird ein Elektroauto mit null CO2-Emission gerechnet. In Wirklichkeit stösst ein mit Solarstrom betriebenes Elektroauto 154 g CO2 pro km aus (Studie BAFU). Solche «politischen» Konventionen sind daher abzulehnen, weil sie den Blick aufs Ganze versperren. Die heutige Steuerbefreiung für Elektroautos ist daher zu hinterfragen, zumal die Einsparung fossiler Brennstoffe bei Gebäudeheizungen wirtschaftlicher realisierbar ist als bei Autos. 

Der CO2-Ausstoss könnte in Liechtenstein auf einen Schlag um 40% gesenkt werden.
Erich Hasler, Landtagsabgeordneter

Mit Holz heizen oder bauen?
Holzpellet-Heizungen schneiden klimapolitisch sehr gut ab. Trotzdem stellt sich die Frage, ob Holz nicht vermehrt als Baustoff verwendet werden sollte, denn Holz ist auch ein CO2-Speicher. Holz zu verbrennen, ist deshalb lediglich die zweitbeste Lösung. Die bessere Lösung ist, Holz als Baustoff zu verwenden. Häuser aus Holz sind wesentlich nachhaltiger, denn diese können viel besser rezykliert werden als
Betongebäude. 

Das Land als Bauherr hätte es in der Hand, Holz vermehrt als Baustoff einzusetzen. In den letzten Monaten wurden Investitionen in Höhe von mehr als 250 Mio. Franken beschlossen. Öffentliche Bauten, wie z. B. das Schulzentrum Unterland, könnten zur Abwechslung einmal aus Holz gebaut werden. Solange die Regierung jedoch bereits bei den Architekturwettbewerben und bei Ausschreibungen keine klaren Vorgaben punkto Nachhaltigkeit macht, ist die Regierungspolitik nicht glaubhaft. 

Wohnbauförderung neu ausrichten?
Die staatliche Wohnbauförderung müsste neu ausgerichtet werden: Es sollten nur noch Häuser gefördert werden, die nach dem Minergie-A-Standard (Plusenergie-Haus) oder dem
Minergie-P-Standard (Niedrigstenergie-Haus) gebaut sind. Auch sollte das verdichtete Bauen wieder stärker gefördert werden, denn aus Sicht der Raumplanung / Energiestrategie tragen die Einfamilienhäuser zur unerwünschten Zersiedelung der Gemeinden bei. Die damit verbundenen Kosten für die Volkswirtschaft sind gross.