„Versammlungen“ von Miriam Bajtala in der Galerie allerArt, Bludenz

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Bild von Miriam Bajtala: Thema «Versammlung der Geister»

 

 

Die nächste Ausstellung in der Galerie allerArt in Bludenz ist dem Schaffen von Miriam Bajtala gewidmet. Bajtala, die die Akademie der Bildenden Künste in Wien absolviert hat, beschäftigt sich in ihrem Werk vor allem mit Wahrnehmungsformen und den Parametern, welche die Wahrnehmung definieren und verändern, wie etwa Raum, Zeit und Kontext.

Videos, Zeichnungen, Collagen und Skulpturen gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie Textarbeiten und performative Installationen. Wichtig in einem Bild, einer Darstellung oder einer Aufführung sind ihr die Leerstellen, der unabbildbare Rest, der sich in einem Bild veräußert. Solche Leer- oder Reststellen versucht sie mit eigenen Vorstellungen aufzufüllen oder zu verfremden. Oder sie schafft selber solche Leerstellen.

Im Zentrum ihrer Ausstellung in Bludenz stehen vier „Versammlungen“, bei denen es um soziale Geschichte und soziale Konstruktion geht. Ausgangspunkt dieser Installationen sind skulpturale Eingriffe, die die Künstlerin im (halb-) öffentlichen Raum gefunden und fotografiert hat und die mit Absperrungen oder Grenzziehungen von Eigentum etwas zu tun haben. Zum Beispiel Zäune, Säcke, Kakteenabgrenzungen oder Türen. Zu diesen Settings entwickelt die Künstlerin bildnerische Assoziationsketten, wie etwa Zeichnungen, skulpturale Anordnungen oder auch Texte, die sich zu verdichteten Installationen „versammeln“.

Erste Versammlung mit Titel «Herman»
Bajtalas erste Versammlung etwa trägt den Titel „Herman“. Hier übersetzte sie das skulpturale Motiv des Zauns und der Mauer in Zeichnung und Holzstecken und ergänzte das Ganze durch eine von ihr erfundene Geschichte, die als Text ebenfalls eingerahmt präsentiert wird. Die Geschichte handelt von einem Mann (Herman), der mitten in seinen Garten einen prachtvollen Zaun hineinmauert und diesen Zaun dazu nutzt, „Second-Hand-Tennis“ zu spielen: Er besorgt sich gebrauchte Kleidungsstücke von der Caritas und wirft sie einzeln über den zu hoch geratenen Zaun. So wie sie daliegen, erinnern die Kleider an einen verstreuten Körper. In der Galerie allerArt werden solche Textilien wie Fahnen auf Holzstecken angeordnet.

Die weiteren «Versammlungen»

Die zweite Versammlung, Agatha, geht von einer Kaktus-Fotografie aus und „versammelt“ zwei Fotos und zwei Zeichnungen. Die dritte Versammlung nennt sich „Auf Besuch in Mumbai“. Bajtala hat in Mumbai einen Hinterraum fotografiert, in dem Mehl gemahlen wurde. Das Motiv des Sackes, das sie zeichnerisch umgesetzt hat, ist Teil dieser Anordnung. Die „Versammlung der Geister“ letztlich geht von der Aufnahme einer Höhle auf Sri Lanka aus, in der etliche hölzerne Stützpfeiler vertikal im Raum stehen. Bajtala übersetzt diese skulpturalen Pflöcke in Zeichnung, vergrößert diese und setzt sie installativ in den Kunstraum.

Drei Video-Arbeiten von Miriam Bajtala

Ergänzend zu diesen vier Mixed-Media-Formationen zeigt Miriam Bajtala bei allerArt drei Video-Arbeiten. Eine davon, „im Akkord“, zeigt die Handbewegungen der Mutter der Künstlerin, die fünfzehn Jahre lang in einer Brillenfabrik Akkord gearbeitet hat. „The only song I remember in slovak“ wiederum handelt von drei Generationen an Frauen (Großmutter, Mutter, Tante, Tochter), die jeweils in ihrer Wohnung ein slowakisches Volkslied singen, aber im Video so präsentiert werden, als ob sie nebeneinander auftreten würden. Das dritte Video, „3 Stimmen“, thematisiert die Emigration der Künstlerin von der Slowakei nach Österreich und behandelt die sozialen und ökonomischen Bedingungen, die Sprachaneignung sowie den mit einer Emigration einhergehenden Sprachverlust.

Die Künstlerin ist bei der Vernissage persönlich anwesend. Kuratiert wird die Ausstellung von Andrea Fink.

 

Miriam Bajtala:
„Versammlung“

Galerie allerArt,
Raiffeisenplatz 1, 6700 Bludenz
Kuratorin: Andrea Fink
Ausstellung: 28.6.-3.8.2019
Eröffnung: 27. Juni 2019, 20 Uhr
Öffnungszeiten: Mi-So u. Fe 15-18