Bagger für nächsten Casino-Bau aufgefahren!

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Wie sich Liechtenstein zu einem «Klein-Las-Vegas» entwickelt – Können wir noch zurück? Oder kommt es zu einer Volksabstimmung?

 

In Schaan steht der Bau des bislang dritten Casinos in Liechtenstein bevor, nachdem in Ruggell und Schaanwald bereits zwei in Betrieb sind. Weitere werden folgen. Geplant sind sie in Balzers und in Triesen. Auch ein weiteres an der Essanestrasse in Eschen ist nicht vom Tisch. Abgesehen vom hartnäckigen Gerücht, dass auch in der ehemaligen Klinik Medicnova eine Spielhölle eingerichtet werden soll.

Liechtenstein entwickelt sich – nachdem das Treuhandwesen in der Agonie liegt – zu einem modernen und wahrscheinlich einzigen «Klein-Las-Vegas».  Denn sollten diese Casinos wirklich gebaut werden, gibt es wahrscheinlich kein Land auf diesem Erdball, der im Verhältnis zur seiner Grösse so viele Spielcasinos hält. Ob dadurch das immer wieder beschworene gute Image auf Dauer nicht beschädigt wird, ist dann nur noch eine Frage der Zeit. Denn Liechtenstein kann das Rad in Sachen Casino-Bewilligungen nicht mehr zurückdrehen. Denn laut Gesetz kann jeder, der die Auflagen erfüllt, ein Casino in Liechtenstein eröffnen, weil die Regierung das Betreiben eines Casinos der freien Marktwirtschaft überlassen hat. Jetzt ist es zu spät, denn das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen. Und so nützen im Nachhinein auch schöne Worte im Landtag oder in den Medien gar nichts. Der Fehler wurde beim Gesetzgebungsprozess gemacht, weil trotz mahnender Worte die Politik nicht damit gerechnet hat, dass sich so viele Spielcasinos ansiedeln werden. Und für ein Moratorium ist es heute auch schon zu spät. Die Bewilligungen sind faktisch schon erteilt.

Wer ist für dieses Durcheinander verantwortlich? 

Wer ist also für dieses heutige Casino-Durcheinander eigentlich verantwortlich? Kann man der Politik angesichts der vielen Millionen, die das Geschäft für den Staat einspielt, einen Vorwurf machen?  Oder anders gefragt: Braucht Liechtenstein angesichts der 1’800 Millionen Franken Reserven wirklich weitere Einnahmequellen? Wenn wir diese Frage mit JA beantworten, gilt es erst noch den Beweis anzutreten, ob viele Casinos auf engstem Raum gleichzusetzen sind mit vielen Einnahmen. Bleiben am Ende unter dem Strich wirklich so viele Millionen Franken für den Staat übrig, wie sich das einige ausrechnen? Oder muss er sie nicht am anderen Ende einsetzen für soziale und gesundheitliche Schäden in den Familien, am Einzelnen und schlussendlich für die Wiedergutmachung an Reputationsschäden am Staat Liechtenstein selbst.?

Und das Rad können wir – wie gesagt – nicht mehr zurückdrehen, abgesehen von einer radikalen Aktion, die da heisst: Volksabstimmung! Aber wer hat schon den Mut dazu?