Bewegungsmangel und Gesundheitskosten

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Im ausführlichen Volksblatt-Interview vom 12.10.2018 macht Dr. Fritz Horber, ehemaliger Chefarzt des Landesspitals, klare Aussagen zur Zivilisationskrankheit Fettleibigkeit und zu möglichen medizinischen und politischen Lösungen. Hauptgründe seien die starke Reduktion körperlicher Arbeit und der allgemeinen Bewegung sowie die heutige wesentlich höhere Kaloriendichte unserer Ernährung. Zudem brauchen wir heute weniger eigene Energie, um unsere Körpertemperatur zu regulieren.

Doch wie bringt man Leute dazu, sich gesund zu ernähren und sich mehr zu bewegen? Horber meint dazu unter anderem, dass die Entscheidung über das Portemonnaie gefällt wird: «Könnte man die täglichen Schritte von der Steuer absetzen, würden sich die Leute in Liechtenstein wesentlich mehr bewegen.» Sich im Alltag aus eigener Kraft mehr bewegen ist eine herausfordernde Verhaltensänderung. Damit die Leute ihr tägliches Bewegungsverhalten ändern, braucht es Anreize und Abreize. Anreize sind z.B. gute und attraktive Infrastrukturen für das Zu-Fuss-Gehen und das Radfahren. Abreize sind z.B. Parkgebühren sowohl im öffentlichen Raum wie am Arbeitsplatz.

Besonders stark belastet und überlastet wird das Verkehrssystem durch die vielen täglichen Arbeitswege allein im Auto. Jeder weitere Kapazitätsausbau der Strassen für den Autoverkehr verkürzt die Reisezeit, macht also das Autofahren noch attraktiver und ist somit kontraproduktiv. Denn es führt zu noch mehr Autowegen, noch mehr Bewegungsmangel, weiter sinkender Lebensqualität und weiter steigenden Gesundheitskosten. Damit die Leute ihre Eigenverantwortung wahrnehmen können, müssen also Fuss- und Radwege ausgebaut sowie der öffentliche Verkehr per Bus und Bahn verbessert werden. Und es dürfen keine weiteren Auto-Strassen gebaut werden.