«Wir wollen eine nachhaltige Wirkung erzielen»

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Drei Generationen der Familie David Vogt (auf dem Burghügel in Balzers).

Jacqueline Vogt hat im letzten Jahr zusammen mit ihrem Bruder Daniel die Führung des Familienunternehmens, der David Vogt Holding, übernommen. Beide strebten eigentlich in jungen Jahren eine Ski-Karriere an. Jacqueline Vogt fühlte sich aber schnell wohl im Büro und hat ihre Berufung als Geschäftsleiterin der Hand in Hand Anstalt gefunden.

Interview: Tamara Beck

 

Wie kam es dazu, dass Sie und Ihre Familie sich im Bereich Philanthropie engagieren?
Jaqueline Vogt: Wir haben im Jahr 2000 über das 10-Jahr-Jubiläum unseres Unternehmens nachgedacht. Wir wollten keine Feier, sondern uns gemeinnützig engagieren, eine Spende tätigen. Ich war in Kontakt mit Sr. Rebecca vom Orden der barmherzigen Schwestern in Zams und beschloss, eine Woche nach Peru zu reisen, wo sie ein Projekt betreute. Wir haben uns dann entschieden mitzuhelfen, dort einen Gewerbehof aufzubauen. 

Es blieb bei Ihnen nicht bei dieser einen Reise nach Peru …
Nein. 2001 wollte ich für 2 bis 3 Wochen, vielleicht auch 2 Monate, eine Auszeit nehmen. Geblieben bin ich dann ein ganzes Jahr! Um zurück auf Ihre Frage zu kommen: Wir sind in der glücklichen Lage, als Bindeglied zu fungieren zwischen denjenigen, die Geld für gute Zwecke einsetzen, und denjenigen, die Geld suchen. In diesem Bereich wollte ich tätig bleiben, so gründete ich 2002 die Hand in Hand Anstalt. 

Wie sehen diesbezüglich Ihre Aufgaben aus?
Gestartet bin ich im kleinen Rahmen und habe – ab dem Jahr 2005, als meine Tochter zur Welt kam – jeweils von zu Hause aus einige wenige persönliche Projekte betreut. Langsam, aber stetig haben wir die Hand in Hand Anstalt ausgebaut und helfen insbesondere gemeinnützigen Stiftungen, Projekte zu finden, die zum Stiftungszweck passen.

Eines der grösseren Projekte ist der «Liachtbleck» … 
Wir erhielten tagtäglich Anfragen aus Liechtenstein und der Region. Bis dahin leisteten wir Entwicklungshilfe im Ausland, in Dritt-Welt-Ländern. Das ist noch heute so, aber der Grossteil konzentriert sich mittlerweile auf die Region, weshalb wir 2005 gemeinsam mit unserer hochgeschätzten Stiftungsratspräsidentin Traudi Hasler-Hilti (sel.) die «Stiftung Liachtbleck» gegründet haben. Damit leisten wir seit nunmehr 13 Jahren Überbrückungshilfe, gerade bei den Working Poor, die keine Reserven bilden können und bei jeder ausserordentlichen Anschaffung oder Rechnung plötzlich anstehen. Wir erhalten auch regelmässig Anfragen durch das Amt für Soziale Dienste, da es immer wieder Dinge gibt, die gesetzlich nicht verankert sind. Hier springen wir nebst oder gemeinsam mit anderen gemeinnützigen Institutionen im Land ein. 

»Durch die Beratung werden die Chancen grösser, dass die Hilfesuchenden die Situation wieder in den Griff bekommen.

In diesem Zusammenhang wurde auch die Budget- und Schuldenberatungsstelle von Ihnen gegründet? 
Genau. Wir wollen nicht nur mit finanziellen Mitteln kurzfristig helfen, sondern eine nachhaltige Wirkung erzielen. Die Beratungen sind nicht immer angenehm, man muss Dinge ändern, das Leben auf den Kopf stellen. Wir können den Menschen nicht alles abnehmen. Durch die Beratung werden die Chancen grösser, dass die Hilfesuchenden die Situation wieder in den Griff bekommen. Die Beratungen helfen aber auch uns beim Auswahlverfahren der Zahlungen. Diese werden gut abgeklärt. 

Welche Projekte liegen Ihnen besonders am Herzen?
Wir sind seit Jahren Hauptsponsor der Special Olympics Liechtenstein. Ich war als Trainerin und im Vorstand aktiv, habe dadurch selber Kontakt und konnte die Emotionen der Athletinnen und Athleten live miterleben. Das ist etwas ganz anderes, als nur vom Schreibtisch aus eine Zahlung zu veranlassen. Dasselbe ist es mit den Hilfsprojekten in Peru. Ich habe die Zeit von damals immer vor Augen, die Begegnungen und Schicksale.
Dieser persönliche Aspekt gefällt mir am besten. Dies sind die Projekte, die mich nähren. 

Sie sind ein richtiges Familienunternehmen. War es von Anfang an klar, dass Sie und Ihr Bruder in die Fussstapfen Ihrer Eltern treten würden? 
Nein, gar nicht, Daniel und ich strebten beide eine Karriere als Ski-Profi an. Ich war am Ski-Gymnasium, merkte dann aber im Alter von etwa zwanzig Jahren, dass es schwierig ist, jung zu sein, aber kein Geld zu haben. Ich war finanziell komplett von meinen Eltern abhängig. Ich habe auch zu wenig an mich geglaubt, und nach schlechten Ergebnissen im Winter 1988 wollte ich nicht das Risiko eingehen, irgendwann mit nichts dazustehen. Also absolvierte ich Praktika, lernte Sprachen und belegte Abendkurse. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie es sein würde, im Büro zu arbeiten. 

Sie fanden aber Gefallen, gründeten gemeinsam mit Ihren Eltern 1991 David Vogt & Partner und haben gemeinsam mit Ihrem Bruder die Führung des Familienunternehmens übernommen.
Ich fühlte mich schnell sehr wohl. Das Umfeld ist diesbezüglich extrem wichtig, und wir haben einfach ganz tolle Mitarbeiter. Alle kümmern sich. Mit meinem Bruder zusammen haben wir ein sehr familiäres Verhältnis und können uns absolut vertrauen. Es ist eine Freude, morgens ins Büro zu kommen. Ich bin kein Zahlenmensch, aber ich habe Aufgaben gefunden, die mir Freude machen. 

Gibt es auch Herausforderungen, so eng mit der Familie zu arbeiten, oder nur Vorteile?
Wir sind sehr offen, kommunizieren gut miteinander und unterstützen uns gegenseitig enorm, auch privat. Ich weiss es sehr zu schätzen, dass ich dank meinen Eltern und meinem Bruder zu Hause bei meiner Tochter bleiben konnte, bis sie vor einem Jahr auf eine weiterführende Schule gekommen ist. Aber selbstverständlich sind wir Individualisten und stellen uns wie alle anderen auch den täglichen Herausforderungen des Zusammenlebens.

Denken Sie, dass auch Ihre Tochter irgendwann diesen Weg einschlagen wird?
Sie interessiert sich eher für musische Dinge wie Schauspiel, Tanz und Gesang. Sie wollte nie Ski fahren, wo ich ihr doch sicherlich eine gute Lehrerin hätte sein können (schmunzelt). Ich versuche ihr natürlich das zu ermöglichen, was sie machen möchte, und werde ihr keine Richtung vorgeben. 

Was machen Sie in Ihrer Freizeit? 
Ich verbringe möglichst viel Zeit mit meiner Tochter. Wir haben viele Tiere: einen Hund, Katzen, Hasen, früher sogar ein Pferd. Wir kümmern uns um sie, ich bin gerne im Garten und in der Natur, und natürlich gibt es auch im Haushalt immer etwas zu tun. Im Winter mache ich gerne kleine Skitouren. 

KURZ GEFRAGT

Wie starten Sie in den Tag?
Ich versorge die Tiere, und dann machen meine Tochter und ich uns bereit für den Tag. 

Was schätzen Sie an Ihrer Wohngemeinde?
Das Gefühl, zu Hause zu sein. Balzers ist mir sehr vertraut, man grüsst einander. 

Welches ist Ihr liebster Ort in Liechtenstein?
Der Platz unter der Trauerweide zu Hause in unserem Garten.

Welches Buch liegt derzeit auf Ihrem Nachttisch?
«Werden und Wandel», ein Manuskript der Pfarrei Balzers, das die Hand in Hand Anstalt anfangs Oktober publizieren wird.

Ein Lieblingszitat?
«Die glücklichsten Menschen haben nicht das Beste von allem. Sie machen einfach immer nur aus allem das Beste.»

Ein Reiseziel, das Sie noch interessieren würde?
Ich würde gerne ein Jahr lang um die Welt reisen, und natürlich möchten meine Tochter und ich wieder einmal nach Peru.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Gesundheit und Zufriedenheit.