«Ich habe mein Leben nicht geplant»

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Isabel Fehr mit ICO Präsidenten Dr. Thomas Bach zu Besuch beim Liechtensteiner Sportpionier Baron Eduard von Falz-Fein (106 Jahre alt) Vaduz.

2016 wurde Isabel Fehr zur Präsidentin des Liechtenstein Olympic Comittee (LOC) gewählt. Sie selber bezeichnet sich humorvoll als «Grüss-Augustine». Kommunikation ist ein grosses Thema in ihrem beruflichen Werdegang und begleitete die sportbegeisterte Frau stets.
Text: Tamara Beck

 

Sie sind seit zwei Jahren Präsidentin des LOC, ein grosser Verband. Wie liefen diese beiden Jahre? Was waren schöne Erlebnisse?
Isabel Fehr: Highlights waren die Beschickung der Kleinstaatenspiele in San Marino und der Olympischen Spiele in Korea. Als Funktionärin freut es mich natürlich, die Sportlerinnen und Sportler im Einsatz zu sehen. 

Gab es auch Herausforderungen, die Sie zu bewältigen hatten?
Innerhalb des Vorstands ein Team zu werden, gehörte zum Beispiel dazu; wie auch, einen Überblick über alles zu bekommen. Ich verstehe mich zum Glück gut mit Geschäftsführer Beat Wachter und war zuvor bereits acht Jahre lang Vorstandsmitglied, so dass ich als Ehrenamtliche einfach das richtige Mass für mein Engagement finden musste, also lernen, wann ich gebraucht werde und wann ich mich zurückziehen kann. 

Welches sind Ihre Hauptaufgaben?
Ich bin vor allem «Grüss-Augustine» (lacht), leite intern die Sitzungen und vertrete das LOC als Nationales Olympisches Komitee gegen aussen, also an Sitzungen mit den anderen Kleinstaaten, mit dem Europäischen (EOC) und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC). 

Sie sind selber begeisterte Sportlerin: Ist dieses Amt eine Art Traumjob für Sie?
Ich bin eine klassische Breitensportlerin. Ich fahre leidenschaftlich gerne Ski und spiele regelmässig Tennis, aber ich sehe mir natürlich auch sehr gerne Sport live und am TV an. Die Emotionen und die Freude am Gewinnen – das packt einen immer wieder. So etwas findet man sonst nirgends. Das Amt hatte ich dennoch nicht eingeplant. 

Auf welche Anlässe freuen Sie sich besonders?
Besonders freue ich mich über den «Olympic Day», eine weltweite Bewegung, die bisher hierzulande nicht gross gefeiert wurde, nun aber im Juni im Kalender erscheinen soll. Rund 150 Kinder haben heuer in Schaan an diesem Anlass teilgenommen und erfuhren, wie lässig es ist, Sport zu treiben und Medaillen zu gewinnen. 2019 finden die Kleinstaatenspiele zum ersten Mal in Montenegro statt, darauf freue ich mich auch. Erstmals wird es für die Kleinstaatenspiele eine Art «Olympisches Dorf» geben. 

Als Dachorganisation der Verbände und Vereine ist Ihnen sicher bekannt, dass viele Vereine es schwer haben, neue Mitglieder zu finden. Was denken Sie, woran liegt das und wie unterstützen Sie die Vereine, die Mühe haben?
Es liegt am Individualismus, der heutzutage bei vielen herrscht. Man pickt sich das heraus, was passt. Einmal ist es der Tennisclub, ein anderes Mal das Joggen mit dem Kollegen. Die Vereine hierzulande haben aber viele treue Mitglieder, die wertvolle Arbeit für das Gemeinwohl leisten. Unsererseits unterstützen wir die Verbände, indem wir sie im administrativen Bereich zu entlasten versuchen. So gab es kürzlich eine Informationsveranstaltung zum Thema DSGVO für alle, damit sich nicht jeder individuell informieren muss. Nach wie vor sind fast 15`000 Menschen in Liechtenstein Mitglied in einem Verein, wir sind also auf jeden Fall ein sportbegeistertes Land. 

Was für Pläne haben Sie für das LOC? Wie wird es sich weiterentwickeln?
Wir haben bereits einiges angestossen und verändert. Wir haben den «Olympic Day» ins Leben gerufen, die Strukturen optimiert und auch in Sachen Kommunikation hat sich einiges getan. Die grösste Veränderung ist die Revision des Sportgesetzes, die eine Vereinfachung für die Sportverbände mit sich bringt, uns hingegen mehr Aufgaben beschert. Wenn die Revision durch ist, werden wir uns vor allem mit der Umsetzung beschäftigen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie oft sind Sie selber sportlich aktiv und was machen Sie am liebsten?
Im Winter bin ich oft auf den Skiern, im Sommer gehe ich Tennis spielen und Wandern, bin aber leider insgesamt zu wenig, vielleicht zweimal pro Woche, aktiv.

 Sie sind ausgebildete PR-Beraterin und Kommunikationsspezialistin. Wo sind Sie beruflich tätig?
Ich arbeite in einem 80%-Pensum als Communication Manager für die Hilti Foundation. Diese Foundation ist Teil der sozialen Verantwortung der Hilti AG. Wir pflegen 46 Projekte weltweit zu verschiedenen Themen wie bezahlbarer Wohnraum, Musik, Ausbildung und wirtschaftliche Entwicklung. 

Können Sie in ein paar Sätzen Ihren beruflichen Werdegang schildern?
Die Kommunikation ist der rote Faden, der sich durch meinen Lebenslauf zieht. Ich habe alle meine Ausbildungen berufsbegleitend absolviert. Zuerst war ich in Bern in einer PR-Agentur, danach im Marketing eines grossen Unternehmens tätig. Bei der Oerlikon war ich in der Unternehmenskommunikation beschäftigt, ebenso in der LGT. Dazu in St. Gallen in einer Werbeagentur und in Liechtenstein wiederum in einer PR-Agentur. Den Wechsel zwischen Agentur und Unternehmen fand ich stets bereichernd und spannend. 

So wie jetzt bei der Hilti Foundation…
Die Aufgabe tönte schlicht reizvoll. Einerseits ist die Hilti Foundation nah am Konzern, andererseits bringen die sozialen Projekte ganz andere kommunikative Schwerpunkte mit sich. 

Sie haben vor acht Jahren eine Weltreise gemacht. Wie hat Sie diese Reise geprägt?
Ich reise sehr gern. Den Startschuss zu dieser Weltreise gab ein Artikel über Bhutan in der Zeitschrift GEO Saison. Der Titel lautete sinngemäss «Wo die Menschen am glücklichsten sind». Ich sagte mir also: Da gehe ich hin! Zweieinhalb Monate lang war ich alleine oder mit Reisegruppen in Südostasien, Bhutan und Indien unterwegs, anschliessend reiste ich mit meinem Partner noch sechs Wochen lang durch Australien. 

Und waren die Menschen dort wirklich am glücklichsten?
Der Artikel war natürlich auch Marketing. Die Menschen in Bhutan waren nicht auffallend glücklicher als andere Nationen. Für mich gab es aber einen richtigen Glücksmoment: Der Rückflug führte bei traumhaftem Wetter über die ganze Mount-Everest-Kette – dies zu erleben, war wahrhaft magisch. Reisen erweitert den Horizont – und ich glaube, je mehr man erlebt, desto mehr schätzt man auch, was man hat. 

Wohin führt Sie Ihre nächste Reise?
Heuer verbringen wir die Sommerferien in Malbun, weil das Erholung pur ist. Ich sage oft: «Tunnel rein, Alltag raus.» Im Herbst reise ich zur Generalversammlung des EOC nach Spanien und für ein berufliches Projekt nach Srebrenica, wo wir für Rückkehrer ein Haus bauen werden – darauf freue ich mich schon sehr.

Wo sehen Sie sich in ein paar Jahren?
Ich habe mein Leben nicht geplant. Aktuell sind wir gut eingespielt, ich weiss, was wie funktioniert und freue mich auf die kommenden zwei Amtsjahre beim LOC. 

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, ausser Sport?
Wir sind erst kürzlich umgezogen. In unserer neuen Wohnung sitze ich gerne auf der Dachterrasse, lese ein Buch oder gärtnere.

 

Kurz gefragt

Wie starten Sie in den Tag?
Mit einer Dusche. 

Was schätzen Sie an Ihrer Wohngemeinde?
Die Zeit für mich.

Welches ist Ihr liebster Ort in Liechtenstein?
Malbun.

Welches Buch liegt derzeit auf Ihrem Nachttisch?
«Die Entdeckung der Langsamkeit».

Ein Lieblingszitat?
«Das Wichtigste im Leben ist nicht, gesiegt, sondern, sich wacker geschlagen zu haben», von Pierre de Coubertin.

Ein Reiseziel, das Sie noch interessieren würde?
Indien – das Land ist so anders als alles andere, was ich bisher sah. Da würde ich gerne nochmals hingehen. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Eine Stunde Sport und Bewegung pro Tag für mich, aber auch für die Kinder in Liechtenstein. In anderen Ländern ist die aktive Stunde ein Erfolgsrezept und zugleich eine tolle Form der Prävention.