Ministerin Aurelia Frick in der lie-zeit: «Stillstand ist keine Option»

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Aurelia Frick hatte drei Kleine Anfragen im Landtag vom Oktober zu beantworten.

Reichbefrachtete Ressorts

Kulturjahr 2015, Kulturgütergesetz, neue Strategie für die Universität in Vaduz, viel gelobte UNO-Initiative zum Schutz von Zivilisten, Bildungsmesse: Regierungsrätin Aurelia Frick hat ein arbeitsintensives Jahr mit vielen Herausforderungen hinter sich. Im ausführlichen Interview mit der «lie:zeit» wagt die Ministerin auch einen Blick in die Zukunft. lie-zeit Nr. 41, Dezember-Ausgabe 2015

lie:zeit Frau Regierungsrätin, das Jahr 2015 neigt sich dem Ende zu, über fehlende Arbeit und Aufgaben durften Sie sich nicht beklagen. Wie intensiv waren die vergangenen elf Monate für Sie?

Aurelia Frick: 2015 war ein sehr ereignisreiches Jahr mit Herausforderungen und vielen Höhepunkten. Als Beispiele möchte ich nur das Kulturjahr 2015 mit der Eröffnung des Weissen Würfels nennen, die Schaffung des Kulturgütergesetzes, unsere breit gewürdigte Arbeit bei der UNO, die grossartigen Erfolge unserer jungen Berufsleute bei den WorldSkills in Brasilien oder auch die «next step»-Berufs- und Bildungstage. Die vergangenen Monate waren natürlich fordernd und arbeitsintensiv, aber ich sehe Herausforderungen nicht als Last, sondern vielmehr als Chance zur Veränderung und Weiterentwicklung unseres Landes

Sie werden nicht müde zu betonen, dass Bildung die einzige Ressource Liechtensteins sei. Spielt die Bildung wirklich eine so wichtige Rolle?

Auf jeden Fall, ein gutes Bildungssystem ist ganz entscheidend für einen erfolgreichen Staat. Mit dem Titel «Die Mutter aller Übel ist die Unwissenheit» zitiert die Peter Kaiser Gedächtnisstiftung ihre Festschrift zum 30-Jahr-Jubiläum. Und was zu Peter Kaisers Zeiten galt, stimmt auch heute noch. Allerdings geht es in der heutigen Bildungspolitik um mehr als reine Wissensvermittlung: Das Bildungswesen ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, und diese verändert sich laufend und stark. Und so entwickeln sich auch die Schulen ständig weiter. Es stellt sich deshalb die Frage, wie wir diese Veränderung ausgestalten wollen. Stillstand ist keine Option, auch für die Schulen nicht. Ich möchte hier von politischer Seite ganz bewusst den Schulen und Lehrern mehr Entwicklungsspielraum lassen.

Wenn die Verantwortung bei Schulen und Lehrern liegt, planen Sie selbst dann also keine grossen politischen Reformen?

Mein Ziel sind die gezielten Reformen, nicht die grossen. Das gilt aber nicht für die Universität.

 

Weshalb haben Sie hier einen Strategiewechsel initiiert?

Die Universität Liechtenstein war nach Jahren des Wachstums an einen Punkt gelangt, in der sie sich neu orientieren und für die Zukunft rüsten musste. Das ist kein einfacher Prozess. Umso mehr freut es mich, dass es uns gelungen ist, sehr gute Personen für die Mitarbeit im Universitätsrat zu halten und zu gewinnen. Ihnen ist es wirklich sehr gut geglückt, diesen Prozess zusammen mit dem Rektorat zu steuern und die Strategie neu auszurichten. Die Universität ist mit der noch stärkeren Fokussierung auf die Region und deren Bedürfnisse für die nächsten Jahre gerüstet.

Die Universität wird oft als einer der wichtigsten Standortfaktoren für Liechtenstein genannt. Zu Recht?

Ja. Schulen und Universitäten sind dynamische Orte des Wissens, an denen in engem und intensivem Austausch Neues entsteht und vermittelt wird. Die Uni Liechtenstein ist ein wichtiger Pfeiler unseres Bildungswesens und als solcher ein zentraler Standortfaktor für unser Land und unsere Wirtschaft.

Zu einem immer wichtigeren Standortfaktor scheint sich auch die Kultur zu entwickeln, wie nicht zuletzt das Kulturjahr 2015 offenbarte. Wie zufrieden sind Sie mit dem Kulturjahr?

Dank den beteiligten Kulturinstitutionen und Liechtenstein Marketing, welche alle grossartige Arbeit geleistet haben, wurde das Kulturjahr 2015 sehr gut wahrgenommen. Bereits jetzt, nur wenige Monate nach der Eröffnung, sind die Schatzkammer und die Hilti Art Foundation aus dem Städtle nicht mehr wegzudenken. Ganz besonders gefallen hat mir zudem die «Bad Ragartz» und der grosse Erfolg Liechtensteins bei der erstmaligen Teilnahme an der Kunstbiennale in Venedig. Daneben gab es aber noch unzählige kleine und grosse Kulturveranstaltungen im In- und Ausland, die dem Kulturjahr 2015 die besondere Note verliehen haben. Dass die liechtensteinische Trachtenvereinigung in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feierte, war für das Kulturjahr 2015 auch ein ganz besonderer Höhepunkt.

Sie haben kürzlich das neue Kulturgütergesetz vorgestellt. Wie wichtig ist diese Vorlage?

Dieses Gesetz ist für die liechtensteinische Kulturpolitik sehr wichtig und ich freue mich, dass wir nun nach vielen Jahren auf der Zielgeraden sind. Die Rückmeldungen zu unserem neuen Ansatz im Kulturgütergesetz sind sehr positiv. Die von Ihnen angesprochene Veranstaltung haben wir bewusst vor dem Abschluss der Gesetzesvorlage gemacht. Damit wollen wir früh eine Diskussion lancieren und können Anregungen aus der Bevölkerung noch aufnehmen. Wir sind nun dabei, die Rückmeldungen zu besprechen und den Bericht fertig zu stellen.

2015 hätte statt Kulturjahr auch UNO-Jahr heissen können. Oder täuscht dieser Eindruck?

Nein. Die UNO-Mitgliedschaft ist eine Erfolgsgeschichte für Liechtenstein. Durch die visionäre Entscheidung vor 25 Jahren hat Liechtenstein seine Souveränität entscheidend abgesichert und international in damals ungeahntem Masse an Profil gewonnen. Zu verdanken ist dies der Weitsicht des Fürstenhauses zum einen und unseren Botschaftern an der UNO, aber auch an den anderen diplomatischen Vertretungen zum anderen. Hier wird grossartige Arbeit geleistet, das ist leider oft nicht ganz einfach zu vermitteln.

Wie kann sich das kleine Liechtenstein im Konzert der Grossen Gehör verschaffen?

Die Maxime «ein Staat, eine Stimme», welche in der UNO gelebt wird, kommt Liechtenstein sehr zugute. Liechtenstein hat es in der Vergangenheit geschafft, weit über seine Grösse hinaus mitzuwirken und wahrgenommen zu werden. Als kleines Land können wir wichtige Impulse setzen. Ein ganz aktuelles Beispiel ist der von Liechtenstein ausgearbeitete Verhaltenskodex für den Sicherheitsrat. Dieser soll seine Handlungsfähigkeit verbessern und dadurch Zivilisten in bewaffneten Konflikten besser schützen. Es ist ein grosser Erfolg für Liechtensteins Diplomatie, dass dieser von weit über 100 Staaten unterstützt wird.

Wie kann Liechtenstein mit seinen beschränkten Ressourcen diese Aufgaben bewältigen?

Indem wir Prioritäten setzen und dabei auch den Mut haben, nicht alle Themen abzudecken. Aber dort, wo wir uns einbringen, machen wir dies mit grossem Einsatz und bringen uns als verlässlicher, engagierter und solidarischer Partner ein. Dieses Prinzip leben wir nicht nur bei der UNO, sondern das gilt für die Aussenpolitik generell.

Das Jahr geht zu Ende, Zeit einen Ausblick zu wagen: Wo sehen Sie Ihre weiteren Ziele?

Mir ist das Thema der Stellung der Frau sehr wichtig: In meiner Arbeit als Kultur- und Bildungsministerin, in der Aussenpolitik, aber auch in Liechtenstein. Die Frauen sind in unserem Land in der politischen Debatte nach wie vor stark unterrepräsentiert. Ich hoffe, dass es den Parteien gelingt, viele engagierte Frauen für die kommenden Landtagswahlen zu gewinnen.

 

 

 

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