Die 150. Ausgabe der «lie:zeit» ist ein guter Anlass, zurückzublicken – auf ihre Entstehungszeit, die noch gar nicht so lange zurückliegt, und auf die Entwicklung eines Mediums, das Konstanz im Wandel bewiesen hat und sich bis heute auf dem Markt behaupten kann.

Text: Heribert Beck

Der Frühling 2011, als die erste Ausgabe der «lie:zeit» erschienen ist, war eine turbulente Zeit – global und in Liechtenstein. Der Arabische Frühling stellte die althergebrachten Ordnungen in den Staaten Nordafrikas und der Levante auf den Kopf, Japan erholte sich gerade erst vom Nuklearunglück von Fukushima, die Euro-Krise steuerte auf einen weiteren Höhepunkt zu, und die Ratingagentur Standard & Poor’s stufte den Ausblick für die Kredit-würdigkeit der USA als «negativ» ein. Liechtenstein selbst befand sich mitten in der Sanierung des Staatshaushalts. Gründerzeiten sehen anders aus. Und die Inserateverkäufe der traditionellen Printmedien sind gute Indikatoren für die wirtschaftliche Lage. Müssen Unternehmen sparen, muss das Werbebudget als einer der ersten Posten dranglauben. So war es auch 2011. Dennoch erschien in Liechtenstein, dessen Medienlandschaft mit Radio L und «Volksblatt» noch einiges vielfältiger war als heute, am 3. April 2011 ein neues Printmedium.

«Wir wollen alle mitnehmen»
Die Hintergründe schilderte der damalige und heutige Redaktionsleiter Herbert Oehri, die treibende Kraft hinter der «lie:zeit», in seinem ersten Editorial. Angesichts der turbulenten Zeiten klangen seine Worte überaus zuversichtlich: «Vor Ihnen liegt die neue Zeitschrift,
die sich ‹lie:zeit› nennt. Die Zeitschrift für Liechtenstein, unser Heimatland, dem wir uns verbunden fühlen. Wir sind hier geboren, hier aufgewachsen und leben in einer Wohl-standsgesellschaft sowie in einer relativ behüteten Zeit. Über dieses moderne Liechtenstein […] wollen wir berichten, in einem ausgewogenen Verhältnis zur Gegenwart und Zukunft und mit dem einen oder anderen Blick in die Vergangenheit. Wir wollen alle Altersgruppen, Berufe und Arbeitswelten mitnehmen und sie in der neuen Monatszeitschrift ‹lie:zeit› präsentieren. Auch die Unterhaltung soll in diesem jungen Medium nicht zu kurz kommen. Wir haben im Vorfeld der Publikation als Arbeitstitel ‹L:zeit› gewählt, bis wir dem grossen Sonntagsmagazin schliesslich den Namen ‹lie:zeit› gegeben haben.»

Ein Name, der Liechtenstein in den Mittelpunkt stellte, wie es Herbert Oehri und seinen damaligen Mitstreitern, allen voran Johannes Kaiser, seinem Geschäftspartner im Medienbuero Oehri & Kaiser, wichtig war. Ihr Medium erschien als kostenlose Sonntags-zeitschrift mit 34‘000 beglaubigten Exemplaren – geliefert in alle Haushalte des Landes, aber auch im angrenzenden Ausland. Es «berichtet über die wichtigsten Ereignisse in der liechtensteinischen und regionalen Gesellschaft, hintergründig, informativ und völlig neutral. Die ‹lie:zeit› erscheint in diesem und im nächsten Jahr am ersten Sonntag im
Monat. Im Startjahr 2011 insgesamt fünf Mal: im April, Juni, August, Oktober und Dezember – das kommende Jahr dann jeden Monat», hiess es im Editorial. Und weiter: «Sportinteressierte müssen sich mit der Umstellung auch keine Gedanken machen. Die ‹sport:zeit› erscheint als integrierter Bestandteil der ‹lie:zeit› mit eigenem Kopf und
den gut recherchierten Themen.» Aus dieser seit 2009 erschienenen Sportzeitschrift war die Idee der «lie:zeit» überhaupt erst entstanden.

Das erste dauerhafte Wendemagazin des Landes
Vieles hat sich seit der ersten «lie:zeit» verändert, und der ambitionierte Publikationsplan von einer Ausgabe monatlich konnte nicht ganz eingehalten werden. 2012 waren es lediglich sechs Zeitschriften, seit Februar 2013 sind es konsequent zehn Ausgaben. Im Januar und Juli, Monate mit geringem Potenzial für Inseratekunden und vergleichsweise
wenigen berichtenswerten Ereignissen, erscheint keine «lie:zeit», und im Briefkasten findet sie sich seit Langem samstags statt sonntags. Seit die ZVA im Jahr 2023 den Vertrieb übernommen hat, erreicht sie ihre Leserinnen und Leser häufig sogar schon am Donnerstag oder Freitag.

Auch Gestaltung und Aufbau der Publikation haben sich immer wieder verändert. Während die Redesigns behutsam daherkamen, war eine Änderung im Februar 2013 deutlich sichtbarer. Damals wurden die zuvor einzeln publizierten Medien «lie:zeit» und «bau:zeit»
in einer Zeitschrift zusammengefasst. Der Druck als Wendemagazin bzw. nach dem Flip-Cover-Konzept war eine Neuerung für Liechtenstein und hat sich während Jahren bewährt. Erst seit Februar 2024 erscheint die «lie:zeit» wieder als klassisches Magazin mit der «bau:zeit», seither «wohn:zeit», als einer von mehreren festen Rubriken wie «polit:zeit», «sport:zeit», «business:zeit» und «meine:zeit».

Start der lie:zeit als Wendemagazin mit der bau:zeit im Jahr 2013

Von Liechtensteiner Abenteurern und einem Weltmeister
Thematisch ist sich die «lie:zeit» also treu geblieben. Die Schwerpunkte haben sich in den vergangenen 150 Ausgaben aber immer wieder einmal verschoben. Die Ausgabe Nummer 1 war noch stark von Lifestyle geprägt. Die Titelstory widmete sich der abenteuerlichen Reise von vier Liechtensteinern, die nach einem Jahr Vorbereitungszeit im November 2010 in Gran Canaria eine Segeljacht namens Josef II bestiegen und sich für die nächsten Wochen vom Festland verabschiedet haben. Ihr Ziel: den Atlantik zu überqueren, auf den Spuren von Kolumbus segeln und sich einen Bubentraum erfüllen. Daneben gab es Beiträge zu Blumen, Tattoos und Rezepten, eine Halbzeitbilanz von Regierungschef Klaus Tschütscher, eine Debatte zur Spitalfrage, die heute noch fast genauso erscheinen könnte, Wirtschafts-beiträge, Gesundheitstipps und viel Sport – in erster Linie Fussball und mit einem Interview mit Paul Breitner, unter anderem Weltmeister von 1974 und Star bei Bayern München sowie Real Madrid, als Aufmacherthema. Auch die Liechtensteiner Vergangenheit, lange behandelt unter dem Titel «Üsere Worzla», war stets Gegenstand einer beliebten Rubrik und ist es bis heute geblieben. Neu hinzukamen hingegen Formate wie der «Zahltag» oder die Fragen an die Liechtensteiner Parteien zu aktuellen Themen, die heute nicht mehr wegzudenken sind. Oder anders gesagt: Die Parteienlandschaft wandelte sich, die Rubrik blieb.

Dass die Schwerpunkte wechselten, lag auch am Konzept der Redaktion, neben wenigen festangestellten Journalisten vor allem auf Freischaffende zu setzen. Sie hatten stets die Freiheit, im Rahmen der rechtlichen Leitplanken ihre eigenen Themen einzubringen. Schon in der ersten Ausgabe hiess es auf Seite 3 unter dem Titel «Werden Sie Redaktor/in»: «Haben Sie Interesse am Schreiben? Bei der ‹lie:zeit› können Sie Ihre Fähigkeiten voll ausleben und erhalten dafür noch einen finanziellen Zustupf, sofern wir Ihren Beitrag veröffentlichen. Das Alter spielt keine Rolle. Wir suchen für alle Sparten Mitarbeiter/innen (Freelancer), die sich einer grossen Leserschaft mitteilen möchten. » Auch dieses Konzept geht bis heute auf.

Die ersten beiden Jubiläumsausgaben: Nr. 50 aus dem Jahr 2016 und Nr. 100 aus dem Jahr 2021.

«Ein Gewinn in unserer Medienwelt»
Auch nach mehr als 15 Jahren hat die «lie:zeit» treue Autorinnen und Autoren, die teils regelmässig journalistische Beiträge verfassen, teils gerne auf das Medium zurückgreifen, wenn sie einen Gastkommentar publizieren möchten. Und sie hat ihre treue Leserschaft,
wie ein Leserbrief, publiziert im «Liechtensteiner Vaterland» vom 6. Oktober dieses Jahrs, zeigt. Darin heisst es: «Gerade wieder einmal ist die Zeitschrift ‹lie:zeit› in unseren Brief-kästen gelandet. Ein Kompliment gebührt dem Medienbuero Oehri & Kaiser für die sehr gute und vielseitige Berichterstattung. ‹lie:zeit› ist ein Gewinn in unserer sonst so mageren Medienwelt.»

Die Zeiten haben sich seit 2011 gewandelt, friedlicher geworden ist die Welt nicht, die wirtschaftlichen Aussichten sind nicht wesentlich rosiger als damals, und für Medien ist
das Überleben in Liechtenstein nicht einfacher geworden. Doch das Medienbuero Oehri &
Kaiser vertraut auch weiterhin auf das Konzept «lie:zeit». Denn, um es mit den Worten eines Inserats aus der ersten Ausgabe zu sagen: «Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.» Dafür wird auch in Zukunft Flexibilität nötig sein, doch Liechtenstein, seine Bevölkerung, seine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden weiterhin im Fokus der Berichterstattung stehen.

Mit der Ausgabe Nr. 112 im Jahr 2023 erschien die «lie:zeit» im neuen Glanz.
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