Leserbrief von Jo Schädler, Bendern
Nur wenige Jährchen des Friedens und des Glücks waren Europas Geschichte beschieden. Römer, Goten, Hunnen, Türken, Fürsten, Appenzeller, Unterjocher, Eroberer, über den Dreissigjährigen, zum ersten, bis hin zu allerschrecklichsten, dem Zweiten Weltkrieg. Kriege über Kriege, Kämpfe, Ermordungen, Unterdrückungen, ohne Sinn, ohne Ende. Meist brutal und ohne Skrupel.
Und schon wieder ist es so weit, schon wieder wird die Trommel geschlagen, schon wieder lockt die Front, schon wieder locken Tod und Elend. Im Aufwind die Rüstungsindustrie, in welche manche Staaten ihr ganzes Vermögen pumpen und deren Aktienkurse in himmlische Sphären klettern. Make money not war, wird wieder einmal mehr zu make money and war.
Es ist so eine Sache mit der Aufrüstung, denn wenn sie fertig und die Lager bis unter die Decke mit Waffen vollgepumpt sind, dann muss man diese gebrauchen. Ein schrecklicher Gedanke, der da keimt. Bei der Heimkehr zehntausender deutscher Wehrmachtsoldaten aus der russischen Kriegsgefangenschaft im Jahre 1955 wurden bei ihrer Ankunft in den Lagern ökumenische Gottesdienste abgehalten. Beim Anstimmen von dem Lied „Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen“, versagten oft die Stimmen unter Freude, Erleichterung und Tränen. Verfasst wurde das Lied von einem Pfarrer schon im Dreissigjährigen Krieg und gilt bis heute als das Dankeslied in schweren und erlösenden Momenten. Weiter heisst es in dem Lied: „Der ewigreiche Gott woll uns bei unserm Herzen und edlen Frieden geben und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort und uns erlösen hier und dort.“
Nun heute im Aufwind drohender Bomben, diesmal die sehr viel wirksameren wie noch im zweiten Weltkrieg, genügt es nicht mehr sich Frieden zu wünschen, sondern man muss etwas dafür tun. Mit Sanktionen, Waffen und Geldlieferungen entfernen wir uns immer weiter davon. Man muss die Kriegsherren an den Verhandlungstisch zwingen. Später einmal das Lied von dem Pfarrer singen ist vielleicht dann zu spät.

