Leserbrief von Norman Wille,
Buchenweg 1, Vaduz
Das Gebastel rund um die Siebzigerjahre-Ruine namens Post, die für viel, viel, oder noch mehr Geld ums verrecken zur Landesbibliothek mutieren muss, geht also in die nächste Runde. Nur dass die Regierung noch einen Kübel Alleskleber über die ganze Chose rübergiesst, damit‘s überhaupt irgendwie zusammenhält. Das Ganze wird pseudo-legitimiert, indem man eine befreundete Anwaltskanzlei um ein «Gutachten» bittet. Dreimal dürfen wir raten, wie dieses ausgefallen ist.
Auf Seite 15 des «Bericht und Antrags betreffend die Annahme und zweckgebundene Verwendung von Drittmitteln für die Umnutzung des Post- und Verwaltungsgebäudes Vaduz für die Liechtensteinische Landesbibliothek» sind fünf gemeinnützige Stiftungen und eine Familie aufgelistet, die dem Land finanzielle Mittel für die bauliche Umsetzung des Projekts zugesichert haben. Nun, es ist mir völlig gleichgültig, wer die Spender sind. Der Landtag hat die Mittel versagt und das Projekt faktisch still gelegt. Dann kommt man einfach durch die Hintertür und «rettet» das Projekt, indem man private Geldgeber aus dem Hut zaubert. Der parlamentarisch bindende Entscheid wird einfach mit einem Taschenspielertrick umgangen.
Wie war das noch mit den 5 Millionen verballerte Planungsgelder für das neue «Landesspital», die still und leise unter dem Tisch verschwunden sind? Die moralische Verlotterung unserer Regierungsmitglieder nimmt immer groteskere Formen an. Das ist für mich untragbar. Es spielt überhaupt keine Rolle, mit welchen juristischen Winkelzügen die Regierung hantiert, bis es halbbatzig irgendwie zu passen scheint. So etwas tut man nicht. Ganz einfach.
Meine verstorbene Großmutter hatte einen eigenen Umgang mit solch illustrer Gesellschaft: «Diese Leute kommen mir nicht ins Haus.» Bei uns kommen sie sogar ins Grosse Haus. Ich sage euch nur eines: Solche Spielereien mit der Macht der Regierung, so was ist saugefährlich. Das ist euch egal, ich weiss. Mir nicht. Nur, dass es auch gesagt ist.

