Julia Weissenhofer und Felix Sprenger erhalten Anstellung vom LOC

Die Kuntturnerin Julia Weissenhofer und der Radrennfahrer Felix Sprenger waren Sportlerin und Sportler des Jahres 2025. Sie gehören zur absoluten Spitzensportler-Elite in Liechtenstein. Nun werden sie vom Nationalen Olympischen Komitee durch eine Anstellung belohnt.Foto: Michael Zanghellini

Das Selektionsgremium des LOC hat nach Abschluss des mehrstufigen Selektionsverfahrens entschieden, die Kunstturnerin Julia Weissenhofer und den Mountainbiker Felix Sprenger als Leistungssportlerin bzw. -Sportler in einem 50%-Pensum anzustellen. Die beiden Stellen sind durch den Rücktritt von Kathinka von Deichmann (Tennis) und Robin Frommelt (Langlauf) vom aktiven Spitzensport frei geworden.

 

Für die ausgeschriebenen Stellen sind insgesamt 19 Bewerbungen eingegangen – von 11 Athleten und 8 Athletinnen aus 13 verschiedenen Sportarten, aus olympischen und nicht-olympischen Disziplinen. «Der Selektionsentscheid ist jedes Jahr anspruchsvoller geworden», sagt Mathias Briker, Leistungssportverantwortlicher beim LOC. «Immer mehr Athletinnen und Athleten verfügen über das internationale Leistungsvermögen, das eine Anstellung rechtfertigen würde. Das spricht für die Entwicklung des liechtensteinischen Spitzensports – und für die Qualität der Kaderarbeit unserer Verbände.» Aktuell streben 15 Athletinnen und Athleten die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele Los Angeles 2028 und 10 den Cut für die Winterspiele 2030 an.

Die Neuen im Porträt

Die 18-Jährige Julia Weissenhofer trainiert im Nationalen Leistungszentrum in Dornbirn und hat sich in dieser Saison endgültig international etabliert: An der Europameisterschaft in Zagreb löste sie ihr Ticket für die Weltmeisterschaft, welche am 19. Oktober in Rotterdam stattfindet. An der EM verpasste den Einzug ins Sprungfinale nur knapp. Bereits im Frühjahr feierte sie nach einer Verletzungspause ein beeindruckendes Comeback mit Weltcup-Silber am Sprung in Varna. 2025 erreichte sie an der EM in Leipzig den 17. Rang im Sprung und an der Österreichischen Staatsmeisterschaft mit 48.850 Punkten die höchste Punktzahl ihrer Karriere. Ihr Ziel: die Europameisterschaften 2027 und die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.

Der Triesner Felix Sprenger hat in seiner dritten U23-Saison den Durchbruch an die Weltspitze geschafft: An der Europameisterschaft am Monte Ceneri belegte er Rang 13, an der Weltmeisterschaft in Val di Sole klassierte er sich im Short Track in den Top 15. Mit Platz 12 beim Weltcup in Yongpyong, Rang 17 in Leogang und Rang 22 in Andorra sammelte er regelmässig Weltcuppunkte und rangiert aktuell auf Platz 101 von über 1‘500 Fahrern auf der Elite-Weltrangliste. Sein Ziel: Top-20-Platzierungen an World-Series-Rennen und ein Top-Platzierung an den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles.

Ein transparentes, mehrstufiges Selektionsverfahren

Grundlage des Entscheids ist ein klar definierter Prozess: Nach der öffentlichen Ausschreibung prüft die Geschäftsstelle des LOC alle eingegangenen Bewerbungen auf Vollständigkeit. Der Leistungssport-Ausschuss beurteilt die Dossiers, erstellt eine Prioritätenliste und spricht eine Empfehlung zuhanden des Selektionsgremiums aus. Anschliessend lädt das Selektionsgremium – bestehend aus der Geschäftsleitung des LOC (Vorsitz), der Stabsstelle für Sport sowie je einer Vertretung der Sportverbände und der Athletenvertretung – die aussichtsreichsten Kandidatinnen und Kandidaten zu einem Bewerbungsgespräch ein und entscheidet abschliessend.

Beurteilt werden neben den sportlichen Leistungen – orientiert am Schweizer FTEM-Modell zur Athlet*innen-Entwicklung – auch die Wirkung der Anstellung auf die Karriere, das Umfeld der Athletinnen und Athleten, das mehrjährige Commitment und die ganzheitliche Karriereplanung. Kriterien sind unter anderem das Leistungsvermögen für internationale Titel-Wettkämpfe sowie das Potenzial für die direkte Qualifikation für Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften. Alle Sportarten – olympisch, nicht-olympisch und Paralympisch – haben dieselben Chancen.

Mehr als ein Lohn: Sicherheit und Botschafterrolle

Die Anstellung im 50%-Pensum gibt den Athletinnen und Athleten Planungssicherheit und einen hinreichenden Sozialversicherungsschutz – für viele die entscheidende Voraussetzung, um die sportliche Karriere langfristig und professionell zu verfolgen. Die Anstellung läuft auch bei längeren Verletzungspausen weiter, solange die Rückkehr in den Leistungssport angestrebt wird. Die Anstellung wirkt sich oft auch auf die Professionalisierung von Athletinnen und Athleten aus. So können bspw. Anstellungen gekündigt werden, da die finanzielle Unterstützung durch das LOC erhöht wird.

Im Gegenzug übernehmen die Athletinnen und Athleten eine Botschaftsfunktion für den liechtensteinischen Sport und begleiten den Nachwuchs in den Förderkadern und an der Sportschule.

«Die 50%-Anstellung beim LOC war für mich ein sehr wichtiger und prägender Schritt», blickt Nico Gauer auf seine Zeit als angestellter Athlet zurück. «Die Anstellung gab mir als Sportler eine finanzielle Grundsicherheit und damit eine verlässliche Basis für meine Karriere. Es hat mir viel Sicherheit und Ruhe gegeben, um mich auf meinen Sport zu konzentrieren.»

Ausblick: Der Spitzensport wächst

Das seit 2023 aufgebaute Fördermodell ist zum festen Bestandteil der liechtensteinischen Spitzensportlandschaft geworden: 4 Athletinnen und 5 Athleten und aus 6 Sportarten wurden seither angestellt, und viele weitere könnten von einer Anstellung profitieren, da Höhepunkte wie Welt- und Europameisterschaften sowie die Qualifikationsphase für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles und die Winterspiele 2030 vor der Tür stehen.

 

 

 

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