Parteibühne der FBP-Landtagsabgeordneten Bettina Petzold-Mähr
Der Landtag hat das Postulat der Demokraten pro Liechtenstein (DpL) zur politischen Bildung abgelehnt. Aus unserer Sicht zu Recht. Denn was auf den ersten Blick harmlos klingt – Staatskunde stärken, liechtensteinische Identität vermitteln, Demokratieverständnis fördern – wirft bei genauerem Hinsehen eine grundsätzliche Frage auf. Wer könnte gegen diese Ziele sein? Niemand. Und genau das ist das Problem.
Denn hinter nachvollziehbaren Zielen verbirgt sich ein Prinzip, über das wir ernsthaft nachdenken müssen: der politische Griff in den Lehrplan. Und dieser Griff ist eine Prinzipienfrage, die weit über das nun abgelehnte Postulat hinausgeht.
Die Schule ist kein Werkzeug der Politik. Sie ist ein Ort der Bildung – verantwortet von Pädagoginnen und Pädagogen, die ihr Handwerk kennen. Der Lehrplan Liechtenstein (LiLe) wurde von Fachleuten erarbeitet. Die pädagogische Freiheit der Lehrpersonen ist kein Schönheitsfehler unseres Systems – sie ist sein Herzstück. Wer beginnt, aus dem Landtagssaal aus vorzuschreiben, welche Inhalte «klarer», «verbindlicher» und «eigenständig sichtbar» zu sein haben, der untergräbt genau diese Freiheit und Autonomie – egal wie gut die Absichten sein mögen.
Und Absichten können sich wandeln. Das ist keine abstrakte Warnung, das ist gelebte Geschichte. In mehreren US-Bundesstaaten haben politisch motivierte Eingriffe in Lehrpläne dazu geführt, dass wissenschaftlich gesichertes Wissen – die Evolutionstheorie – durch ideologische Wunschvorstellungen ersetzt wurde. Was heute als Stärkung von Heimatgefühl und Bürgerbildung daherkommt, kann morgen der Einstieg in eine Spirale sein, an deren Ende die Politik nicht mehr nur bestimmt, was «wichtig» ist – sondern was «wahr» ist: und auf die Gefahr hin, dass irgendwann gelehrt wird, die Erde sei eine Scheibe. Sofern es die politische Mehrheit so will.
Liechtenstein ist nicht Texas. Aber der Mechanismus ist derselbe: Es beginnt immer mit guten Absichten.
Die FBP steht zur Schulautonomie. Wir vertrauen unseren Lehrerinnen und Lehrern. Gute politische Bildung entsteht nicht durch parlamentarische Dekrete, sondern durch Pädagoginnen und Pädagogen, die junge Menschen zum eigenständigen Denken befähigen. Das ist wahre demokratische Bildung.



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