Die früheren Skiweltcupsieger Paul Accola, Markus Foser und Birgit Batliner sowie der ehemalige Liechtensteiner Fussball-Nationaltorhüter Stefan Wolfinger sind Fans des einzigen Golfturniers auf Liechten-steiner Staatsgebiet. Beim Alpin Golf Malbun am vergangenen Sonntag mussten sie aber den Tagessiegern Ruth Stecher und Andy Walter
sowie Nettosieger Andrin Risch den Vortritt lassen.

«Von Schnee sollten wir dieses Jahr verschont bleiben», freute sich «Head Greenkeeper»
Stefan Wolfinger bereits zwei Wochen vor dem Alpin Golf Malbun. 2021 hat der Golfverband
Liechtenstein (GVL) das Alpin-Golf-Malbun-Turnier wieder zum Leben erweckt, seit letztem Jahr ist der frühere Liechtensteiner Fussball-Nationaltorhüter gemeinsam mit Philipp Patsch, Marcel Heeb und Alessio Wolfinger für den Bau und die Pflege des temporären
9-Loch-Platzes im Täli in Malbun verantwortlich. Ehrenamtlich investiert das Quartett im Vorfeld des einzigen Golfturniers auf Liechtensteiner Staatsgebiet mindestens zwei Samstage, um den Parcours für diesen einen Turniertag im Jahr auf Vordermann zu bringen. Umso wichtiger, dass der Wettergott am Wettkampftag mitspielt.

Am Sonntag, 20. September 2026, war Petrus definitiv ein Golfer. Ein wunderschöner Herbsttag erwartete die 49 GVL-Mitglieder, die sich kurz vor acht Uhr morgens auf den Weg zum ersten Abschlag auf 1988 Meter über Meer machten. Jede und jeder hatte drei Schläger, Golfbälle, Tees, Birdiebook und Scorekarte im Gepäck und Trekking- statt Golf-schuhe an den Füssen, weil diese im alpinen Gelände mehr Trittfestigkeit bieten. Rund eine Stunde ging’s plaudernd und gut gelaunt bergan bis zum «Hubbel», wo das bewährte Greenkeeping-Team den ersten Abschlag ausgesteckt hatte. Um punkt 9 Uhr hatte Marco Adank, Men Captain im GC Gams- Werdenberg, die Ehre, das Turnier zu eröffnen.

Vorteil für die Skisportler?
Der 1657 Meter lange Par-32-Platz mit markanten Höhenunterschieden führt über alpines
Gelände, das Wochen zuvor noch als Alpweide genutzt worden ist und in drei Monaten
zumindest teilweise wieder als Skipiste dienen wird. Da Platzkenntnisse im Golfsport generell kein Nachteil sind, stellt sich die Frage, ob die stark vertretene Skisport-Fraktion im Teilnehmerfeld einen Vorteil hatte. Der Blick in die Rangliste sagt eindeutig nein. Der Blick ins Foto-Album verrät, dass es nicht nur den früheren Spitzensportlern, sondern allen
Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei diesem Turnier weniger um sportliche Meriten als
vielmehr um Spiel und Spass in guter Gesellschaft gegangen ist.

Paul Accola, Ski Alpin Gesamtweltcupsieger 1991/92, und Markus Foser, Gewinner der
Weltcup-Abfahrt von Gröden 1993, waren die ersten Namen auf der Nennliste für dieses
Turnier, bereits Wochen bevor der GVL die Ausschreibung an seine Mitglieder verschickt hatte. «Fösi hat mich vor ein paar Jahren mal auf dieses einzigartige Turnier aufmerksam gemacht, wir haben mitgespielt und ich war damals schon begeistert: Die Kulisse ist einfach beeindruckend», schwärmt der Davoser, für den Berge nichts Ungewöhnliches sind. «Alpin Golf Malbun macht einfach Spass, die Atmosphäre ist sehr familiär und das Spiel herausfordernd. Es braucht auch etwas Glück, weil die Bälle in diesem Gelände auch mal wegspicken.» Da hilft es nur bedingt, dass die Löcher bei diesem Turnier einen Durch-messer von 50 Zentimeter haben, und dass nur drei Schläger mitgenommen werden dürfen, macht’s auch nicht einfacher: «Ich habe mich für ein 3er-Eisen, ein 6er-Eisen und ein Pitching Wedge entschieden.»

An Skirennen in Malbun kann sich Paul Accola noch erinnern. Allerdings nicht im Täli, zu seiner Zeit seien die JO-Rennen noch «auf der anderen Seite» ausgetragen worden. «Ich war zweimal da, zweimal habe ich gewonnen», sagt er lachend.

Die Pisten im Täli deutlich besser kennt die dritte Skilegende bei diesem Turnier: Birgit Batliner, Weltcupsiegerin im Riesenslalom 2002 in Park City, hat als Nachwuchsathletin regelmässig im Malbun trainiert. Gemeinsam mit Tochter Nina Batliner zählt sie zu den treuesten Alpin-Golfern im GVL. Ebenso wie Ralph C. Schlaepfer, Vorstandsmitglied des Bündner Skiverbands. Gemeinsam mit GVL-Präsident Peter Tinner und GVL-Vorstands-mitglied Christine Tinner-Rampone war er am Sonntag «auf der Golf-Piste».

Tagessiege an Ruth Stecher und Andy Walter
Bei all dem Spass wurde der Sport nicht vergessen und die Scorekarten gewissenhaft
ausgefüllt. Dass Alpin Golf aber eine andere Disziplin ist als Golf auf einem regulären,
dauerhaften Golfplatz, zeigt sich jedes Jahr aufs Neue. Die GVL-Nationalkader-Mitglieder
Christine Tinner-Rampone, Fernando Roth und Yannick Zurflüh waren allein schon aufgrund
ihrer Handicaps als Favoriten auf die Siege in den Bruttowertungen gehandelt worden. Doch der Golfgott hatte im alpinen Gelände anderes vor. Bei den Damen setzte sich Ruth Stecher mit elf Punkten klar vor der Konkurrenz durch. Bei den Herren schnappte Andy Walter Fernando Roth den Tagessieg mit 15 Bruttopunkten um einen Zähler vor der Nase weg. Rang 3 teilten sich Nettosieger Andrin Risch, Skilegende Markus Foser und Manuel Benz mit jeweils 13 Bruttopunkten. Risch brillierte in der Nettowertung mit 27 Punkten, benötigte somit im Durchschnitt auf jeder der neun Spielbahnen einen Schlag weniger, als sein Handicap vorgegeben hat. In der Nettowertung der Junioren konnte Luis Gerster seinen Sieg aus dem Vorjahr wiederholen.

Bei der Siegerehrung am Nachmittag im Hotel «Turna», wo GVL-Generalsekretär Thomas
Schaber das Turnierbüro installiert hatte, gab’s nur zufriedene Gesichter zu sehen. Die
Preisträger freuten sich über ihre guten Scores, die anderen über einen unvergesslichen
Herbsttag im Malbun. Beim vom GVL offerierten gemeinsamen Abendessen waren sich alle
einig: Sie kommen nächstes Jahr wieder. «Ich habe meinen Parkplatz bei Birgit schon
reserviert», sagt Paul Accola.

Alpin Golf Malbun 2026, Täli, Par 32.
Brutto Herren: 1. Andy Walter (Lindau) 15 Bruttopunkte, 2. Fernando Roth (Domat/Ems GVL-Nationalteam) 14, 3. Andrin Risch (GVL), Markus Foser (Bad Griesbach) und Manuel Benz (GVL) je 13.

Brutto Damen: 1. Ruth Stecher (Montfort-Rankweil) 11 Bruttopunkte, 2. Christine Tinner-Rampone (Bad Ragaz/GVL-Nationalteam) 7, 3. Angela Mella (Gams-Werdenberg) und Martina Vorsteher (Lenzerheide) je 6.

Netto: 1. Andrin Risch (GVL) 27 Nettopunkte, 2. Andy Walter und Ramon Benz (GVL) je 23, 4. Ruth Stecher 20, 5. Martina Vorsteher und Manuel Benz je 19.

Netto Junioren: 1. Luis Gerster (Heidiland/Titelverteidiger) 21 Nettopunkte, 2. Alvaro Hasler (Gams-Werdenberg) 12.

Nächstes Turnier: Abschlussturnier, Golfresort Sonnenalp, 3. Oktober 2026.
Anmeldung unter https://www.golf.li/turniere/

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