Pierre Krähenbühl, Generaldirektor des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) besuchte am 24. und 25. September zunächst das Liechtensteinische Rote Kreuz (LRK). Anschliessend empfingen ihn S.D. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein sowie LRK-Präsidentin I.K.H. Sophie von und zu Liechtenstein. Zudem stand ein Austausch mit Landtagspräsident Manfred Kaufmann sowie dem Amt für auswärtige Angelegenheiten (AAA) auf dem Programm. Anlässlich der 10. Philanthropie-Plattform der Vereinigung gemeinnütziger Stiftungen und Trusts (VLGST) hielt er ein lnputreferat mit dem Titel: «Brücken bauen in fragmentierten Zeiten».
Da der Besuch auf Einladung des Liechtensteinischen Roten Kreuz stattfand, besuchte die IKRK Delegation zunächst die Nationale Gesellschaft selbst. Beim offenen Austausch berichtete Geschäftsleiterin Nicole Matt-Schlegel unter anderem über das erfolgreiche Haus der Familien, in welchem für 14 Organisationen an zentraler Stelle in Schaan ein Ort des Austausches, der Information und der Begegnung geschaffen wurde. Zudem informierte sie über den Aufbau der SEG-MANV (Schnelleinsatzgruppe Massenanfall von Verletzten), welches unter der Leitung des LRK in Umsetzung ist. Gemeinsam mit lsabel Fehr wurden auch die internationalen Herausforderungen und Chancen der weltweit grössten humanitären Bewegung intensiv diskutiert.

Im Anschluss stattete Pierre Krähenbühl einen Höflichkeitsbesuch bei S.D. Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein ab. Gemeinsam mit dem Amt für auswärtige Angelegenheiten (AAA) sprachen sie über die UN-Generalversammlung, die Bedeutung der Genfer Konventionen und die Einhaltung des Internationalen Völkerrechts (IHL). Darüber hinaus tauschten sie sich über die veränderte globale Sicherheitslage sowie deren Bedeutung für das Fürstentum Liechtenstein und die Arbeit des IKRK aus.
Nach dem Gespräch traf LRK-Präsidentin I.K.H. Erbprinzessin Sophie von und zu Liechtenstein den IKRK Generaldirektor gemeinsam mit Nicole Matt-Schlegel. Gemeinsam wurden sowohl die nationalen als auch auf die internationalen Geschehnisse erörtert. Insbesondere die Bedeutung der «Preparedness» als eine der obersten Prioritäten und Kernkompetenz jeder Nationalen Gesellschaft wurde hervorgehoben. Dies nicht zuletzt in diesem Zeitgeist starker internationaler Spannungen.
Abends sprach Pierre Krähenbühl anlässlich der Jubiläumsveranstaltung der VLGST über die Herausforderungen der fragmentierten Weltlage, in der das IKRK derzeit über 130 aktive Konflikte zählt. Er beleuchtete sowohl den Druck auf das humanitäre Völkerrecht inmitten von Kriegen, die sinkenden Zuwendungen, den zunehmenden Einsatz von KI, als auch die Bewahrung der fundamentalen Prinzipien sowie des internationalen humanitären Völkerrechts und erzählte dabei die Entstehungsgeschichte der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung: 1859 erlebte der Genfer Geschäftsmann und spätere IKRK-Gründer Henry Dunant die Folgen der Schlacht von Solferino aus nächster Nähe. Noch vor Ort fasste er den Entschluss, dass Hilfe niemals eine Frage der Zugehörigkeit sein darf. Pierre Krähenbühl erläuterte explizit das menschliche Leid in Konflikten und unterstrich das einzigartige Mandat des IKRK: Die Menschen in den jeweiligen Konflikten zu schützen.



Beim Höflichkeitsbesuch mit Landtagspräsident Manfred Kaufmann wurde die Bedeutung von Kleinststaaten unterstrichen. Diese können sowohl auf diplomatischer als auch finanzieller Ebene eine wichtige Rolle einnehmen, indem sie vorleben, wie man die Grundregeln der Genfer Konventionen bewahrt und Allianzen stärkt. Nachdem Liechtenstein seit über 150 Jahren ein Land ohne eigenes Militär ist, ergänzte Pierre Krähenbühl: «Stets im Dialog zu stehen und diesen aufrecht zu erhalten, mit allen Parteien, das ist eine unseren zentralen Kernkompetenzen.»
Abschliessend traf sich Pierre Krähenbühl mit Mitarbeitenden des Amtes für auswärtige Angelegenheiten zu einem Arbeitsgespräch. Im Zentrum des Gesprächs standen die aktuellen Herausforderungen im humanitären Bereich, insbesondere mit Blick auf die weltweite Krisenlage und die verfügbaren Mittel. Thematisiert wurden zudem Liechtensteins langjährige finanzielle und politische Unterstützung des IKRK sowie die gemeinsamen Prioritäten in der Nothilfe und bei der Einhaltung des humanitären Völkerrechts. Bevor er sich auf die Rückreise nach Genf machte, hielt er fest, dass auch kleinste Nationale Gesellschaften wie das LRK und kleine Staaten wie das Fürstentum Liechtenstein viel bewegen können. Wie? Indem wir unsere eigene Empörung über die Unordnung der Welt selbst in aktives Handeln umgestalten.


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