Leserbrief von Jo Schädler, Bendern
Manchmal sieht man sie noch in den Badeanstalten. Eingeölt mit glänzend brauner Haut, eine schwere Goldkette um die Brust und einen dicken Klunker am Finger, gerne Zigarre schmauchend und die Haare mit Brillantine streng nach hinten gezogen.
Die Rede ist vom alternden, aber langsam von der Badebildfläche verschwindenden Playboy, dessen prägnantestes Erkennungszeichen ein sehr knapper Bade Slip ist, über welchen vorne meist der teure Bauch hängt. Er hat ausgedient, der enge Bade Slip für den Mann. Dieser kleidet sich heute gottesfürchtig und anständig mit einer s.g. Bade Short, die meist züchtig bis an die Knie reicht. Oft gemustert und in schönen grellen Farben, was der Sicherheit im Wasser zugutekommt. Man(n) hat Stil und empfindet die Hingabe zu unserer abendländischen Kultur nicht als Bürde, sondern als Aufgabe.
Beim weiblichen Geschlecht ist jedoch genau das Gegenteil eingetreten. Jahr für Jahr werden dort die Badekleider dürftiger und knapper. Die String Badehose hat das Rennen gemacht, falls man da überhaupt noch von Hose reden kann, denn von hinten sind meist nur noch ein dünnes Schnürchen und vorne noch ein äusserst knappes Dreieck zu sehen.
Wenn man mit Gesellschaftspsychologen über diese Entwicklung redet, dann bekommt man meist zur Antwort; uns brennt der Hut, denn wir können das nirgendwo zuordnen. Die femininen Bewegungen mit ihrem Hautmerkmal Gleichberechtigung, würden ja gerne und prägnant und fordernd von Frauenrechten, von der Würde der Frau und von ihrem Recht auf Gleichstellung reden. Dass der Stoff bei der Badefrau von ihr hinüber zum Mann gewechselt hat, hätte möglicherweise damit zu tun, dass er, der Mann ganz einfach kapituliert und auch resigniert hat.
Die härteren Typen unter den Psychologen raten zu drastischen Gegenmassnahmen. Nämlich, die Männer sollen ihre Gleichberechtigung einfordern und auch nur noch mit knappen String Tangas mit vorne nur einem klitzekleinen Stofffetzchen in die Badeanstalten gehen.

