Liechtensteins Golferinnen überzeugten bei den European Team Shield Championships auf Malta mit Rang 5, Isabel Laulhé mit kurzzeitigem Platzrekord und Rang 2 im Strokeplay. Das junge GVL-Herren-Team sammelte wertvolle Erfahrungen.
Seit 2015 veranstaltet der europäische Golfverband EGA (European Golf Association) eine Team-Europameisterschaft für aufstrebende Golfnationen. Das Turnier trägt den Titel European Team Shield Championships (ETSC) und wurde 2024 vom Golfverband Liechtenstein (GVL) auf dessen Heimplatz in Gams-Werdenberg ausgetragen. Vom 29. Juli bis zum 1. August dieses Jahres waren die aufstrebenden Golfnationen auf Malta zu Gast. Der GVL war mit einem Damen- und einem Herren-Team vertreten. Nach der Strokeplay-Runde an Tag 1 wurde das Tableau halbiert, wobei die besser klassierten Nationalteams in den Matchplays im «Flight A» um die Medaillen kämpften.
Kurzzeitiger Platzrekord von Isabel Lauhlé
Die Liechtensteinerinnen waren mit dem Minimalziel «Flight A» nach Malta gereist. GVL-Vorstandsmitglied und Damen-Captain Anna Eggenberger konnte auf ein starkes Team mit erfahrenen Spielerinnen setzen. Allen voran die in den USA studierende Isabel Laulhé, die überragende Spielerin der ETSC 2025 in Bulgarien. Auch im Royal Malta Golf Club lieferte die 22-jährige Laulhé ab: 67 Schläge im Strokeplay liessen den mitgereisten GVL-Vizepräsidenten Riccardo Cosi jubeln – Platzrekord bei den Damen! «Das war mein erster Platzrekord überhaupt – auch wenn er nicht allzu lange gehalten hat», sagt Laulhé rückblickend. Zurück im Clubhaus habe sie auf dem Live Scoring gesehen, dass die Türkin Zeynep Sualp sehr gut unterwegs ist: «Nach 14 gespielten Löchern lag sie bei 5 unter Par. Auf den verbleibenden vier Löchern bekundete sie dann aber überraschend grosse Probleme, trotzdem schaffte sie es, meinen Score um einen Schlag zu unterbieten», nimmt die GVL-Nationalspielerin den ihr umgehend wieder entrissenen Platzrekord sportlich. «Ich war in dieser Strokeplay-Runde mit meinem Spiel nicht ganz zufrieden. Zu Beginn musste ich einige Bogeys hinnehmen, habe aber bis zum letzten Loch gekämpft und konnte einen soliden Score abliefern.»
Nicht nur Laulhé, auch Eggenberger, Valentina Roth und Lisa Sele erfüllten im Strokeplay die in sie gesetzten Erwartungen, sodass das Minimalziel nach Tag 1 bereits erreicht war. Als Dritte nach der Strokeplay-Runde bekamen es die Liechtensteinerinnen in der ersten Matchplayrunde mit San Marino zu tun. Laulhé spielte ihre mentale Stärke und sportliche Überlegenheit aus und gewann ihr Match mit 3&2. Roth und das Doppel Sele/Eggenberger mussten ihren Gegnerinnen gratulieren. Im Halbfinale ging es für die Liechtensteinerinnen gegen die Ukrainerinnen darum, wer in die Partie um Rang 5 einziehen durfte. Die GVL-Damen gewannen sowohl das Doppel als auch ein Einzel (Laulhé). Auch im letzten Match gegen Lettland beliess Playing Captain Anna Eggenberger die Aufstellung wie an den Vortagen: «Valentina hat sehr viel Potenzial. Sie hat die letzten Jahre immer Doppel gespielt. Auch wenn der Parcours auf Malta eher kurz war, kann sie mit ihrer Länge vom Tee viel rausholen. Zudem war sie unglaublich motiviert, im Einzel einen Punkt zu holen, deshalb – und weil Lisa und ich uns im Doppel gut ergänzen – habe ich die Aufstellung beibehalten.» Valentina Roth hat sich für dieses Vertrauen mit einem Sieg über die Lettin Liliana Krole bedankt. Weil Isabel Laulhé auch ihr drittes Matchplay gewann, erreichten die Liechtensteinerinnen den fünften Schlussrang.
Eine Klassierung, mit der Captain Anna Eggenberger durchaus zufrieden ist. Auch wenn rückblickend noch mehr drin gewesen wäre: «Schade konnten wir in der ersten Matchplayrunde unsere gute Form nicht weiter umsetzen. Aber wir haben danach gut gekämpft.»
Den Sieg im Damenbewerb, an dem zehn Teams teilgenommen haben, holten sich die überragenden Türkinnen mit der amtierenden FL-Open-Championne Deniz Sapmaz in ihren Reihen. Sie bezwangen im Finale die Gastgeberinnen aus Malta. Bronze ging an Bulgarien.
Junges Herren-Team sammelte Erfahrungen
Die Liechtensteiner Herren, die sich in den letzten Jahren bei den ETSC jeweils für den «Flight A» qualifizieren konnten, traten auf Malta mit einem stark verjüngten Team an. Einzig Playing-Captain Yannick Zurflüh war letztes Jahr in Bulgarien bereits im Team. «Die Ausgangslage war extrem schwierig, zumal erstmals eine Rekordzahl von 14 Mannschaften am Start waren, die acht Plätze in ‚Flight A‘ also härter umkämpft waren als je zuvor und wir Liechtensteiner von den Handicaps her das nominell zweitschwächste Team waren», erklärt Zurflüh im Rückblick. Die drei Teenager Sebastian Marxer, Fabrice Roth und Fernando Roth gehören erst seit Kurzem dem GVL-Nationalkader an. «Sie sind die Zukunft unseres Teams und es ging in Malta in erster Linie darum, dass diese Nachwuchsspieler internationale Turnier- und Matchpraxis sammeln konnten», so Zurflüh.
In einem starken Feld zahlten die Liechtensteiner in der Strokeplayrunde denn auch Lehrgeld und mussten sich in den Matchplays im «Flight B» mit dem Kampf um die Plätze 9 bis 14 zufrieden geben. Was den Playing-Captain der Liechtensteiner Herren dennoch stolz macht: «Wir haben gekämpft. Bis zum Schluss und nie aufgegeben. Ich bin stolz auf meine Jungs, auf alle Leistungen. Auch wenn vielleicht mehr drin gelegen wäre.» Mit dem Kampfgeist der jungen Nationalspieler dürfe man zufrieden sein, mit der Klassierung nicht. Aber eben, «es ging vor allem darum zu lernen, Erfahrungen zu sammeln und die jungen Spieler aufzubauen, damit sie in Zukunft zu Leistungsträgern heranwachsen».
Stolz sein darf das GVL-Herren-Team auch auf die erste Matchplay-Runde gegen Bosnien & Herzegowina, in welcher sowohl Sebastian Marxer als auch Fabrice Roth ihre Einzelpartien und Fernando Roth/Yannick Zurflüh das Doppel für sich entschieden. In der zweiten Matchplay-Runde bekamen es die Liechtensteiner mit den sehr starken Albanern zu tun und konnten einzig das Doppel (Fabrice Roth/Sebastian Marxer) gewinnen. «Fernando und ich taten uns in den Einzeln extrem schwer, da unsere Gegner keine Fehler machten», so Zurflüh. In der dritten Matchplay-Runde ging es für die GVL-Herren um Platz 11, doch auch die Serben erwiesen sich als zu stark und gewannen die ersten beiden Matches. Rang 12 dürfte für die die Liechtensteiner ETSC-Rookies weniger wertvoll sein, als die Erfahrungen, die sie aus Malta mitnehmen.
«Für mich war es eine grosse Ehre, dem Team als Playing Captain zu dienen. Ich habe mein Bestes gegeben und hoffe, ich habe meinen Jungs auch einiges mitgeben können – Tipps fürs Strokeplay und fürs Matchplay», so Zurflüh, der für diese Aufgabe brennt. «Ich bin stolz auf dieses Team und nach den Erfahrungen von Malta nun noch motivierter, in den nächsten zwölf Monaten noch mehr Gas zu geben, damit nächstes Jahr auch die Platzierung Freude bereitet.»
Den Sieg bei der European Team Shield Championship 2026 der Herren holten sich die Gastgeber aus Malta, die im Finale die starken Türken bezwangen. Bronze ging wie bei den Damen an Bulgarien.
Medaille im Visier
Rang 5 ist die zweitbeste Klassierung von Liechtensteins Damen in der bisherigen ETSC-Geschichte, einzig 2019 in Litauen waren die GVL Ladies als Vierte noch besser klassiert. Damen-Captain Anna Eggenberger will nicht zu weit in die Zukunft planen, darf mit Valentina Roth aber auf eine starke Nachwuchsspielerin zählen. Ob Isabel Laulhé dem Team 2027 noch angehören wird, ist fraglich. Sie schliesst im Dezember ihr Studium an der New Mexico State University ab und wird anschliessend an der Q-School zur Ladies European Tour teilnehmen. Ein Wechsel ins Profilager liegt somit in der Luft – und damit eine weitere Premiere für den Liechtensteiner Golfsport.
Yannick Zurflüh dagegen hat klare Ziele für die kommenden Monate: «Trainieren, trainieren, trainieren, viele Turniere spielen und besser werden. Das gilt für uns alle. Auch für die, die dieses Jahr auf Malta nicht dabei gewesen sind.» Für ihn ist nämlich klar, dass der GVL in nicht allzu ferner Zukunft bei den ETSC (endlich) einen Podiumsplatz erreichen sollte. «Die Damen waren dieses Jahr sehr nahe dran, wir Herren verfolgen dieses Ziel seit längerem und sehr konsequent.»
Die 13. European Team Shield Championships werden vom 28. bis 31. Juli 2027 stattfinden; der Austragungsort wurde von der EGA noch nicht bekannt gegeben.
BILD: Die beiden GVL-Nationalteams bei den European Team Shield Championships 2026: Fernando Roth, Sebastian Marxer, Fabrice Roth, Yannick Zurflüh, Lisa Sele, Anna Eggenberger, Valentina Roth und Isabel Laulhé (von links).

