Laurin Specht aus Ruggell ist 19 Jahre jung und im zweiten Semester seines Betriebswirtschaftsstudiums an der Universität St. Gallen. Sehr erlebnisreich für ihn war das soeben absolvierte M&A-Praktikum in Hong Kong. Laurin interessiert sich sehr für gesellschaftspolitische Themen und setzt sich mit Zukunftsfragen, welche die Jugend bewegen und besonders betroffen machen, intensiv auseinander. So ist er seit 2024 bei der jungen FBP (seit 2025 im Vorstand) und Jugenddelegierter für Liechtenstein beim Europarat. Ein Gespräch mit dem jungen Ruggeller ist sehr spannend, vielseitig und inspirierend.
Interview: Johannes Kaiser
Laurin, du bist im zweiten Semester des Betriebswirtschaftsstudiums an der Universität St. Gallen. Was fasziniert dich an dieser Studienrichtung?
Laurin Specht: Wirtschaftliche Zusammenhänge, Unternehmen und Makroökonomie haben mich von klein auf interessiert, besonders strategisches Denken, Innovation und Start-ups. Gerade heute, da es durch den technologischen Wandel und die Künstliche Intelligenz viel einfacher ist, zu gründen, und das ohne grosse Ressourcen oder Fachwissen. Die HSG lag für mich auf der Hand, weil dort ein Umfeld geschaffen wird, das einen fordert, sich stetig weiterzuentwickeln.
Worin siehst du als junger Student die wirtschaftlichen Herausforderungen für Liechtenstein?
Liechtenstein hat über Jahrzehnte eine einzigartige Grundlage für Wachstum geschaffen, die es fortzuführen gilt. Trotzdem haben auch wir Herausforderungen zu bewältigen. Die bürokratischen Hürden sind gerade für KMU und Start-ups enorm schädlich und lenken die Unternehmen von ihrem Kernzweck ab. Diesbezüglich braucht es viel effizientere staatliche Unterstützung. Dazu kommen der demografische Wandel und die KI-Disruption. Dabei darf Liechtenstein nicht zurückfallen, sondern muss durch die richtigen Partnerschaften zur echten Hilfe für den Standort werden.
Welche gesellschaftspolitischen Themen beschäftigen dich als jungen Erwachsenen?
Mir liegt enorm viel daran, dass wir wieder eine verbindende und fortschrittliche Gesellschaft werden. Es braucht von allen Gruppen mehr Engagement, um die Bevölkerung und die Unternehmen wieder in den Fokus zu rücken. Eine Gesellschaft auf unserem Standard muss auch in schwierigen Zeiten zusammenhalten. Man sehe sich Singapur unter Lee Kuan Yew an, das auch deshalb heute auf diesem Level ist, weil es in den Anfangsjahren durch eine vereinte Bevölkerung gewachsen ist.
Du bist auch bei der jungen FBP sehr engagiert. Welches sind für dich die zentralen Anliegen, die ihr im Kreise der Jugendlichen besprecht und die euch bewegen?
Mich und uns bewegen vor allem die demografische Entwicklung, die geopolitische Lage und die unsicheren Zukunftsaussichten, andererseits aber auch die Polarisierung der Gesellschaft, der viele Jugendliche kritisch gegenüberstehen.
Wenn du einen Tag auf dem Sessel der Regierungschefin sitzen dürftest, welche drei Dekrete würdest du initiieren und unterzeichnen?
Das wäre natürlich eine enorme Chance. Zuerst eine echte Innovations- und Start-up-Förderung, weil junge Unternehmen für unser Wachstum entscheidend sind, gerade weil Venture Capital bei uns begrenzt ist. Zweitens mehr Monitoring der Politik, damit die Bevölkerung transparent erfährt, welche Massnahmen aus welchen Gründen getroffen werden, und wieder spürt, dass die Politik für sie arbeitet. Und drittens würde ich das Rentenalter für nicht körperliche Berufe an die Lebenserwartung koppeln, wie es OECD und IWF empfehlen. Für mich ist das eine Frage der Generationengerechtigkeit, damit die AHV auch für die, die nach uns kommen, sicher und Liechtenstein attraktiv bleibt.
Zurück zur Privatperson Laurin. Was machst du in der Freizeit?
In meiner Freizeit findet man mich meist auf dem Tennis- oder Golfplatz, ab und zu bei einer neuen Sportart und im Winter oft auf der Skipiste. Auch an der Uni bin ich gerne, weil die Studentenvereine enorme Möglichkeiten eröffnen, und zum Ausgleich setze ich mich gerne ans Klavier. Sonst geniesse ich die Zeit mit meiner Freundin und meinen Freunden, reise und lese gerne. Diesen Sommer durfte ich ausserdem ein spannendes M&A-Praktikum in Hong Kong machen, so eine faszinierende Kultur mit ganz neuen Sichtweisen kennenlernen und durfte auch den einen oder anderen Ort bereisen.
Danke, Laurin, für dieses sehr interessante und sympathische Gespräch.

