Forum/Leserbrief vom Mobilitätsverein Liechtenstein MOVE-LI.li

 

Kürzlich wurde im Vaterland ein Fremdartikel von einem Felix Ertle veröffentlicht. Dieser stellte fest, dass gemäss Schätzungen des Bundesamts für Raumentwicklung beim Auto rund 12 Rappen/km an externen Kosten entstehen. Eingerechnet wurden Klimaschäden, Luftverschmutzung, Lärm, Unfallfolgen sowie Staus! Nachdem Autofahrer mit der Motorfahrzeugsteuer für den Bau und Unterhalt der Strassen zahlen, sollen diese auch noch für Staus verantwortlich gemacht werden, weil die Infrastruktur seit Jahren vernachlässigt wird?

Velofahrer verursachen gemäss derselben Schätzung ca. 7 Rappen/km, also etwas mehr als die Hälfte der Autofahrer (vor allem wegen Unfällen). Autofahrer zahlen Steuern und Abgaben auf Treibstoff und darauf auch noch MWST, CO2-Abgaben, Motorfahrzeugsteuer, eine Einfuhrsteuer von CHF 4000.- pro Auto an den Zoll. Im Gegenzug werden laufend Strassenräume für Autos reduziert und Velofahrern zur Verfügung gestellt, welche von den Autofahrern bezahlt werden!

Nun soll hiermit keinesfalls der Bau von neuen Radwegen in Frage gestellt werden, sondern vielmehr der Umstand, dass diese Radwege zu Lasten des bisherigen Strassenraums erstellt werden. Radwege können auch abseits der Strassen – parallel dazu – errichtet werden: Beispiel Haberfeld Vaduz, ein Weg der von Fussgängern und Radfahrern sehr gern genutzt und damit die Herrengasse entlastet wird – abgesehen von einzelnen Radfahrern, die das noch nicht erkannt haben. Solche Wege sind wesentlich ungefährlicher (Unfallkosten von Velofahrern), frei von Abgasen und behindern nicht den Verkehrsfluss auf den inzwischen wegen Inseln, Pollern, Bushaltestellen zu engen Strassenräumen. Früher konnte auf Landstrassen ein Velofahrer, Traktor oder ein Baufahrzeug, das den Verkehrsfluss behinderte, problemlos überholt werden. Heute wird sogar ausserorts durch bauliche Massnahmen jegliches Überholen verhindert.

Die Forderung Ertles, nur für Autos nochmals eine neue Abgabe auf Klima- und Gesundheitsfolgen zu erheben, ist unverhältnismässig: Der Autofahrer als Melkkuh der Nation – eine weitere Studie in diese Richtung.

Mehr als die Hälfte des Benzinpreises besteht aus Steuern und Abgaben und für Strom zahlen Elektrofahrzeuge CO2-Abgaben. Beide sind kilometerabhängig und daher verursachergerecht. Zusammen mit all den anderen Abgaben muss das reichen, solange Staus zunehmen, weil Strassen laufend verengt, statt wo nötig ausgebaut werden. Also: keine Stausteuer für Autofahrer, Herr Ertle!

 

 

 

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