Es ist eine Tradition, dass neben der Ansprache des Fürstenhauses auch der Landtagspräsident auf der Schlosswiese aus Anlass des Festaktes zum Staatsfeiertag eine Ansprache hält. In diesem Jahr war es Landtagspräsident Manfred Kaufmann.

 

Durchlauchter Landesfürst
Durchlauchter Erbprinz
Königliche Hoheit
Sehr geehrte Mitglieder von Regierung und Landtag
Sehr geehrter Herr Bischof
Exzellenzen
Durchlauchten
Sehr geehrte Präsidenten und stellvertretende Präsidenten der Gerichte
Sehr geehrte Frau Gemeindevorsteherin und sehr geehrte Herren Gemeindevorsteher
Liebe Liechtensteinerinnen und liebe Liechtensteiner
Liebe Einwohnerinnen und liebe Einwohner
Liebe Gäste aus nah und fern

Wenn wir heute hier auf der Schlosswiese den Blick über unser vertrautes Liechtenstein schweifen lassen, sehen wir weit mehr als Berge, Täler und Dörfer. Wir sehen unsere Heimat. Eine Heimat, die Generationen vor uns nicht einfach übernommen haben.

Sie haben sie mit Fleiss, Mut, Verantwortung und Weitsicht zu dem gemacht, was sie heute ist. Dafür verdienen sie unseren Respekt, unsere Dankbarkeit und unsere Anerkennung. Dankbarkeit bedeutet für mich auch, das Bewährte lebendig zu erhalten und an kommende Generationen weiterzugeben. Gerade unser Staatsfeiertag erinnert uns daran. Der Staatsfeiertag ist mehr als nur ein festlicher Anlass. Es ist ein besonderer Tag, an dem wir als Land innehalten.

Die Flamme unseres Liechtensteins

Ein Tag, an dem wir uns bewusst Zeit nehmen, um das zu schätzen, was Liechtenstein ausmacht. Und zugleich ein Tag, an dem wir mit Zuversicht auf das blicken dürfen, was vor uns liegt. Für mich lässt sich all das in einem einzigen Bild zusammenfassen. Es ist das Bild einer Flamme. Vielleicht auch deshalb, weil mich die Form unseres Landes an eine Flamme erinnert. Die Flamme unseres Liechtensteins. Sie wurde uns anvertraut. Sie ist über Generationen gewachsen.Genährt von Fleiss.

Von Verantwortung.

Von Zusammenhalt.

Von Vertrauen.

Von gegenseitigem Respekt.

Und von unternehmerischem Mut.

Diese Flamme verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Sie erinnert uns daran, dass jede Generation ihren Beitrag leistet.

Nicht nur für sich selbst.

Sondern auch für jene, die nach uns kommen.

Ein sichtbares Zeichen dieser Flamme sind die Höhenfeuer auf unseren Bergen, die traditionell unseren Staatsfeiertag begleiten. Mich persönlich berühren sie besonders. Ihr Licht erinnert mich an unsere Heimat und daran, dass wir zusammengehören.

 

Festakt anlässlich des Staatsfeiertages 2026. Es sprachen S.D. der Erbprinz, Landtagspräsident Manfred Kaufmann und Bischof Elb. Fotos: Michael Zanghellini .

Sicherheit und Stabilität 

Die Flamme unseres Liechtensteins steht für mich auch für etwas, das viele Menschen an unserem Land besonders schätzen: Sicherheit und Stabilität.

Eine kürzlich veröffentlichte Bevölkerungsbefragung zeigt, dass sich die grosse Mehrheit der Menschen in Liechtenstein sicher fühlt. Gerade in einer Welt voller Unsicherheiten erkennen wir, wie wertvoll es ist, in einem sicheren Land mit stabilen staatlichen Strukturen leben zu dürfen. Dieses kostbare Gut gilt es auch in Zukunft zu bewahren und zu schützen.

Die Flamme unseres Liechtensteins steht auch für das Verbindende zwischen den Menschen in unserem Land.

Sie verbindet Generationen.

Sie verbindet unsere elf Gemeinden.

Und sie erinnert uns daran, dass uns weit mehr verbindet als trennt.

Unterschiedliche Meinungen gehören zu einer lebendigen Demokratie.

Sie bereichern den Dialog und eröffnen neue Perspektiven.

Entscheidend ist, dass wir einander mit Respekt begegnen, einander zuhören und andere Meinungen gelten lassen.

So entstehen tragfähige Lösungen, die unser Land weiterbringen. Dieses Verständnis von Demokratie ist auch für mich ein wichtiger Leitgedanke in der politischen Arbeit. Heute werden die Begriffe konservativ und traditionell nicht immer in ihrem ursprünglichen Sinn verstanden. Konservativ bedeutet ursprünglich “gemeinsam bewahren” – aus dem lateinischen conservare. Tradition bedeutet ursprünglich “weitergeben” – aus dem lateinischen tradere. Beides richtet den Blick nicht zurück, sondern letztlich nach vorne.

Es geht darum, jene Werte zu bewahren, die Liechtenstein und dessen Bevölkerung auszeichnen. Diese Werte gilt es an die kommenden Generationen weiterzugeben.

Die Flamme steht für dieses Liechtenstein.

Dieses starke Fundament gibt uns Zuversicht – auch mit Blick auf die vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit. Die Welt verändert sich in einer Geschwindigkeit, die wir alle täglich erleben. Auch Liechtenstein bleibt von diesen Veränderungen nicht unberührt.

Steigende Lebenshaltungskosten beschäftigen und belasten viele Menschen.
Das zeigt sich auch daran, dass immer mehr Menschen auf Prämienverbilligungen bei der Krankenkasse angewiesen sind. Dabei dürfen wir besonders jene Menschen nicht aus den Augen verlieren, die auf Unterstützung angewiesen sind.

Zu den grossen Aufgaben gehört auch die langfristige Sicherung unseres wichtigsten Sozialwerks – der AHV. Diese Weichenstellung liegt unmittelbar vor uns. Dabei braucht es sorgfältige Entscheidungen, die sowohl der heutigen als auch der kommenden Generation gerecht werden.

Ebenso braucht unser Land eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der Verkehrsteilnehmer Rechnung trägt und die vom Durchgangsverkehr betroffenen Anwohner berücksichtigt.
Gerade zu den Stosszeiten zeigt sich, dass sie zunehmend an ihre Grenzen gelangt. Eine gute Erreichbarkeit ist ein wichtiger Standortvorteil für unser Land.

Auch der technologische Wandel stellt uns vor neue Aufgaben. Gerade deshalb bleibt eine gute Bildung eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Zukunft unseres Landes. Künstliche Intelligenz wird unseren Alltag und unsere Arbeitswelt verändern.
Entscheidend wird sein, ihre Chancen zu nutzen und verantwortungsvoll mit ihr umzugehen. Sie soll den Menschen unterstützen – und ihn nicht ersetzen.

Wie wichtig Sicherheit auch im digitalen Raum ist, hat uns der kürzlich erfolgte Cyberangriff auf das Verzeichnis der wirtschaftlich berechtigten Personen deutlich vor Augen geführt.

Für einen modernen und international vernetzten Wirtschafts- und Finanzplatz wie Liechtenstein ist Cybersicherheit von zentraler Bedeutung.

Die rasche Reaktion der zuständigen Stellen und die Information der Öffentlichkeit durch die Regierung waren dabei wichtige Schritte.

Ebenso wichtig ist es, den Vorfall umfassend aufzuarbeiten, die Sicherheit unserer digitalen Systeme weiter zu stärken und den Schutz persönlicher Daten bestmöglich zu gewährleisten.

Auch die Initiative zur Fristenlösung bewegt derzeit viele Menschen in unserem Land. Gerade bei einem Thema, das unterschiedliche persönliche und gesellschaftliche Sichtweisen berührt, ist es mir als Landtagspräsident besonders wichtig, dass wir einander mit Respekt begegnen und andere Meinungen achten – sowohl bei der bevorstehenden Behandlung im Landtag als auch im Rahmen einer allfälligen Volksabstimmung.

Über all diesen Herausforderungen steht für mich ein gemeinsames Ziel: wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben, unseren Zusammenhalt zu bewahren und unsere Heimat auch für kommende Generationen lebenswert zu erhalten.
Gerade als kleiner Staat mit kurzen Wegen können wir rasch und pragmatisch handeln. Dabei sollten wir vorhandene Spielräume nutzen und mit Augenmass vorgehen. Denn nicht jeder Sachverhalt braucht eine detaillierte Regelung.

Diese Stärke Liechtensteins sollten wir auch in Zukunft nutzen und dort, wo immer möglich, gemeinsam nach unkomplizierten und praktikablen Lösungen suchen. Oft sind es gerade der gesunde Menschenverstand, das Vertrauen ineinander und der Wille, gemeinsam voranzugehen, die den entscheidenden Unterschied machen. Denn auch das macht Liechtenstein aus.

Ich begegne in unserem Land täglich Menschen, die Verantwortung übernehmen – oft still und selbstverständlich. Genau diese Menschen geben mir Zuversicht. Ich bin deshalb überzeugt, dass wir auch die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam meistern werden. Nicht weil der Weg immer einfach sein wird, sondern weil Menschen zusammenhalten und bereit sind, Lösungen zu finden.

Die Grösse eines Landes misst sich nicht an seiner Fläche, sondern an den Werten, die seine Menschen leben. Denn was wir bewahren und weitergeben, sind nicht nur Traditionen, sondern vor allem die Werte, die Liechtenstein stark gemacht haben und letztlich auch ausmachen.

Deshalb gilt unser besonderer Dank und unsere Anerkennung all jenen Menschen, die Tag für Tag Verantwortung übernehmen und sich für das Gemeinwohl einsetzen. In den Familien, in den Unternehmen, im Bildungs- und Gesundheitswesen, in den Vereinen, im Ehrenamt, im Bevölkerungsschutz und überall dort, wo oft im Stillen Grosses geleistet wird. Sie alle tragen dazu bei, dass Liechtenstein nicht nur erfolgreich ist, sondern auch von einem respektvollen Miteinander und gegenseitiger Unterstützung geprägt bleibt.

Der heilige Antonius, den ich persönlich sehr verehre, bringt diesen Gedanken mit einem einfachen Satz auf den Punkt: «Die Worte sollen lehren – die Taten sollen sprechen.»

Ich vertraue darauf, dass wir diesen Gedanken auch in Zukunft leben. Ich vertraue darauf, dass wir die Flamme unseres Liechtensteins mit derselben Verantwortung weitertragen, mit der sie uns anvertraut wurde. Damit sie auch für kommende Generationen hell leuchtet – als Zeichen unserer Heimat, unseres Zusammenhalts und unserer Zuversicht.

Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Aufmerksamkeit. Ich danke Ihnen für Ihre Verbundenheit mit unserer Heimat. Und ich danke Ihnen für Ihre Liebe zu unserem Land.

Ich wünsche allen Anwesenden, der gesamten Bevölkerung Liechtensteins und all unseren Gästen einen frohen und unvergesslichen Staatsfeiertag.

Ein herzliches Dankeschön gilt allen, die den heutigen Staatsfeiertag mit grossem Engagement organisiert und mitgestaltet haben.

Für Gott, Fürst und Vaterland.

 

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