Die USA verhängen neue Zölle gegen 60 Länder – Martin Frick Taskforce-Leiter und US Expertin Greta Peisch erklären, was hinter Trumps Druckstrategie wirklich steckt.
Wie von der LIE-zeit bereits gestern berichtet, hat die US-Regierung am Donnerstag, 23. Juli, neue Importzölle gegen 60 Handelspartner in Kraft gesetzt- darunter China, die EU, Indien und Japan. Die Abgaben liegen zwischen 10 und 12,5 Prozent und ersetzen eine befristete Regelung, die nach einem Urteil des Supreme Court nur 150 Tage gültig war. Für die Schweiz setzten die USA den Zollsatz auf 12,5 Prozent, höher als in den allermeisten Mitgliedsländer der EU. Die Belastung der Schweizer Wirtschaft hat auch Auswirkungen auf Liechtenstein.
Washington begründet die Maßnahme offiziell mit fehlenden Verboten von Zwangsarbeits-Importen. Länder wie Kanada, die EU und Großbritannien, die ein solches Verbot eingeführt oder sich dazu verpflichtet haben, zahlen den niedrigeren Satz von 10 Prozent. China, Japan, die Schweiz und Südkorea trifft der höhere Satz von 12,5 Prozent. Im Falle der Schweiz seien die US-Ermittler gar zum Schluss gekommen, dass ein solches Verbot nicht existiere. Diese Vorwürfe werden von der Schweiz zurückgewiesen.
Liechtenstein sei nicht Gegenstand von Ermittlungen wegen aus US-Sicht unfairen Handelsbedingungen gewesen, sagte Martin Frick, Vorsitzender der Liechtensteiner Taskforce Handelspolitik in einem Beitrag im Vaterland vom 25.Juli. Deshalb scheine unser Land nicht in den neuen Zollmassnahmen auf. Frick weiter: »Auch wenn Liechtenstein nicht direkt mit neuen Zusatzzöllen belegt wurde, so ist unsere Wirtschaft dennoch von diesen betroffen.»
Viele Liechtensteiner Unternehmen besitzen Produktionsstätten in Europa oder der Schweiz, von wo sie direkt oder indirekt in die USA exportieren. Die neuen Zölle würden sich also indirekt auch auf die heimische Wirtschaft auswirken, so Frick. Die Taskforce sei mit den Wirtschaftsverbänden im Austausch, um die negativen Auswirkungen dieser neuen Situation erkennen und analysieren zu können.
Trumps Zollstrategie: Was steckt wirklich dahinter?
Handelsrechtlerin Greta Peisch (Bild), frühere Generalberaterin im US-Handelsministerium, sieht hinter den Zöllen eine klare Druckstrategie gegenüber Handelspartnern. Besonders Kanada gerät ins Visier: Washington betrachtet Streitpunkte bei Milchimporten, US-Alkohol und amerikanischen Autos als Vorbedingung für neue USMCA-Verhandlungen. Ottawa hingegen besteht darauf, alle Punkte gemeinsam zu verhandeln. Gleichzeitig bereitet die Trump-Regierung bereits die nächste Zoll-Runde vor – dieses Mal auf Basis von Section 301, juristisch abgesicherter als alle bisherigen Maßnahmen.
Auch Länder mit bestehenden Handelsabkommen sind nicht sicher: Experten warnen, dass selbst ausgehandelte Deals weiterhin fragil bleiben.
BILD: US- Wirtschafts-Expertin Greta Peisch: «Auch Länder mit bestehenden Handelsabkommen sind nicht sicher: Experten warnen, dass selbst ausgehandelte Deals weiterhin fragil bleiben-» Quelle: FR-Rundschau

